Börsenausblick SAP sehr optimistisch
Frankfurt am Main - Die dünnen Worte von Oracle-Chef Larry Ellison reichten aus, um im späten Handel die US-Märkte aus ihrer Depression zu reißen. Wenn es einen Grund gebe, die Umsatz- und Gewinnerwartungen zu senken, hätte er dies bereits getan, hatte Ellison gesagt. Die Stimmung ist derart nervös, dass es bereits als positiv gewertet wird, wenn ein Unternehmen keine weiteren schlechten Nachrichten bringt. Die Technologiewerte legten im späten Handel deutlich zu, Dow und Nasdaq bauten ihre Gewinne auf jeweils 1,1 Prozent aus. Zuvor hatte der Markt die guten Konjunkturdaten (ISM-Index) schlicht ignoriert.
Gute Vorgaben für SAP
Analysten gehen nun davon aus, dass Oracle die Erwartungen treffen und im vierten Quartal einen operativen Gewinn von mindestens zwölf Cent pro Aktie erzielen wird. Oracle kletterten gestern um 10,7 Prozent auf 8,66 Dollar. Davon dürften heute auch die Technologiewerte im Dax, allen voran SAP , profitieren.
Aktien des Telekommunikationsunternehmens WorldCom gaben gestern rund 2,5 Prozent nach. Nach Börsenschluss teilte das Unternehmen mit, rund 2200 Stellen in seiner Mobilfunksparte streichen zu wollen. Erdrutschartige Verluste verzeichnete dagegen die Aktie des Software-Anbieters Manugistics, die um 25 Prozent einbrach. Das Unternehmen hat eine Umsatzwarnung bekannt gegeben und einen Stellenabbau angekündigt.
Intel: Schwaches Quartal eingepreist
Entscheidend für den weiteren Verlauf an den Märkten dürfte der Ausblick von Intel sein. Die Papiere des Chipriesen klettern gestern im späten Handel um 2,4 Prozent Analysten vermuten, dass das Unternehmen seine Umsatzprognose an diesem Donnerstag herunterschraubt. Ein schwaches zweites Quartal sei nach Meinung von Experten aber bereits in die Aktienkurse eingepreist.
Microsoft und IBM fester
Die Aktien des Softwareherstellers Microsoft zeigten sich von der Klage des britische Softwareproduzenten Sage unbeeindruckt und legten um 3,3 Prozent zu. Sage hat bei der deutschen Kartellbehörde einen Klage gegen die geplante Übernahme der dänischen Navision durch Microsoft eingereicht. Auch die Aktien von IBM wiesen angesichts von Entlassungen in der Chip-Sparte Kursgewinne auf. Die IBM-Maßnahmen würden Sonderbelastungen von bis zu 2,5 Milliarden Dollar bringen, doch dürften sie dem weltgrößten Computerkonzern mittelfristig helfen, hieß es am Markt. Außerdem will der japanische Elektronikkonzern Hitachi für das Festplattengschäft von IBM gut zwei Milliarden US-Dollar bezahlen.
Wal-Mart legt zu, McDonald´s entschuldigt sich
Einzelhandelswerte wie Wal-Mart legten zu, weil sich die Absatzergebnisse bei dem weltgrößten Einzelhändler gut entwickelt haben. Die Aktien des Tabakkonzerns Philip Morris gerieten unter Druck, da ein Berufungsgericht in einer Raucherklage gegen das Unternehmen entschieden hat. Den Erben eines verstorbenen Rauchers werden demnach die Summe von 79,5 Millionen Dollar zugesprochen. Der Telekomriese AT&T, General Motors und Hewlett-Packard gaben ebenfalls nach.
Die Titel von McDonald's legten dagegen zu: Der Bulettenbrater hat sich wegen einer "fehlerhaften" Auszeichnung seiner Pommes Frites bei "Hindus, Vegetariern und anderen" entschuldigt und will eine Entschädigung in Höhe von zehn Millionen Dollar zahlen.
Chancen für Dax und Nemax
Chancen für Dax und Nemax
Händler rechnen für heute zum Auftakt mit einer Erholung. Die hat der Dax auch dringend nötig: Der Deutsche Aktienindex Dax hat am Mittwoch auf dem tiefsten Stand in diesem Jahr geschlossen. Er verlor 0,03 Prozent auf 4624 Punkte.
