Börsenausblick: Party schon vorbei? - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Party schon vorbei?

Nach der Zinssenkungs-Party erwarten Händler einen schwachen Auftakt. Gewinnmitnahmen haben bereits die Wall Street gedrückt. Die Bilanz der Commerzbank belastet zusätzlich.
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Frankfurt am Main - Der Dax dürfte heute mit deutlichen Abschlägen eröffnen, nachdem er nach der deutlichen Zinssenkung der EZB um 50 Basispunkte zeitweise an der 5000-Punkte-Marke gekratzt hatte und 2,3 Prozent fester aus dem Handel ging. Die Zinssenkungs-Phantasie sei aus dem Markt, sagten Händler: Nach dem Motto "sell on good news" dürften jetzt viele Marktteilnehmer verkaufen, zumal vorerst keine weiteren Zinssenkungen in Euroland zu erwarten seien und zudem schlechte Unternehmenszahlen wie die der Commerzbank   die Stimmung drücken.

Der Dax ist seit den Anschlägen vom 11. September bereits wieder um 40 Prozent geklettert. Die Erholung gehe zu schnell, meinen Händler. Optimisten halten dagegen, dass der Index immer noch rund 25 Prozent von seinem Jahreshoch entfernt ist.

Commerzbank unter Druck

Von den Zahlen der Commerzbank für das dritte Quartal, hatten Analysten keine positiven Überraschungen erwartet - schon gar keine nach der Gewinnwarnung vom 15. Oktober, als die Bank einen Verlust von 120 Millionen Euro für August und September ausgewiesen hatte. Am Freitag morgen meldete die Bank einen Verlust von 184 Millionen Euro im dritten Quartal, der noch über den Erwartungen der meisten Analysten (178 Millionen Euro) lag. Der Gewinn in den ersten neun Monaten 2001 sei um rund 90 Prozent eingebrochen.

Zu den größten Gewinnern zählten gestern die Deutsche Telekom   . Die niedrigen Zinsen verbessern die Stimmung im Telekomsektor, da sie dazu beitragen, die Zinslasten im Zusammenhang mit dem Schuldenabbau zu verringern. Am Freitag kündigte jedoch die Swiss Telecom nach Medienberichten an, ihren UMTS-Start zu verschieben.

Die Lufthansa   -Aktie dürfte es heute schwer haben, ihre stattlichen Kursgewinne der Vortage zu halten. Die Airline profitiere von der Sabena-Pleite, sagten Händler. Zudem mache die Europäische Kommission Ernst und schiebe den hohen staatlichen Subventionen einen Riegel vor, hieß es. Zum Wochenschluss dürften sich Anleger jedoch zunächst die eingefahrenen Kursgewinne sichern.

Deutsche Börse überrascht

Die Deutsche Börse AG hat im dritten 3. Quartal des laufenden Geschäftsjahres Umsatz und Ergebnis im Vorjahresvergleich gesteigert. Mit 64,8 (60,8) Millionen Euro liege das Konzernergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im 3. Quartal sieben Prozent über dem Vorjahreswert, teilte die Deutsche Börse AG am Freitag in einer ad-hoc-Mitteilung mit. Für die ersten neun Monate ergebe sich ein Ebit-Anstieg um 24 Prozent auf 225,3 Millionen Euro, womit bereits das Ergebnis des Gesamtjahres 2000 (216 Millionen Euro) übertroffen worden sei. Dies ist insbesondere auf die starken Wachstumsraten des Terminmarktes Eurex und des Systemhauses Systems zurückzuführen, hieß es.

Gewinnmitnahmen in USA, Disney drückt

An der Wall Street ließen Gewinnmitnahmen die Anfangsgewinne schwinden. Am Vormittag hatte der Dow Jones ein Plus von 170 Punkten eingefahren, das bis zum Ende der Börsensitzung auf 32 Punkte zusammenschmolz. Der Technologieindex Nasdaq Composite gab einen Gewinn von mehr als zwei Prozent ab und rutschte in der letzten Börsenstunde ins Minus.

Der Unterhaltungskonzern Walt Disney meldete nach Börsenschluss Quartalszahlen unter den Markterwartungen: Der Unterhaltungskonzern fuhr einen Gewinn von 6 Cents pro Aktie vor außerordentlichen Kosten ein. Nach Angaben von First Call hatten die Wall Street Analysten im Durchschnitt mit sieben Cents gerechnet. Im regulären Handel war die Aktie um mehr als zwei Prozent geklettert, nachbörslich gab Disney um mehr als zwei Prozent nach.

Tokio schwächer

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Freitag schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte am Handelsende erlitt einen kräftigen Abschlag von 216,08 Punkten oder 2,1 Prozent und ging mit 10 215,71 Punkten aus dem Markt. Die Regierung hatte zuvor mitgeteilt, dass die japanische Wirtschaft im laufenden Fiskaljahr um 0,9 Prozent schrumpfen dürfte. Der Euro notierte leichter mit 0,8908-10 Dollar nach 0,8970-72 Dollar am Vortag.