Börsenausblick: Sorgen um Cisco - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Sorgen um Cisco

Der gebremste Optimismus von Alan Greenspan hat nur kurzzeitig für Aufschwung gesorgt. Cisco belastet die Technologiewerte. Die Verluste im späten Handel in den USA dürften heute zur Eröffnung auf Dax und Nemax drücken.
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Frankfurt am Main -Die US-Börsen haben ihre Verluste im späten Handel leicht ausgebaut. Die Technologiebörse Nasdaq rutschte um 0,9 Prozent ab, während das Plus im Dow Jones auf zwölf Punkte (0,1 Prozent) zusammenschmolz. Der Dax hatte am Mittwoch zeitweise die Marke von 5000 Punkten überwunden, rutschte zum Handelsschluss aber wieder auf 4960 Zähler. Der Nemax 50 dürfte heute Schwierigkeiten haben, seine Gewinne von 2,6 Prozent vom Vortag zu verteidigen.

Greenspan: Moderate Erholung

Notenbankchef Alan Greenspan hatte mit seiner Rede vor dem Haushaltsausschuss am Mittwoch nur kurzzeitig für einen Aufschwung gesorgt. Greenspan sieht die Rezession als überstanden an, erwartet aber nur ein langsames Wachstum und warnte vor dem Risiko einer unterdurchschnittlichen wirtschaftlichen Entwicklung. Dies lässt nach Meinung von Wall-Street-Analysten erwarten, dass die US-Währungshüter auf absehbare Zeit auf Leitzinserhöhungen verzichten werden. Die US-Notenbank hatte die Leitzinsen im vergangenen Jahr mit elf Zinssenkungen auf das niedrigste Niveau seit 40 Jahren gedrückt.

An der Wall Street waren Finanzwerte wie American Express  , Bank of America und Citigroup   gefragt. Der Biotech-Wert ImClone Systems war der große Gewinner: Neue Hoffnungen auf Zulassung eines Krebsmedikaments ließen die Aktie um mehr als 30 Prozent klettern.

Cisco: Schwache Nachfrage

Vor allem Cisco war für die schwächere Tendenz im späten Handel verantwortlich: Analysten rechnen bei dem Netzwerkausrüster auf Grund der schwachen Nachfrage weiterhin mit schwächeren Wachstumsraten. Der Boden sei noch nicht erreicht. Die Aktien verloren daraufhin um rund acht Prozent und zogen die Aktien von Chipherstellern und Computerproduzenten mit sich nach unten. Der Finanzchef des Unternehmens hatte während einer Konferenz in Tokio außerdem Stellenstreichungen angekündigt. Auch die Papiere des Chipherstellers Intel   litten unter dem Sog der Cisco-Aktien. Sun Microsystems verloren 3,88 Prozent auf 8,66 Dollar.

Technologiewerte: Erholung gestoppt?

Die Technologiewerten hatten gestern noch zu den größten Gewinnern im Dax gehört. Die Deutsche Telekom   profitierte von einer guten Jahresbilanz der spanischen Telefonica Moviles und stieg um mehr als drei Prozent. Titel des Chipherstellers Infineon   waren als bester Dax-Wert aus dem Handel gegangen, nachdem der US-Konkurrent Micron Technologies eine dauerhafte Erholung der DRam-Speicherchip-Preise in Aussicht gestellt hatte. Händler rechnen allerdings damit, dass die späten Verluste bei Cisco auch auf die deutschen Technologiewerte drücken werden.

Linde mit Zahlen

Der Anlagenbauer und Hersteller von technischen Gasen, Linde   , hatte gestern ebenfalls leicht im Plus geschlossen. Am Donnerstag vor Handelseröffnung gab der Konzern Zahlen für 2001 bekannt, die nach ersten Einschätzungen leicht unter den Erwartungen der Analysten lagen. Der Umsatz kletterte um sieben Prozent auf 9,1 Milliarden Euro, das Unternehmen will eine unveränderte Dividende von 1,13 Euro zahlen.

Auflagen für Eon

Der Energiekonzern Eon   wird die Ministergenehmigung für die Ruhrgas-Übernahme nach Angaben der "Financial Times Deutschland" voraussichtlich nur unter hohen Auflagen bekommen. So werden Eon und Ruhrgas vermutlich Beteiligungen verkaufen und den Wettbewerbern ihre Gasverteilnetze stärker öffnen müssen. Es gebe kaum Zweifel daran, dass die Bundesregierung die Erlaubnis erteilen wird.

Neuer Markt: Erholung bei D.Logistics geht weiter

Neuer Markt: Handel reagiert positiv auf Greenspans Rede

Die Aktien am Neuen Markt haben sich am Mittwoch über der 1000-Punkte-Marke behaupten können, auch der Nemax All Share schaffte erstmals wieder die magische Grenze. "Der Markt war bis zu der Greenspan-Rede tot", sagte ein Händler am Abend. "Greenspans Rede hat genau die Markterwartungen getroffen", sagte ein weiterer Händler. Die Aussichten seien aber weiter trübe, denn die Probleme am Neuen Markt blieben bestehen.

Mobilcom: Frankreich drängt zum Ausstieg

Der Streit zwischen MobilCom   und der France Télécom, unter dem der Titel seit über einer Woche leidet, spitzt sich weiter zu. Der französische Staat drängt offenbar France Télécom, das Engagement bei MobilCom zu beenden, schreibt das "Handelsblatt". Nun erwägt das schleswig-holsteinische Telekommunikationsunternehmen, wesentliche Teile des Kooperationsvertrags zwischen beiden Unternehmen zu veröffentlichen, über dessen Inhalt Stillschweigen vereinbart worden war.

Die Erholung bei D.Logistics   geht weiter. Das unter Management- und Liquiditätsproblemen leidende Logistikunternehmen hatte am Morgen mitgeteilt, dass die Gläubigerbanken es weiter begleiten.

Nikkei fester - Euro unter Druck

Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag freundlich geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stieg leicht um 14,74 Punkte oder 0,14 Prozent an und ging beim Stand von 10.587,83 Zählern aus dem Markt. Die japanische Zentralbank hatte kurz zuvor wie erwartet beschlossen, die Geldpolitik noch stärker zu lockern. Der Euro notierte am Morgen etwas leichter mit 0,8646 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs bei 0,8649 Dollar festgesetzt.