Börsenausblick Politik verdirbt die Stimmung
Frankfurt am Main - Der jüngste Aufschwung an den deutschen Aktienmärkten steht nach Ansicht zahlreicher Marktbeobachter auf wackeligen Füßen und sei fundamental kaum zu rechtfertigen. Wie sensibel die Börsen etwa noch auf politische Nachrichten reagieren hat sich zuletzt am Freitag gezeigt, als die Indizes sowohl in New York als auch in Frankfurt nach neu bekannt gewordenen Milzbrandfällen deutlich nachgaben.
Während der Dow Jones mit 0,7 Prozent im Minus verblieb, schaffte der Nasdaq Composite immerhin noch die Kehrtwende ins Plus. Ein positives Zeichen für den Handel am Montag. Doch die Angst vor neuen Terroranschlägen des afghanischen Taliban-Regimes dürfte sich auch in dieser Woche immer wieder drückend auf die Märkte legen, zumal die amerikanische Regierung die Milzbrandfälle in den USA mittlerweile als terroristische Taten einstuft.
Widersprüchliche Signale aus den USA
Unsicherheit herrscht ebenso über die weitere wirtschaftliche Entwicklung in den USA. Zwar wiesen die zum Wochenschluss veröffentlichten jüngsten Daten zum Verbrauchervertrauen einen überraschenden Anstieg auf. Zugleich aber rutschten die monatlichen Einzelhandelsumsätze so stark wie seit rund zehn Jahren nicht mehr ab.
Klarheit über die weitere Entwicklung könnten die Quartalszahlen der Konzerne IBM, Microsoft, General Motors oder Boeing in dieser Woche bringen. Auch der kanadische Netzwerkausrüster Nortel Networks und der finnische Mobilfunkkonzern Nokia werden ihre Geschäftszahlen vorlegen. Schlechte Nachrichten dürften der jüngsten Risikobereitschaft ein Dämpfer versetzen.
Commzerbank und Deutsche Telekom im Fokus der Anleger
In Deutschland dürften heute zunächst die Aktien der Deutsche Telekom Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die letzten Bastionen der Monopolstellung der Telekom fallen. Bei der lukrativen so genannten "letzten Meile" hatte die Telekom bereits einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen müssen. Nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" sollen die Telekomkonkurrenten nun auch das Netz der Telekom zur Durchleitung eigener Telefoneinheiten künftig günstiger nutzen können als bisher.
Die Regulierungsbehörde habe ein neues "Regime" für die Netzzusammenschaltung beschlossen und damit im Wesentlichen den Forderungen der Konkurrenten entsprochen. Im vergangenen Jahr habe die Telekom rund zwei Milliarden Mark mit der Netzzusammenschalgung erwirtschaftet. Details der Tarifstruktur will die Regulierungsbehörde heute Mittag bekannt geben.
Der Aufsichtsrat der Commerzbank wird heute die angespannte Kostensituation der Bank diskutieren und vermutlich vom Vorstand eingebrachte Sparmaßnahmen auf den Weg bringen. Wie jüngst aus dem Institut verlautete, ist ein Stellenabbau von bis zu zehn Prozent der konzernweit 39.000 Arbeitsplätze eine "denkbare Größenordnung".
Die asiatische Leitbörse in Tokio notierten am Montag schwächer. Gegen sieben Uhr (MEZ) präsentierte sich der Nikkei rund 1,5 Prozent schwächer auf 10.468 Punkte.