Börsenausblick Stimmung am Tiefpunkt
Frankfurt am Main - Den deutschen Aktienmarkt dürfte in dieser Woche neben der verhaltenen Ertragsentwicklung der Unternehmen auch der drohende Streik in der Metallindustrie belasten. Sollte der Dax die Marke von 5.000 Punkte nachhaltig unterschreiten, drohe ein weiterer Einbruch in Richtung 4.800 bis 4.700 Punkte, befürchten Analysten. ", urteilt Finanzanalyst Hein Weyershäuser. Der unklare Trend beim Konjunkturverlauf und die insgesamt verhaltene Ertragsentwicklung der Unternehmen in Europa würden weiterhin auf den Börsen lasten, sagte ein Händler.
Der Dax hatte sich mit einem Minus von 1,65 Prozent auf 4.882 Zählern ins Wochenende verabschiedet. Insgesamt hat der Dax in der vergangenen Woche rund zwei Prozent an Wert verloren. Am Neuen Markt hat der Auswahlindex Nemax-50 drei Prozent auf 818 Zähler nachgegeben. Am Freitag im späten Handel bauten die US-Börsen ihre Verluste weiter aus: Der Dow Jones gab 0,8 Prozent ab, während der Nasdaq Composite um 1,9 Prozent ins Minus rutschte und bei 1613 Punkten schloss.
T-Aktie auf Allzeittief
Anleger werden auch auf die weitere Entwicklung der Aktie der Deutsche Telekom schauen. Am Freitag war die T-Aktie mit einem Minus von 6,71 Prozent auf 12,80 Euro aus dem Handel gegangen und markierte damit ein neues Allzeittief. Unsicherheiten wegen weiteren Abschreibungsbedarfs sowie Herabstufungen großer Investmentbanken hatten auf den Titel gedrückt.
Auch die anderen Technologietitel wie Siemens und SAP sind schwer unter Druck: SAP-Papiere waren am Freitag um mehr als sieben Prozent auf 134 Euro eingebrochen. Börsianer verwiesen darauf, dass sich der Konkurrent Navision nach eigenen Angaben in Gesprächen über einen möglichen Verkauf der Firma befindet. Zeitungsberichten zufolge soll Microsoft 1,2 Milliarden Dollar für die Firma bieten.
Henkel mit Zahlen, Streiks in der Metallbranche
Heute legt Henkel seine Quartalszahlen vor. Das Ergebnis dürfte durchwachsen sein: Henkel hat im ersten Quartal einen Rückgang beim Gewinn vor Steuern und Zinsen von 15 Prozent hinnehmen müssen.
Von den an diesem Montag beginnenden Arbeitsniederlegungen wären nach Analysten-Einschätzungen vor allem Auto-, Maschinenbau- oder Stahlhersteller betroffen. DaimlerChrysler , BMW , Volkswagen und ThyssenKrupp werden im Blickpunkt der Anleger stehen. Titel einiger dieser Unternehmen gehörten in der vergangenen Woche gegen den Trend zu den Kursgewinnern.
Ernsthafte Auswirkungen erwarten Analysten aber nur bei einem längeren Arbeitskampf oder einem Lohnabschluss, der über vier Prozent hinausgeht. Unter den Autotiteln könnte DaimlerChrysler hervorstechen, da der Konzern gemeinsam mit Hyundai und Mitsubishi Benzinmotoren entwickeln und herstellen will.
Zahlen der Commerzbank am Mittwoch
Am Mittwoch will die Deutsche Börse AG am Mittwoch planmäßig die Aktien-Indizes überprüfen. Das könnte für einige Unternehmen einen Segments-Wechsel zur Folge haben. Am Mittwoch legt außerdem die Commerzbank Quartalszalen vor: Bei der Commerzbank rechnen die Experten mit einem leichten Gewinnanstieg zum Vorjahreszeitraum.
Im M-Dax werden in der nächsten Woche unter anderem der Pharma- und Spezialchemiekonzern Altana , die Deutsche Börse und Schwarz Pharma über die Entwicklung ihrer Geschäfte im ersten Quartal berichten.
Neuer Markt: Qiagen im Blickpunkt
Neuer Markt: Biotechs im Blickpunkt
Biotechnologietitel haben seit Jahresbeginn deutliche Kursverluste hinnehmen müssen. In den USA verstärkte der jüngste Kursrutsch von Amgen den Trend. Die deutschen Biotech-Unternehmen nehmen die Tagung der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse (DVFA) vom 6. bis zum 8. Mai nun zum Anlass, um Geschäftsmodelle und Quartalszahlen zu präsentieren. So legen die im Nemax 50 notierten Qiagen am heutigen Montag und MediGene am Mittwoch Zahlen zum Auftaktquartal 2002 vor.
Auf dem Programm stehen zudem am Dienstag Quartals-Zahlen von ConSors . Die angeschlagene SchmidtBank hat den Anteil an ihrer Online-Tochter Consors Discount-Broker AG an die französische Großbank BNP Paribas SA verkauft.
Thiel-Logistik-Aktien verteuerten sich am Freitag um 1,7 Prozent auf zwölf Euro. Einem Pressebericht zufolge hat der Wirtschaftsprüfer des Luxemburger Unternehmens keine Anzeichen für Bilanzfälschungen gefunden. "Dies ist der vierte Tag mit einer positiven Performance", sagte Guiseppe Amato, Marktstratege des Wertpapierhandelshauses Lang & Schwarz in Düsseldorf: Am Neuen Markt ist dies immerhin ein bemerkenswerter Vorgang.
Wall Street: Cisco beendet Ertragssaison
Bangen an der Wall Street geht weiter
Die Analysten der DZ-Bank rechnen auch in dieser Woche mit stärkeren Kursschwankungen am amerikanischen Aktienmarkt. Hier dürften vor allem Technologie- und Telekommunikationswerte, die zu den größten Verlierern an den Aktienmärkten gehören, im Mittelpunkt stehen. Am Freitag im späten Handel bauten die US-Börsen ihre Verluste weiter aus: Der Dow Jones gab 0,8 Prozent ab, während der Nasdaq Composite um 1,9 Prozent ins Minus rutschte und bei 1613 Punkten schloss.
In den USA geht die Quartalssaison zu Ende. Von den US-Flaggschiffen wird der weltgrößte Hersteller von Ausrüstung für das Internet, Cisco Systems , nach Einschätzung von Analysten am Dienstag für das dritte Geschäftsquartal 2002 erstmals seit einem Jahr wieder einen Umsatz- und Gewinnanstieg ausweisen. Nach einer Umfrage von Thomson Financial/First Call unter 35 Analysten wird ein um Sondereinflüsse bereinigtes Ergebnis je Aktie von 7 bis 10 Cent erwartet
Zudem wird die US-Notenbank Federal Reserve am Dienstag über eine Veränderung des Leitzinsniveaus entscheiden.
Die japanischen Börsen blieben heute wegen eines Feiertags geschlossen. Der Nikkei war in der Vorwoche etwas schwächer auf 11551 Punkte aus dem Handle gegangen. Der Euro steigt unterdessen weiter und notierte am Montag Morgen bei 0,9157 Dollar. Die schwachen US-Arbeitsmarktzahlen am Freitag haben der Gemeinschaftswährung weiteren Auftrieb gegeben.