Börsenausblick: T-Aktionäre zittern - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenausblick T-Aktionäre zittern

Schwache Vorgaben von der Nasdaq dürften die Tech-Titel drücken. Vor allem T-Aktionäre machen sich auf schlechte Nachrichten gefasst. Auch die HypoVereinsbank legt heute Zahlen vor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Erneute Warnungen vor Terroranschlägen und anhaltende Gewinnmitnahmen bei Technologiewerten haben in den USA die Indizes am Dienstag ins Minus gedrückt. Der Dow Jones gab 1,2 Prozent auf 10.105 Punkte ab. Der Nasdaq Composite rutschte den zweiten Tag in Folge ab und präsentierte sich 2,2 Prozent leichter. Damit ist an der Technologiebörse bereits die Hälfte der Kursgewinne von rund neun Prozent in der vergangenen Woche aufgezehrt.

Die schwachen Vorgaben dürften heute den Handel in Frankfurt belasten. Hier stehen Quartalszahlen der Deutsche Telekom, der HypoVereinsbank und die Hauptversammlung der Deutsche Bank im Mittelpunkt.

Eine Studie der Investmentbank Merrill Lynch (wir berichteten) zeigte auch noch am Dienstag ihre Wirkung. Was Chefstratege Richard Berstein dabei den Märkten zu Technologiewerten zu sagen hatte, war indes nicht wirklich neu: Zu teuer, zu wage Gewinnausichten, Intransparenz bei der Bilanzierung. Bernstein riet nach der Rallye der Vorwoche zu Gewinnmitnahmen.

Wenn das Konsumentenvertrauen auch weiter Anlass zur Hoffnung gibt, die Unternehmen halten sich mit ihren IT-Investititonen dagegen zurück. Das zumindest konstatierte das Softwareunternehmen Peoplesoft, deren Aktien rund acht Prozent verloren und insgesamt auf den Softwaresektor drückten. Neben pessimistischen Äußerungen des Unternehmens zur Nachfrageentwicklung drückten Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC den Kurs. Zu den Verlierern zählten ebenso Chipwerte wie Intel.

Ford dagegen legten kräftig zu. Der Zigarettenanbieter Philip Morris, der Telefonriese SBC Communications, der Ölkonzern ExxonMobil und das Fotounternehmen Eastman Kodak konnten sich ebenfalls verbessern.

Einzelhandelswerte tendierten angeführt von Home Depot und Wal-Mart leichter. Auch Verkehrs- und Biotechnologiewerte standen auf der Abgabeliste. Gold-, Energie- und Versorgungswerte konnten sich behaupten.

In Frankfurt dürfte am Mittwoch zunächst die Quartalszahlen der Deutsche Telekom   und der HypoVereinsbank   im Mittelpunkt stehen. Bei der Telekom erwarten Analysten ein um acht Prozent gesteigertes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Allerdings werde sich der Nettoverlust inklusive hoher Goodwill-Abschreibungen auf rund 1,25 Milliarden Euro belaufen nach minus 0,36 Milliarden Euro vor einem Jahr. Analysten befürchten vor allem Einbußen im Festnetzgeschäft.

Bei der HypoVereinsbank   erhoffen sich Analysten eine positive Überraschung. Vor allem auf Kostenseite sollte die Bank besser dastehen als im vierten Quartal. Der Gewinn werde vor Steuern allerdings das Niveau des vorangegangenen Quartals, des zweitstärksten im Jahr 2001, nicht erreichen. Vor Steuern dürfte die Bank 400 Millionen Euro verdient haben - fast nur die Hälfte vom ersten Quartal 2001. Die Frage sei allerdings, ob sich bereits abzeichne, inwieweit die Bank ihre Risikovorsorge für das Gesamtjahr von 2,1 Milliarden Euro erhöhen könnte - zumal die Zahl der Insolvenzen in Deutschland in diesem Jahr steigen werde. Auf Quartalsbasis sollte allerdings eine niedrigere Vorsorge als im vierten Jahresviertel (739 Millionen Euro) getroffen worden sein.

Breuer übergibt das Zepter

An der Spitze der Deutsche Bank   kommt es heute zu einem Stabwechsel. Mit Ablauf der Hauptversammlung wechselt Vorstandssprecher Rolf Breuer an die Spitze des Aufsichtsrats. Neuer Chef des größten deutschen Kreditinstituts wird der Schweizer Josef Ackermann. Breuer beerbt als Vorsitzender des Kontrollgremiums Hilmar Kopper. Neben der Abstimmung des Dividendenvorschlages von 1,30 Euro je Aktie stehen die Wahlen zum Aufsichtsrat und Kapitalmaßnahmen wie der Erwerb eigener Aktien auf der Tagesordnung. Außerdem sollen die Aktionäre der Ausgabe von Optionsrechten für Vorstandsmitglieder und Führungskräfte des Branchenprimus zustimmen.

Aus der zweite Reihe berichtet unter anderem Deutschlands größter Warenhauskonzern KarstadtQuelle   dürfte bei der Vorlage seiner Geschäftszahlen zum ersten Quartal an diesem Mittwoch (22. Mai) keine guten Nachrichten für seine Aktionäre parat haben. Nachdem der Konzern bereits Anfang Mai einen Umsatzrückgang für die ersten drei Monate von fast fünf Prozent bekannt gegeben hatte, rechnen Analysten damit, dass KarstadtQuelle auch auf der Ergebnisseite enttäuschen und einen höheren Verlust als im Vorjahr ausweisen wird: Im ersten Quartal 2001 hatte das Unternehmen einen Verlust vor Steuern von 9,3 Millionen Euro verbucht.

Am Neuen Markt wird die DAB Bank   , der Online-Broker der HypoVereinsbank, heute nach Einschätzung von Analysten einen geringeren Verlust für das erste Quartal ausweisen als vor Jahresfrist. Wie das gesamte Jahr verlaufen wird, scheint dagegen schon klar zu sein. Die roten Zahlen werden auch 2002 angesichts schwacher Kapitalmärkte Bestand in der Bilanz haben. Das hatte der Vorstand Anfang des Monats bekannt gegeben.

Mit weiteren Einsparungen durch Umstrukturierungen und einem neuen Preismodell sollen aber im Jahr 2003 schwarze Zahlen geschrieben werden. Dazu müssten jedoch weitere 80 der derzeit 880 Stellen des Brokers, der sich möglicherweise vom Image geschädigten Neuen Markt zurückziehen will, gestrichen werden.

Die asiatische Leitbörse in Tokio tendierte fester. Der Nikkei gewann im Gegensatz zu anderen Indizes in Asien leicht hinzu und stand kurz vor Handelsschluss auf 11.900 Punkten. marktkreisen.