SAP: Plattner optimistisch
Die Gewinner zum Auftakt dürften am Donnerstag die Technologietitel sein. Die Softwareschmiede SAP profitiert dabei nicht nur von der Erholung bei Oracle, sondern auch vom Optimismus ihres Vorstandssprechers Hasso Plattner, der die Chancen von SAP im Wettbewerb mit Microsoft als sehr gut einschätzt. Die Bemühungen von Microsoft, in den Software-Markt für mittelständische Betriebe einzusteigen, dürften viel Geld und auch Zeit kosten, so Plattner. Der Software-Hersteller hält überdies an den Prognosen für das Geschäftsjahr 2002 fest. Es gebe keine neuen Fakten, die eine Änderung rechtfertigten, erklärte Plattner. Es stünden interessante Deals vor dem Abschluss, die aber erst veröffentlicht würden, wenn sie unterschrieben seien.
T-Aktie: Großauftrag in Sicht, doch Kritik am Optionsprogramm
Die Aktie der Deutschen Telekom wird nach Ansicht einiger Händler von Hedgefonds und durch Leerverkäufe gezielt nach unten getrieben. Die Aktie hatte gestern mit 10,75 Euro ein neues Allzeittief erreicht und ging nur minimal erholt bei einem Verlust von 2,1 Prozent auf einem Stand von 10,78 Euro aus dem Handel. "Die wollen die Aktie bei einem Kurs von unter zehn Euro sehen", sagte ein Börsianer. "Und solange das Papier den Boden nicht erreicht hat, kauft auch keiner."
Immerhin scheinen gute Chancen für einen neuen Großauftrag zu bestehen. Ein Konsortium aus Deutscher Telekom und DaimlerChrysler stehe kurz vor dem Zuschlag für einen Großauftrag zum Aufbau des Lkw-Maut-Systems in Deutschland, berichtet die "Financial Times Deutschland". Unterdessen wächst die Kritik am Aktienoptionsplan für Führungskräfte der Deutsche Telekom, schreibt das "Handelsblatt". Bilanzexperten sollen dem Bericht zufolge bemängeln, dass das Unternehmen die Aufwendungen für das Programm nicht in seiner Bilanz berücksichtigt.
Volkswagen will sparen
Als einziger Autotitel fiel gestern Volkswagen ins Minus. Wegen der Entscheidung des europäischen Gerichtshofs, "Goldene Aktien" seien weitgehend unzulässig, seien Händlern zufolge an der Börse wieder Gerüchte über eine mögliche Übernahme der Wolfsburger hochgekocht worden. Volkswagen will nun die Produktionskosten der zusammen mit chinesischen Joint-Venture-Partnern hergestellten Automobile deutlich senken. Einem Artikel des "Wall Street Journal Europe" zufolge befürchtet VW sonst, in China nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein.
Nikkei schwächer, Wall Street erholt
Wall Street erholt
Die US-Börsen legten im späten Handel zu, nachdem Oracle-Chef Larry Ellison die Gewinnprognosen bestätigt hatte. Sowohl Dow als auch Nasdaq schlossen jeweils um 1,1 Prozent fester. Zuvor war der Einkaufsmanagerindex für das nicht-produzierende Gewerbe in den USA ist im Mai auf den höchsten Stand seit August 2000 gestiegen, ohne dass die Börsen nennenswert darauf reagiert hätten. Der viel beachtete Index für den Sektor legte binnen Monatsfrist von 55,3 auf 60,1 Punkte zu und damit stärker als erwartet, teilte das Institut for Supply Management (ISM) am Mittwoch in Washington mit. Damit ist der Index deutlich über dem Wert von 50 Punkten geblieben, der auf eine Expansion der wirtschaftlichen Aktivität hindeutet.
Nikkei gibt nach, Euro schwächer
Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag schwach tendiert. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte um 0,8 Prozent ein und notierte bei 11.574 Punkten. Der Euro notierte etwas schwächer mit 0,9344 Dollar nach 0,9381 Dollar am Vortag.