Börsenausblick: Programmwechsel steht an - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Programmwechsel steht an

Die guten Zahlen des Finanzriesen UBS sowie neue Gerüchte um die HVB sorgen noch für Fantasie. Noch. Sobald mit der US-Berichtssaison das Unterhaltungsprogramm zu Ende geht, dürfte sich die Börse weniger unterhaltsamen Themen zuwenden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Börse, verwöhnt durch deutliche Gewinnsteigerungen der US-Unternehmen im abgelaufenen Quartal und durch allerlei Übernahmegerüchte in der Finanz- und Telekomsparte, könnte sich nach einer kurzen Besinnungspause noch in diesem Monat auf ein neues Programm einstimmen. Das dürfte eher nachdenklich stimmen, denn von den weniger unterhaltsamen Themen haben sich während der vergangenen Wochen einige gesammelt.

Die schwache Konjunktur in Deutschland, die neben dem Einzelhandel vor allem die Autobranche trifft und ihr die schwächsten Januar-Zulassungszahlen seit zehn Jahren beschert - noch kein Thema. Der starke Euro, der nach dem G 7 Treffen weiter anzieht - mal sehen. Die überbordenden Schulden in den Vereinigten Staaten - ein alter Hut. Zwar sind sogar in den USA in den vergangenen Wochen die Einzelhandelsumsätze wieder leicht zurückgegangen, was auf ein Nachlassen der konjunkturellen Dynamik hindeutet - doch dies ist in der allgemein positiven Grundstimmung nur eine Randnotiz wert.

Übernahmepoker im Mobilfunksektor

Warum auch nicht. Noch sorgen Übernahmegerüchte für Kursfantasie. Sanofi greift nach Aventis  , der Mobilfunker Vodafone   konkurriert mit Cingular Wireless und NTT DoCoMo   um AT&T Wireless, und der Netzwerkausrüster Juniper Networks   will satte vier Milliarden Dollar für das kleine Unternehmen Netscreen zahlen. Bei all diesen Deals geht es um viel Geld, und Unterhaltung und Kursbewegungen sind garantiert.

Finanzriese UBS überzeugt

Auch das Schweizer Bankhaus UBS   liefert am Dienstag Morgen Nachrichten, die noch in die Schönwettersparte passen. Die Bank hat ihren Überschuss 2003 kräftig gesteigert und will nun auch seine Dividende um rund 30 Prozent anheben. Im vergangenen Jahr sei ein Reingewinn von 6,385 Milliarden Schweizer Franken angefallen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Damit übertraf die UBS die Erwartungen der Analysten, wie es die meisten Unternehmen in den vergangenen Wochen getan haben.

Dow und Nasdaq lustlos

Skeptiker schauen nun mit Bangen auf den Ausklang der Berichtssaison. Trotz der Übernahmespekulationen im Mobilfunksektor dümpelten Dow Jones   und Nasdaq Composite   am Montag lustlos vor sich hin und gingen mit leichten Verlusten aus dem Handel. Die Verluste könnten sich ausweiten, sobald die Nachrichten von Unternehmensseite dünner werden, warnen Händler.

Dax knapp behauptet - HVB im Blick

Dax knapp behauptet erwartet

Der Dax   dürfte am Dienstag nur knapp behauptet in den Handel starten, da die US-Börsen am späten Abend wieder leicht nachgegeben haben. Der Euro, der am Dienstag Morgen die Marke von 1,275 hinter sich gelassen hat und nur knapp unter seinem Allzeithoch von 1,29 US-Dollar notiert, dürfte die Stimmung auch nicht heben.

Eher missgelaunt ist auch der Chef von DaimlerChrysler  , Jürgen Schrempp, aus den USA zurückgekehrt. Schrempp wurde am Montag erneut nach Delaware zitiert und musste ein zweites Mal im Kerkorian-Prozess aussagen. Schrempp wiederholte, dass es sich bei dem von ihm forcierten Zusammenschluss der Daimler-Benz AG und der Chrysler Corp um eine "Fusion unter Gleichen" gehandelt habe.

Viele DaimlerChrysler-Aktionäre sehen das mittlerweile anders: Die Sanierung der maroden US-Sparte Chrysler hat bislang Milliarden verschlungen und die Bilanz schwer belastet. DaimlerBenz allein wäre heute möglicherweise weit besser aufgestellt.

Finanzbranche: Neue Gerüchte um HVB

Neben den Autowerten wie DaimlerChrysler  , Volkswagen   und BMW  , die noch unter dem Eindruck der schwachen Januar-Zulassungszahlen stehen, dürften heute erneut Finanzwerte wie Deutsche Bank   und Allianz   in den Blick rücken. Die guten Zahlen der UBS könnten hier für Unterstützung sorgen.

Weiterhin halten sich Gerüchte um die HypoVereinsbank. Angeblich prüfe die HVB im Vorfeld neuer Fusionsgespräche mit der Commerzbank Kapitalmaßnahmen über 2 Milliarden Euro. Unter anderem erwäge der Vorstand eine Hybrid-Anleihe bis zu 500 Millionen Euro aufzunehmen, berichtet die "Financial Times".

Warten auf Greenspan-Rede

Außer den Zahlen von Philips   und Renault   stehen heute kaum Unternehmensdaten auf der Agenda. Der niederländische Elektronikkonzern hat nach zwei Jahren mit Rekordverlusten 2003 einen Reingewinn von 695 Millionen Euro erzielt. Vor allem Einsparungen von mehr als einer Milliarde Euro im vorigen Jahr führten zu diesem Ergebnis, teilte das Unternehmen am Dienstag in Amsterdam mit. Zudem machte die Abteilung Halbleiter wieder Gewinn.

Börsianer blicken bereits auf Mittwoch, wenn US-Notenbankpräsident Alan Greenspan vor dem US-Repräsentantenhaus spricht. Greenspan wird sich dort zur Geldpolitik der US-Notenbank äußern.

Tokio schwächer - Nikon bricht ein

Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstagvormittag um 0,4 Prozent nachgegeben. Der Kamerahersteller Nikon gab nach Vorlage der Quartalszahlen um rund zehn Prozent ab. Am morgigen Mittwoch bleibt Tokios Börse wegen eines Feiertages geschlossen.

Der Euro setzt nach den eher floskelhaften Erklärungen der G 7 in Boca Raton seine Klettertour fort. Die Gemeinschaftswährung notierte am Morgen bei 1,2758 US-Dollar. Der Euro könnte bereits in dieser Woche sein Rekordhoch von knapp 1,29 US-Dollar testen, sagten Händler.