Börsenausblick: Sorgen in Frankfurt - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Sorgen in Frankfurt

An den deutschen Märkten sieht es traurig aus: Schlechte Prognosen der Allianz und schwache Zahlen von Bayer trüben die Stimmung. Auch der Quartalsbericht der Deutschen Bank dürfte daran wenig ändern.
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Frankfurt am Main - Im späten Handel hat der US-Leitindex Dow Jones rund 200 Punkte aufgeholt und schloss 0,7 Prozent fester auf 8736 Zähler. Dies dürfte im Dax für ein wenig Unterstützung sorgen, obwohl der Handel in Frankfurt heute von den Zahlen der Index-Schwergewichte Allianz und Deutsche Bank bestimmt wird.

Immun gegen schlechte Nachrichten?

Schwache Konjunkturdaten hatten den Dow Jones zuvor deutlich unter Druck gesetzt: So ist die US-Wirtschaft im zweiten Quartal nur noch um 1,1 Prozent gewachsen, und auch die Daten der Unternehmenseinkäufer aus Chicago blieben hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kam ein bescheidener landesweiter Konjunkturbericht der amerikanischen Notenbank.

Seit einigen Tagen reagiert der Dow Jones jedoch nicht mehr auf schlechte Nachrichten. Einige Händler werten dies als Anzeichen, dass der Index seinen Boden gefunden habe. Andere sind skeptischer und warnen, nach den deutlichen Kursgewinnen der vergangenen Tage könnten auch die amerikanischen Standardwerte bald wieder den Rückwärtsgang einlegen, wenn die Nachrichtenlage so schlecht bleibe.

Techwerte unter Druck

Die Aktien des Computerriesen IBM   gingen schwächer aus dem Handel. IBM will die Consultingsparte des weltgrößten Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers für 3,5 Milliarden Dollar kaufen. Microsoft  , Intel   und der Medien- und Online-Riese AOL Time Warner   standen ebenfalls unter Druck. AOL Time Warner hat eine Buchführungsuntersuchung des US-Justizministeriums bestätigt. Dagegen legten Standardwerte wie Coca-Cola  , Johnson & Johnson  , ExxonMobil und Alcoa   in New York zu.

Nasdaq schwach - Beige Book verhalten

An der Nasdaq drückten die hohen Verluste der Telefongesellschaft Verizon auf die Stimmung. Der Index schloss auch auf Grund der schwachen Konjunkturdaten 1,2 Prozent leichter auf 1328 Punkte. Zudem war im Konjunkturbericht (Beige Book) der US-Notenbank Federal Reserve für den Monat Juli von einer Wachstumsabschwächung in 4 der 12 Distrikte der Notenbank die Rede.

Zu den größten Verlierern gehörte der Graphikkarten-Hersteller Nvidia. Die Aktien verloren knapp 32 Prozent auf 11,07 Dollar, nachdem das Unternehmen für das zweite Quartal einen niedrigen Gewinn als erwartet in Aussicht gestellt hatte.

Allianz und Bayer belasten Dax

Die Gewinnwarnung der Allianz kurz vor Handelsschluss hat den Dax bereits gestern in den Keller geschickt. Der Dax ging mit einem Verlust von 4,6 Prozent auf 3700 Punkte aus dem Handel. Am Neuen Markt schloss der Auswahlindex Nemax 50 2,7 Prozent schwächer auf 543 Punkte. Auf Grund der starken Verluste zum Handelsschluss und der Erholung bei den Standardwerten in den USA rechnen Händler für heute mit einer festen Eröffnung im Dax.

Die späte Erholung im Dow Jones dürfte dem Dax zum Auftakt helfen, doch lasten die Allianz-Zahlen schwer auf der Stimmung der Börsianer. Zudem hat der Pharmakonzern Bayer   einen deutlichen Gewinn- und Umsatzrückgang gemeldet und die Märkte enttäuscht. Der Gewinn des Pharmakonzerns ist im zweiten Quartal auf 293 Millionen Euro gesunken. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn noch 546 Millionen Euro betragen.

Die Allianz hat gestern erklärt, der angestrebte Gewinn von drei Milliarden Euro in diesem Jahr sei nicht zu halten. Der Konzern verwies auf die schwachen Kapitalmärkte und die schwierige Ergebnisentwicklung im Kapitalanlage- und Bankgeschäft. Die bisherige Prognose habe auf der Annahme basiert, dass sich der Aktienmarkt auf dem zu Jahresanfang erreichten Niveau stabilisiert. Im zweiten Quartal ist ein Verlust von 350 Millionen Euro entstanden. Die Aktie der Allianz   stürzte gestern mit 11,50 Prozent auf 144,30 Euro in die Tiefe. Das Tageshoch hatte bei rund 172 Euro gelegen.

Deutsche Bank: Gewinnplus durch Verkäufe

Zumindest Anleger der Deutsche Bank   können hoffen, von einem ähnlichen Einbruch heute verschont zu bleiben. Trotz der Krise im Sektor hat sich das Geldhaus im zweiten Quartal recht gut gehalten. Die Deutsche Bank hat ihren Gewinn im 2. Quartal dieses Jahres kräftig erhöht - allerdings in erster Linie durch Beteiligungsverkäufe. Das Ergebnis vor Steuern lag nach Mitteilung des Geldinstituts vom Donnerstag in Frankfurt bei 2,2 Milliarden Euro und damit um 35 Prozent über dem Ergebnis des Vorjahresquartals. Ohne Berücksichtigung von Gewinnen aus dem Verkauf von Industriebeteiligungen und anderen Sonderposten weist die Bank einen bereinigten Vorsteuergewinn von 913 Millionen Euro im 2. Quartal aus. Die Deutsche Bank erhöhte ihre Risikovorsorge um mehr als das Doppelte.

Analystenkommentar belastet T-Aktie

Ein negativer Analystenkommentar hat gestern die Aktien der Deutschen Telekom   in den Keller geschickt. Die Investmentbank UBS Warburg hat die Papiere von "Halten" auf "Reduzieren" gestuft. Die T-Aktie gab fünf Prozent auf 11,62 Euro ab.

UBS-Analyst James Ratzer hatte in seiner am Mittwoch vorgelegten Studie zudem das Preisziel auf zehn Euro gesenkt. Das Unternehmen würde unter dem hohen Druck, der weiter auf der Industrie laste, stärker leiden als ihre Konkurrenz, heißt es. Die Telekom werde aggressive Sparmaßnahmen angehen müssen und vermutlich trotzdem im Jahr 2004 auf externe Finanzierung angewiesen sein.

Nikkei schwächer, Euro kaum verändert

Der Nikkei ging am Donnerstag mit einm Verlust von 0,9 Prozent auf 9793 Zähler aus dem Handel. Der Euro notierte am Donnerstag Morgen kaum verändert bei 0,9782 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs bei 0,9783 (Dienstag: 0,9835) US-Dollar festgesetzt.