Börsenausblick Start unter schlechten Vorzeichen
Frankfurt am Main - Die US-Börsen gaben auch nach Handelsschluss in Frankfurt weiter nach. Der Dow-Jones sank um 247 Punkte oder 2,5 Prozent auf 9618 Zähler. Das ist der tiefste Stand seit Mitte November. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 51 Punkte oder 2,6 Prozent auf 1892 Zähler nach.
Gute Daten zum Verbrauchervertrauen und Auftragseingängen zu langlebigen Wirtschaftsgütern hatten die US-Indizes nur kurzfristig im Plus halten können. Danach ging es steil bergab. Aufgeschreckt durch die skandalösen Bilanzierungspraktiken von Enron trennten sich Anleger in Massen von Papieren, deren Unternehmen gerüchteweise das Aus droht.
Spekulationen über die Bilanzierungspraktiken und Skepsis über den Aufspaltungsplan belasteten nach Händlerangaben die Aktien des US-Industriekonglomerats Tyco, die rund 20 Prozent auf 33,65 Dollar einbrachen.
Der Energiehändler und Pipeline-Betreiber Williams Cos. hatte erklärt, das Unternehmen wolle zunächst eine Studie über seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber der in die roten Zahlen geratenen Ex-Tochter Williams Communications abwarten, bevor ein ausführlicher Quartalsbericht veröffentlicht werde. Das Papier brach um 22 Prozent auf 18,78 Dollar ein.
Die Titel des Anbieters von Telefondienstleistungen, WorldCom, verloren mehr als 13 Prozent auf 10,40 Dollar. Händler nannten Spekulationen um eine mögliche Herabstufung der Verbindlichkeiten des Unternehmens als Grund für die Kursverluste. Zudem kursierten Gerüchte, der Konzern sei zahlungsunfähig. Bereits am Vortag hatte der Telekomkonzern Global Crossing Gläubigerschutz beantragt.
Im Zuge dieser Meldungen notierten auch Bankenwerte leichter. Anleger befürchteten, dass Kredite für angeschlagene Konzerne platzen könnten. JP Morgan und Citigroup etwa gaben jeweils um mehr als fünf Prozent nach.
Von der US-Notenbank, die heute ihre zweitägige Sitzung beenden wird, dürfen die Märkte indes wenig Hilfe erhoffen. Marktbeobachter gehen davon aus, dass der Offenmarktausschuss der Fed gegen 20.15 Uhr (MEZ) keine Zinssenkung verkünden wird. Die Investoren wollen endlich gute Unternehmensnachrichten hören. Deshalb dürften auch die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (MEZ, 14.30 Uhr) für das vierte Quartal eher von untergeordneter Bedeutung sein.
Um so mehr werden die Investoren dann auf den Mediengiganten AOL Time Warner schauen, der gegen 15 Uhr (MEZ) seine Zahlen für das vierte Quartal vorlegen wird.
Gute Nachrichten vor Handelsbeginn
Die Vorgaben für die deutschen Aktienmärkte sind also alles andere als freundlich. Vor Handelsbeginn gab es zumindest von der im M-Dax notierten Großbäckerei Kamps gute Nachrichten. hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001 Umsatz und Ergebnis verbessert und will diesen Trend auch 2002 fortsetzen. Der Netto-Konzernumsatz stieg nach vorläufigen Berechnungen im Jahr 2001 auf 1,7 Milliarden Euro nach 1,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Das Betriebsergebnis vor Firmenwertabschreibungen (Ebita) habe sich auf 107 Millionen Euro nach 103,4 Millionen Euro im Vorjahr belaufen. Die Bankverbindlichkeiten seien um 54 Millionen Euro auf 168 Millionen Euro zurückgeführt worden. Für das Geschäftsjahr 2002 strebe Kamps ein organisches Umsatzwachstum von fünf Prozent bei deutlich verbessertem Ebita.
Das IT-Beratungshaus SAP System hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001 Umsatz und Ergebnis verbessert. Der Umsatz sei nach vorläufigen Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um 44 Prozent auf 268,8 Millionen Euro gestiegen, teilte die im Nemax 50 gelistete Tochter des Walldorfer SAP-Konzerns am Mittwoch in einer Pflichtveröffentlichung mit. Der Operative Profit vor Firmenwert-Abschreibungen habe sich um 37 Prozent auf 40,3 Millionen Euro verbessert, was einer Marge von 15 Prozent entspreche. Für das laufende Geschäftsjahr 2002 strebe SAP SI ein Umsatzwachstum von 15 bis 20 Prozent an. Die operative Marge solle zwischen 15 und 17 Prozent liegen.
Nach ersten Ad-hoc-Meldungen am Morgen hat die ebenfalls im Nemax 50 notierte Lambda Physik im ersten Quartal des Geschäftsjahres einen Umsatzrückgang von 22 Prozent auf 25,8 Millionen Euro verzeichnet. Der Quartalsverlust belaufe sich auf eine Million Euro.
Der Vorstand der Ixos Software AG hebt nach eigenen Angaben vom Morgen die Ergebnis-Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2001/2002 an. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) soll demnach um 20 Prozent zulegen, die bisherige Prognose lag bei einem Zuwachs von fünf Prozent. Ixos rechne in der 2. Hälfte des Geschäftsjahres 2001/2002 mit einer guten Nachfrage nach Lizenzprodukten sowie mit einer Erhöhung der Wartungs- und Dienstleistungsumsätze. Das Nach-Steuer-Ergebnis werde durch die Ausschöpfung von Verlustvorträgen im Geschäftsjahr 2001/2002 überproportional wachsen.
Die Leitungsebene der Deutsche Bank steht vor einer einschneidenden Veränderung. Der Aufsichtsrat des Instituts wird heute über eine neue Führungsstruktur "nach amerikanischer Art" entscheiden. Das Modell, das die Verantwortung für das operative Geschäft in einem so genannten Executive Committee mit einem starken Vorsitzenden konzentriert, soll Kreisen zufolge bei einem positiven Entscheid des Kontrollgremiums unverzüglich eingeführt werden. Die neue Struktur soll dann auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag präsentiert werden.
Dadurch könnte sich eine weitere personelle Änderung anbahnen. Wie aus Kreisen zu vernehmen ist, soll Vorstand Thomas Fischer mit dieser Quasi-Entmachtung des Vorstands nicht einverstanden sein und seinen Hut nehmen wollen.
Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch deutliche Verluste erlitten. Der Nikkei schloss nach der negativen Vorgabe der Wall Street erstmals seit dem 10. Oktober unter der psychologisch wichtigen Marke von 10.000 Punkten.
Zum Handelsende notierte der Nikkei ein Minus von 106,55 Punkten oder 1,06 Prozent bei 9919 Punkten. Auch die Entlassung der populären japanischen Außenministerin Makiko Tanaka nach einem tagelangen Streit mit Spitzenbeamten ihres Ministeriums drückte laut Händlern auf die Stimmung. Kommentatoren sprachen von einem Rückschlag für die Regierung.
Um 15.00 Uhr Ortszeit notierte der Dollar schwächer mit 132,68-71 Yen nach 133,07-09 Yen zur gleichen Zeit am Dienstag. Der Euro notierte zum gleichen Zeitpunkt schwächer mit 0,8652-55 Dollar nach 0,8625-28 Dollar am Dienstag zur gleichen Zeit.