Börsenausblick: Schwacher Auftakt erwartet - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Schwacher Auftakt erwartet

Die Vorgaben der US-Börsen geben am Montag wenig Anlass zur Hoffnung. Marktbeobachter bleiben für diese Woche skeptisch. An der Wall Street wird mittlerweile ein drittes schwaches Jahr in Folge nicht mehr ausgeschlossen.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte haben am Montag zunächst die schwachen Vorgaben der New Yorker Wall Street zu verdauen. Nach Handelsschluss rutschten die US-Indizes noch weiter ab und schlossen im tiefroten Bereich. Der Dow Jones ging mit Verlusten von 1,9 Prozent auf 9253 Zählern aus dem Handel. Der Index der US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite rutschte um 1,6 Prozent auf 1440 Punkte ab. Der Nasdaq 100 ist in der vergangenen Woche auf den tiefsten Stand seit Januar 1998 gefallen.

Zwar verwiesen Marktbeobachter darauf, dass sich der Dax trotz des dreifachen Verfalls an der Terminbörse Eurex noch vergleichsweise gut gehalten habe; doch das Misstrauen in eine Erholung der Konjunktur, Sorgen um die Entwicklung der Unternehmensgewinne und neue Terrordrohungen belasteten weiter die Stimmung. Zudem seien die Aktienindizes charttechnisch angeschlagen. Sollte der Dax die Marke von 4200 Punkten nicht nachhaltig verteidigen können, sei ein Rückschlag auf bis zu 3800 Punkten zu befürchten, heißt es.

Folgt das dritte schwache Jahr der Wall Street?

Mittlerweile schließen amerikanische Analysten nicht aus, dass erstmals seit 1941 die großen Marktindizes zum dritten Mal in Folge ein Jahr mit Verlusten abschließen, könnten. Sollten die Signale für eine Konjunkturerholung nicht eindeutiger werden und sich der Dollar weiter abschwächen, sei sogar ein viertes Verlustjahr denkbar. Ob sich die deutschen Aktienmärkte von so einer Entwicklung abkoppeln können, bleibt zweifelhaft.

"Für ein drittes schwaches Jahr sprechen die ungleichmäßige Konjunkturentwicklung und die materiell nicht verbesserten Unternehmensgewinne", sagte Joseph Battipaglia, Chefinvestment-Officer bei Ryan, Beck & Co. Bilanztrickser verblüfften immer noch die Investoren, und die Gefahr eines Terroranschlags über die israelisch-palästinensische Konfrontation hinaus sei gegeben. Sollte die US-Regierung dazu noch ihre Ausgaben nicht begrenzen, könne sich die Börse in 2003 auf ein weiteres schwaches Jahr einstellen. "Wir brauchen Budget-Disziplin", sagte Battipaglia, der sich Anfang der neunziger Jahre als Börsenoptimist präsentiert hatte. Er sehe zwar Anzeichen für eine Erholung der Konjunktur, aber derzeit sei auf dem Börsenparkett ein Kampf zwischen "Bullen" und "Bären" im Gang.

In dieser Woche werden weitere wichtige Konjunkturzahlen erwartet. Am Dienstag wird der viel beachtete Ifo-Geschäftsindex veröffentlicht, bei dem die meisten Analysten von einem moderaten Anstieg ausgehen. Im Mai war der April-Rückgang exakt ausgeglichen worden.

In den USA werden kommende Woche einige Konjunkturdaten veröffentlicht, die auf eine moderate Konjunkturerholung zur Jahresmitte hindeuten könnten. "Dies gilt, auch wenn das US-Verbrauchervertrauen am Dienstag leicht sinken dürfte", schreiben die Analysten der DGZ DekaBank. Die US-Notenbank wird auf ihrer Sitzung am Dienstag und Mittwoch nach Einschätzung vieler Marktexperten die aktuellen Leitzinsen unverändert lassen.

Von Seiten der Unternehmen erwarten Marktteilnehmer allerdings wenige Impulse für die Aktienmärkte. Am Mittwoch werden der Tourismuskonzern Preussag   und der deutsche Flughafenbetreiber Fraport ihre Hauptversammlungen abhalten. Der Flughafenbetreiber wird den Aktionären auf seiner ersten ordentlichen Hauptversammlung ein Konzept zur Umstrukturierung vorlegen und eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr geben.

Bewegung könnte in die Aktiekurse von Bayer   kommen. Der Konzern will sich von Unternehmensteilen trennen und dabei bis zu vier Milliarden Euro einnehmen, hieß es in Presseberichten am Wochenende. Anfang Juli werde Bayer in vier weitgehend selbstständige Einheiten aufgeteilt. Das sei der radikalste Umbau in der Geschichte Bayers, meinte Vorstandschef Werner Wenning.

Der angeschlagene Oberhausener Anlagenbauer Babcock Borsig   soll nach einem Pressebericht statt der angekündigten 200 Millionen Euro doppelt so viel Geld benötigen. Die zusätzlichen 200 Millionen Euro sollen aus dem Verkauf von Beteiligungen beigesteuert werden, berichtet das Magazin "Focus". Ein Babcock-Sprecher bezeichnete den Bericht als spekulativ und wollte ihn aus diesem Grund nicht kommentieren. Babcock hatte am Freitag einen kurzfristigen Finanzbedarf von 200 Millionen Euro angemeldet, da man andernfalls die Juni-Gehälter nicht zahlen könne. Die Aktie hatte am Freitag nahezu die Hälfte ihres Wertes verloren.

Die asiatische Leitbörse in Tokio notierte am Montag kurz vor Handelsschluss fester. Der Nikkei kletterte zuletzt um 1,1 Prozent auf 10,465 Zähler. Der Euro hielt sich im frühen Handel über der Marke von 97 US-Cent.