Börsenausblick: Schlechte Geschäftszahlen erwartet - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenausblick Schlechte Geschäftszahlen erwartet

Nach dem Flugzeugabsturz über New York vom Vortag bleiben die Märkte angespannt. BASF meldet vor Handelsbeginn enttäuschende Zahlen, auch bei Infineon erwarten Experten schlechte Nachrichten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main/New York – Die Aktienmärkte bleiben angespannt und reagieren hochsensibel auf politische Nachrichten. Dies hat am Montag der Absturz einer Passagiermaschine der American Airlines über dem New Yorker Stadtteil Queens gezeigt. Wie ein Stein fielen die Indizes weltweit, konnten sich dann aber wieder erholen. An den US-Börsen ging der Dow Jones mit einem Minus von 0,6 Prozent auf 9554 Zählern aus dem Handel. Der Nasdaq Composite drehte mit 0,6 Prozent auf 1840 Zähler ins Plus.

Aktien der Luftfahrtindustrie und von Triebwerksherstellern standen unter Verkaufsdruck. Derzeit gehen US-Behörden von einem Unfall aus. Es gebe derzeit keine Hinweise auf einen Terroranschlag, hieß es am Morgen. Bei dem Absturz sind mindestens 269 Menschen ums Leben gekommen.

Aus Unternehmenssicht werden heute mit Spannung die Quartalszahlen des Halbleiterherstellers Infineon   erwartet. Die Siemenstochter ist nach Einschätzung von Analysten wegen der schweren Krise auf den Chipmärkten im vierten Quartal 2000/2001 (30. September) erneut tief in die roten Zahlen gerutscht. Die Analysten von Concord erwarten nach eigenen Angaben am Dienstag "fürchterliche Zahlen". Die befragten Analysten rechnen mit einem Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen 586 Millionen Euro und 745 Millionen Euro, verglichen mit einem operativen Gewinn von 807 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Die Siemens-Tochter hatte bereits bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal, das einen operativen Verlust von 598 Millionen Euro brachte, auch für das gesamte Geschäftsjahr ein negatives Ergebnis angekündigt. Die WGZ-Bank rechnet hier mit einem Umsatzrückgang um 23,4 Prozent auf 5,58 Milliarden Euro und einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern von minus 728 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Plus von 1,67 Milliarden Euro erzielt wurde. Die Hoffnung vieler Anleger ruht nun auf einer baldigen Erholung des Marktes. In den vergangenen Wochen legte die Infineon-Aktie deswegen wie auch andere Chip-Werte deutlich zu.

BASF meldet Gewinneinbruch

Der Chemiekonzern BASF   hat im dritten Quartal des laufenden Jahres operativ deutlich weniger verdient als im Vorjahreszeitraum. Wie das Unternehmen am Dienstag vor Handelsbeginn bekannt gab, ist der Betriebsgewinn vor Sonderposten um 57 Prozent auf 328 Millionen Euro eingebrochen. Der Umsatz sank gleichzeitig um 21,7 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro.

Der Vorsteuergewinn sank den Angaben zufolge leicht um 2,2 Prozent auf 315 Millionen Euro. Netto verlieb jedoch ein Ergebnisplus von 21,8 Prozent bei 123 Millionen Euro. Die Zahlen lagen am unteren ende der Analystenerwartungen.

Für das vierte Quartal erwartet BASF einen weiteren Umsatz- und Gewinnrückgang im Vergleich zum Vorquartal.

Angesichts schwacher Aktienmärkte erwarten Analysten für den im Nemax50 notierten Discount-Broker Consors   im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen anhaltend hohen Verlust. Die Zahlen werden am Dienstag vorgelegt.

Analyst Philipp Häßler von der BHF-Bank sieht zwar den Erfolg der die in den zurückliegenden Monaten eingeleiteten Sparmaßnahmen, gibt jedoch zu Bedenken: "Im dritten Quartal sanken die Erträge bislang noch schneller als die Kosten." Für das abgelaufene Jahresviertel erwartet er einen Vorsteuerfehlbetrag von 41,4 Millionen Euro.

Die ebenfalls im Nemax 50 notierte MorphoSys   hat im dritten Quartal 2001 nach Einschätzung von Analysten ihren Umsatz steigern können und den Verlust zurückgefahren. Das Biotechnologie-Unternehmen wird heute seine Zahlen vorlegen. Analystin Sabine Eberhardt von Merck Finck erwartet einen Umsatz von 5,2 (3. Quartal 2000: 2,09) Millionen Euro und ein negatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 0,7 Millionen Euro. Sie weist darauf hin, dass die Einnahmen des Biotech-Unternehmens über eine Vielzahl von Kooperations-Verträgen gesichert sind. Zudem habe Morphosys bis Jahresende noch den Abschluss von Service-Verträgen in Aussicht gestellt.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss leichter. Der Nikkei verlor 0,5 Prozent auf 10.030 Zähler.