Börsenausblick Silberstreif am Chip-Himmel
New York/Frankfurt am Main - Pessimistische Geschäftsaussichten und schwache Quartalszahlen der Telekomkonzerne WorldCom und Ericsson hatten am Montag die Wall Street belastet. Nach Händlerangaben waren die Anleger besorgt, dass die schwachen Ergebnisse der Telekomunternehmen die Erholung der Unternehmensgewinne allgemein bremsen könnten. Der Dow Jones ging mit Verlsuten von 1,2 Prozent auf 10.136 Zähler aus dem Handel. Noch schlechter erging es der US-Technologiebörse: Der Nasdaq Composite rutschte um 2,1 Prozent auf 1350 Zähler ab. Telekom- und Computeraktien steuerten 40 Prozent zum Verlust des marktbreiten S&P 500 bei, der um 1,5 Prozent auf 1107 nachgab.
Die enttäuschenden Zahlen von Ericsson setzten auch die Konkurrenten unter Druck. Motorola notierten 1,63 Prozent leichter. Nokia sanken um 6,54 Prozent. Die Aktien des weltgrößten Glasfaser-Herstellers Corning fielen vor Veröffentlichung der Quartalszahlen um 5,66 Prozent. Nachbörslich wies Corning einen Verlust für das erste von zehn Cent je Aktie aus und übertraf damit leicht die Erwartungen der Analysten. Wie der Konzern am Montag nach Börsenschluss mitteilte, erwartet er auch für das zweite Quartal einen Verlust auf vergleichbarer Basis. Nachdem der Telekomkonzern Worldcom seine Gewinn- und Umsatzerwartung für das Jahr 2002 gesenkt hatte, verloren AT&T mehr als fünf Prozent.
Völlig unter die Räder kamen die an der Nasdaq notierten Aktien von Worldcom, die rund ein Drittel ihres Wertes verloren. Mehrere namhafte Investmentbanken stuften den Titel ab. Altera gaben rund 3,40 Prozent ab. Der Halbleiter-Spezialist legte nach Börsenschluss Zahlen für das erste Quartal vor. Demnach wies Altera einen geringen Gewinn aus als im Vorjahreszeitraum, hatte dabei aber Analystenerwartungen leicht übertroffen. Das Proforma-Ergebnis je Aktie (EPS) habe bei fünf Cent gelegen, teilte das Unternehmen mit.
Chipaktien dürften heute auch in Europa zunächst im Fokus der Anleger stehen. Unerfreuliche Geschäftszahlen veröffentlichte vor Handelsbeginn Europas größter Chiphersteller STMicroelectronics. Der Nettogewinn von STM brach in den ersten drei Monaten auf 32,9 Millionen Dollar oder vier Cent je Aktie gestürzt nach 340,9 Millionen Dollar oder 38 Cent je Aktie im Vorjahr ein. Der Umsatz sank um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Allerdings habe die Umsatzentwicklung damit die Talsohle erreicht, teilte das französisch-italienische Unternehmen mit. Die Zahlen trafen die bereits gesenkten Erwartungen der Analysten.
Der deutsche Konkurrent Infineon hat dagegen seine Verluste weiter verringert. Nach der Ad-hoc-Meldung vom Morgen hat Infineon im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 (30. September) das Minus vor Steuern und Zinsen verglichen mit dem Vorquartal von 564 Millionen Euro auf 178 Millionen Euro reduziert. Der Konzern übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Sie rechneten im Durchschnitt mit einem Verlust von 266 Millionen Euro.
Den weiteren Angaben zufloge hat Infineon im zweiten Quartal den Umsatz um 34 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro gesteigert. Auch hier übertraf Infineon die Erwartungen der Analysten, die mit einem Plus von 20 Prozent gerechnet hatten. Vorbörlich legte die Aktie rund zwei Prozent zu.
Riesiger Verlust, Dividendenkürzung, Kurs im Keller - die Bilanz der Deutsche Telekom kann keinen Aktionär erfreuen. Dabei ist Dax-Konzern im operativen Geschäft durchaus erfolgreich. Ob der Trend anhält, wird heute auf der Bilanzpressekonferenz deutlich werden: Die Telekom will die Kundenzahl und - für die Beobachter überraschend - auch schon den Konzernumsatz im ersten Quartal nennen und die Ertragslage beschreiben. Außerdem erwarten die Investoren Äußerungen für das Gesamtjahr 2002.
Sämtliche Positionen der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung für 2001 sind bereits in vorläufiger Lesart bekannt. Jetzt geht es noch darum, wie sich die Festnetzsparte T-Com, der Mobilfunksektor T-Mobile, das in der T-Systems gebündelte Geschäft mit EDV-Lösungen für Großkunden und die Säule T-Online entwickelt haben. An weiteren spannenden Themen herrscht kein Mangel: Kabelverkauf, Schuldenabbau, Dividendenpolitik, Börsengang der Mobilfunksparte.
Positive Nachrichten gab es vor Handelsbeginn von Kamps. Die größte europäische Backwaren-Kette hat im ersten Quartal 2002 ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) über dem eigenen Plan eingefahren, der Nettogewinn sank dagegen. Das Ebit habe sich um 5,2 Prozent auf 18,3 Millionen Euro gesteigert, nach 17,4 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahresquartal, teilte Kamps am Dienstag mit. Der Überschuss sei hingegen auf 1,4 Millionen Euro geschrumpft. Im Jahr zuvor lag er bei 1,7 Millionen Euro.
Der konsolidierte Nettoumsatz entwickelte sich um 2,2 Prozent besser als im Vorjahresquartal und stieg auf 421,6 Millionen (2001: 412,7 Millionen) Euro. Die Nettoschulden des Konzerns belaufen sich auf insgesamt 783 Millionen Euro.
Mit dem Abschluss der Umstrukturierung sei nun auch die langfristige Finanzierung der Gesellschaft und die vereinbarte vollständige Übernahme des französischen Großbäckerei-Unternehmens Harry's im Jahr 2003 sichergestellt, hieß es.
Die asiatische Leitbörse in Tokio notierte kurz vor Handelsschluss fest. Der Nikkei stand mit 0,1 Prozent auf 11.736 Zähler im grünen Bereich.