Börsenausblick Schlechte Vorgaben, düstere Stimmung
Frankfurt am Main - Beobachter rechnen nach den jüngsten Kursgewinnen der vergangenen Tage und den schlechten Vorgaben aus New York mit einer Konsolidierung der deutschen Aktienmärkte.
Neue Meldungen über weitere Milzbrand-Anschläge drücken Stimmung an den Aktienmärkten - da helfen auch die Quartalsergebnisse aus den USA nichts, die teils besser ausfielen, als erwartet. Bei insgesamt 33 Mitarbeitern amerikanischer Senatoren waren gestern Milzbrand-Sporen gefunden worden.
Zudem warnte US-Notenbankpräsident Alan Greenspan vor einem vorübergehenden Rückgang der Produktivität in den USA. Verbraucher und Investoren seien verunsichert, die psychologischen Faktoren des Konsumentenverhaltens seien "sehr schwer vorherzusagen". Vor diesem Hintergrund ging es an den Aktienmärkten in New York deutlich nach unten. Der Dow Jones gab 1,6 Prozent auf 9232 Punkte nach. Der Nasdaq Composite verlor 4,4 Prozent auf 1646 Zähler.
In Deutschland stehen heute die mit Spannung erwarteten Quartalszahlen des Softwarekonzerns SAP im Vordergrund. Einen deutlichen Ergebniszuwachs im dritten Quartal dürfte der Konzern nach Meinung von Branchenkennern bei der Vorlage der Neunmonatszahlen ausweisen. Der erwartete Anstieg beim Ergebnis nach Steuern wird auf 73 bis 114 Prozent beziffert. Dies entspricht 152,5 (Vorjahr: 88) Millionen bis 188 Millionen Euro.
Die Analystenstimmen zu der SAP-Aktie sind widersprüchlich. Schroder Salomon Smith Barney stufte die Aktie von "Outperform" auf "Kauf" hoch. Das neue Kursziel wird bei 200 Euro gesehen. Etwas bedeckter hält sich die Investmentbank Goldman Sachs. Zwar bleibt der Titel auf der Empfehlungsliste. Allerdings hält Goldman die Prognosen, die SAP in der Vergangenheit abgegeben hat, für etwas zu optimistisch. Kritisch äußerten sich hingegen Helaba Trust("Untergewichten") und die Berenberg Bank ("Reduzieren").
Der US-Konkurrent Siebel Systems hat gestern nach Börsenschluss die Erwartungen nicht erfüllt. Der Gewinn je Aktie betrug im dritten Quartal sieben Cents je Aktie. Analysten hatten im Durchschnitt neun Cents erwartet.
Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft wird nach Einschätzung von Branchenanalysten heute nach Börsenschluss für das erste Quartal einen Gewinn je Aktie von 38 bis 42 US-Cent vorlegen. Die Durchschnittsschätzung der Analysten liegt bei 39 Cent je Aktie., Im Vorjahr hatte Microsoft einen Gewinn von 46 Cent erwirtschaftet. Die Investmentbank Goldman Sachs geht davon aus, dass der Umsatz nur am unteren Ende der Markterwartungen liegen werde. Die Analysten schätzen die Erlöse auf 5,8 Milliarden bis 6,2 Milliarden Dollar. Nach Börsenschluss legen auch die Technologiekonzerne Applied Micro Circuits, Corning und Sun Microsystems ihre Zahlen vor.
Mit Spannung werden gegen 14 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Geschäftszahlen des weltgrößten Automobilkonzerns General Motors erwartet. Gestern hatte Ford von einen Verlust ausweisen müssen.
Die asiatische Leitbörse in Tokio notierte kurz vor Handelsschluss deutlich schwächer. Der Nikkei fiel um 2,4 Prozent auf 10.502 Punkte.