Börsenausblick: Schlechte Nachrichten weggesteckt - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Schlechte Nachrichten weggesteckt

Mit gemischten Vorgaben aus den USA starten die deutschen Aktienmärkte in den Handel. Schwarz Pharma, die Post und Metro stehen zur Eröffnung im Blickpunkt der Investoren.
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Frankfurt am Main - Marktbeobachter in Frankfurt rechnen zum Auftakt mit leichteren bis nahezu unveränderten Kursen. Trotz schlechter Konjunkturdaten hatte der Dax am Dienstag auf Tageshoch geschlossen. Der Leitindex stieg um 0,5 Prozent auf 3878 Zähler, während der Nemax 50 mit Hilfe einer festen Nasdaq um 1,3 Prozent auf 558 Punkte kletterte.

Dabei hatten Marktbeobachter nach der Rallye am Montag mit Gewinnmitnahmen gerechnet. "Ein stabiler Markt, der schlechte Nachrichten wegsteckt, ist Zeichen für eine Erholung, gab sich ein Händler optimistisch.

Bereits vor Börseneröffnung hat am Mittwoch der Arzneimittel-Hersteller Schwarz Pharma   seine Halbjahreszahlen veröffentlicht. Der Überschuss ist auf 9,4 Millionen Euro gefallen nach 36,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, teilte das im MDax notierte Unternehmen mit. Für das Gesamtjahr zeigte sich das Unternehmen weiter zuversichtlich. Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten von 382,1 auf 403,1 Millionen Euro und damit um 5,5 Prozent. In den Regionen sei die Entwicklung recht unterschiedlich ausgefallen, hieß es. In Deutschland steigerte Schwarz Pharma seinen Umsatz um knapp elf Prozent. Das Ergebnis nach Steuern und Zinsen (Ebit) sank von 17,5 auf 8,5 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) reduzierte sich von 47,8 auf 35,7 Millionen Euro.

Rückzahlungen belasten die Post

Die Halbjahresbilanz der Deutschen Post   wird durch die anstehende Rückzahlung von insgesamt 850 Millionen Euro schwer belastet. Der Konzerngewinn liege nach den ersten sechs Monaten 2002 bei nur noch 155 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Im Vorjahr war noch gut eine Milliarde Euro erwirtschaftet worden. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen ging im Halbjahr um sechs Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz stieg um mehr als 15 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro. Die EU-Kommission hatte die Post zur Rückzahlung von 572 Millionen Euro plus aufgelaufener Zinsen als unerlaubte Staatsbeihilfen verpflichtet.

Der weltweit fünftgrößte Einzelhandelskonzern Metro   hat hingegen die Kaufzurückhaltung der Kunden im zweiten Quartal erneut deutlich zu spüren bekommen und bei steigendem Umsatz weniger verdient als im Jahr zuvor. Gleichzeitig bestätigte der Konzern seine Prognose für das Gesamtjahr. Nach wie vor erwartet Metro ein Wachstum beim Gewinn je Aktie (EPS) von rund zehn Prozent. Einige Analysten hatten auf Grund der anhaltenden Konjunkturschwäche mit einer Korrektur der bislang abgegebenen Schätzungen des Konzerns gerechnet. Der Umsatz soll im Gesamtjahr unter Berücksichtigung von Währungseffekten um 5,5 bis sechs Prozent zulegen. Damit präzisierte Metro seine Umsatzprognose.

IDS Scheer auf Wachstumskurs

Das Saarbrücker Softwareunternehmen IDS Scheer   hat seinen Gruppenumsatz in der ersten Jahreshälfte nochmals deutlich gesteigert. Er wuchs um 14,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 87,0 Millionen Euro. Der Überschuss im ersten Halbjahr wurde von dem Unternehmen am Mittwoch mit 4,1 Millionen Euro angegeben. Das entspreche einer Steigerung im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres um 36 Prozent.

Richtungsweisend für den weiteren Handelsverlauf werden die am Nachmittag anstehenden Konjunkturdaten aus den USA sein. Vor Eröffnung der Wall Street erwarten die Händler die Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal und die Zahlen zum Service-Index der US-Einkaufsmanager (NAPM) für den Monat Juli. Nach Handelsaufnahme steht der Chicago-Einkaufsmanagerindex für Juli an, zudem veröffentlicht die US-Notenbank ihr Beige Book. Von den Zahlen erhoffen sich die Marktteilnehmer Aufschluss über die konjunkturelle Situation der weltgrößten Volkswirtschaft.

Gemischte Vorgaben aus New York

Trotz unerwartet schwacher Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen und Gewinnmitnahmen haben die sich US-Börsen am Dienstag behauptet. Der Dow Jones ging mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 8680 Punkten aus dem Handel. Das Tagestief hatte bei 8540 Zählern gelegen. Der Nasdaq gewann 0,7 Prozent auf 1344 Punkte. Die Finanztitel, die am Vortag kräftig gewonnen hatten, wurden anfangs belastet von der Befragung von ehemaligen und aktiven Mitarbeitern von Merrill Lynch durch den US-Kongressausschuss. Dabei geht es um die mögliche Verstrickung der Führungskräfte der Investmentbank in den Enron-Skandal.

Merrill-Lynch-Papiere, die zunächst verloren hatten, kletterten zum Schluss um 0,7 Prozent auf 36,50 Dollar. Papiere von American Express  , die zunächst ebenfalls auf der Verliererseite gestanden hatten, legten zuletzt um 1,3 Prozent auf 33,92 Dollar zu. Die Titel von J.P. Morgan Chase   notierten mit einem Minus von 0,8 Prozent auf 24,89 Dollar. Die Citigroup-Aktien   legten um 1,9 Prozent auf 33,95 Dollar zu.

Qwest weiter auf Talfahrt

Die Papiere der wegen ihrer Bilanzpraktiken ins Zwielicht geratenen Telefongesellschaft Qwest   gaben am Dienstag 13,4 Prozent auf 1,29 Dollar nach. Belastend für den Telekomsektor wirkte sich Händlern zufolge auch die Abstufung der Kreditwürdigkeit des US-Faseroptik- und Kabelherstellers Corning   durch die Rating-Agenturen Moody's und Standard & Poor's aus. Corning-Aktien gaben um 21,6 Prozent auf 2,47 Dollar nach.

Der US-Mineralölkonzern Chevron Texaco hatte am Dienstag mit seinen Quartalszahlen die Markterwartungen enttäuscht. Der operative Gewinn im zweiten Quartal sank von 2,144 Milliarden auf 1,233 Milliarden Dollar. Der Umsatz gab von 29,7 Milliarden auf 25,3 Milliarden Dollar nach. Der Aktienkurs des Unternehmens büßte 1,9 Prozent auf 73,00 Dollar ein. Zeitweise war der Kurs bis auf 71,53 Dollar gefallen.

AT&T-   und AOL-Time-Warner-Aktien   legten zu. AT&T-Papiere stiegen um 2,7 Prozent auf zehn Dollar. Die Titel von AOL legten um 7,1 Prozent auf 12,40 Dollar zu. Das Telekom- und das Medienunternehmen haben die Vorbereitungen für den Börsengang der gemeinsamen Tochter Time Warner Entertainment (TWE) ausgesetzt. Die Papiere des Computerherstellers Hewlett Packard   hielten sich bis Börsenschluss mit weitem Abstand zu den anderen Gewinnern des Dow im Plus. Sie legten zuletzt 6,8 Prozent auf 13,86 Dollar zu.