Börsenausblick Paukenschlag nach dem Katzenjammer
Frankfurt am Main - Nach den massiven Verlusten in Europa beginnt die Wall Street ihre Börsenwoche mit einer Elefantenhochzeit. Hewlett-Packard übernimmt Compaq für rund 25 Milliarden Dollar in Aktien. Entsprechende Berichte der "New York Times" und des "Wall Street Journals" bestätigten beide Firmen in Palo Alto. Damit entsteht ein Computer-Gigant, der fast an Branchenführer IBM heranreicht: Hewlett-Packard meldete zuletzt Einkünfte von 47 Milliarden und Compaq von 40 Milliarden Dollar, während IBM auf 90 Milliarden kam.
Der Deal dürfte in der gesamten Hightechbranche für Bewegung sorgen nach den massiven Verlusten gestern dürfen Anleger auf eine Erholung hoffen. Börsianer halten den Markt für überverkauft allein die Nachricht einer Übernahme dieser Größenordnung könnte Spekulanten dazu veranlassen, ihre Leerverkäufe einzudecken und damit für eine Stabilisierung der Kurse zu sorgen.
Kabelnetzverkauf perfekt
Auch die T-Aktie dürfte nach den starken Verlusten von gestern behauptet in den Handelstag starten. In den Verhandlungen um den Verkauf der restlichen zwei Drittel des TV-Kabelnetzes der Deutsche Telekom AG an den US-Konzern Liberty Media hat es es nach Informationen der "Financial Times Deutschland" einen Durchbruch gegeben. Wie die Zeitung aus Verhandlungskreisen erfahren habe, sollen alle Differenzen zwischen Liberty Media und der Telekom beigelegt sein. Kurz vor Börsenbeginn bestätigten die Unternehmen die Nachricht. Der Kaufpreis soll 5,5 Milliarden Euro betragen. Die T-Aktie hatte gestern mit einem Verlust von 3,2 Prozent auf 16,40 Euro geschlossen.
Besonders der Softwarehersteller SAP hat eine Erholung nötig. Die Aktie verlor gestern über sieben Prozent: Anleger befürchten, der Konzern werde am 18. Oktober schlechtere Zahlen als erwartet vorlegen. Zudem belasteten Gerüchte, SAP werde eine Wandelanleihe auflegen.
Neuordnung im Stoxx
Die Schwäche der Telekomwerte drückt sich auch in der Neuordnung der Stoxx-Indizes aus. Der französische Baustoffhersteller Saint Gobain wird den niederländischen Telefonkonzern KPN im Euro Stoxx 50 ersetzen. Im Stoxx 50 räumt der Telekomausrüster Marconi seinen Platz für den Konsumgüterhersteller Unilever. Auch die France Telecom nimmt Abschied aus dem Stoxx Index: Für den Telekomkonzern rückt der Wasserversorger Suez auf, teilte Stoxx Limited in der Nacht zu Dienstag mit.
Rallye in Tokio
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat nach der Nachricht von der Compaq-Übernahme eine Kursrallye hingelegt. Der Index war schwach gestartet, drehte dann jedoch ins Plus und schloss mit einem Zuwachs von 362 Punkten auf 10772 Zähler. Toshiba, Sony, NEC und Fujitsu legten deutlich zu. Der Euro tendierte am Morgen mit 0,9005 Dollar schwächer als am Vortag.