Börsenausblick Transrapid-Bonus für Siemens
Frankfurt am Main - Schwache Technologiewerte haben Dow und Nasdaq am Donnerstag erneut ins Minus gezogen. Auf Grund starker Finanzwerte - Citigroup und Bank of America profitierten von Analystenempfehlungen - konnte der Dow sein Minus zumindest auf 0,3 Prozent begrenzen. Die Nasdaq sackte jedoch erneut um 1,7 Prozent und dürfte vor allem den Neuen Markt zum Auftakt belasten.
Ein positiver Ausblick der Allianz und deutlich gestiegene Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe hatten die deutschen Indizes gestern gestützt. Der Dax war um 1,2 Prozent fester bei 4862 Zählern au dem Handel gegangen, während der Nemax 50 um 0,1 Prozent auf 1051 Punkte sank. Zum Handelsschluss in Deutschland notierten die US-Börsen jedoch noch im Plus.
O´Neill: Pfeifen im Walde
Zumindest der Zweckoptimismus des US-Finanzministers Paul O´Neill könnte den Märkten zum Wochenschluss helfen. O´Neill rechnet bis Jahresende mit einem kräftigen Wachstum der US-Wirtschaft von 3,5 Prozent. Im vierten Quartal 2001 war das US-Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent gestiegen. Der Unsicherheitsfaktor ist jedoch, dass die Nachfrage in den USA zum großen Teil durch Rabatte der Unternehmen und billige Kredite getrieben ist.
In Deutschland gab es ausnahmsweise mal positive Nachrichten von der Konjunkturseite. Im deutschen Verarbeitenden Gewerbe ist der Auftragseingang im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 5,0 Prozent gestiegen. Experten hatten durchschnittlich lediglich ein Plus von 0,1 Prozent erwartet.
Versicherer sehr fest
Die Aktie der Allianz war gestern mit einem Plus von 6,7 Prozent auf 250,39 Euro aus dem Handel gegangen. Das Unternehmen hat auf Grund der Terroreinschläge zwar einen Gewinneinbruch von 2,4 auf 1,7 Milliarden Euro erlitten, prophezeit für 2002 aber wieder mehr als drei Milliarden Euro Gewinn. Auch der Versicherer Münchener Rück legte deutlich zu. Der Branchenindex für diesen Sektor im Dax kletterte um 5,9 Prozent.
Transrapid hilft Siemens
Die Aktien von Siemens sind seit gestern auf Erholungskurs. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (SPD) zufolge für die geplanten Transrapid-Strecken in Bayern und Nordrhein-Westfalen Bundesmittel von 2,3 Euro zugesagt. Die Siemens-Papiere verteuerten sich daraufhin um 3,1 Prozent auf 65 Milliarden,55 Euro, die Aktien von ThyssenKrupp legten 0,2 Prozent auf 16,39 Euro zu. Beide Unternehmen sind an dem Projekt beteiligt.
Die Deutsche Telekom hatte sich gestern leicht erholt, die Schwierigkeiten sind jedoch noch nicht überwunden. Die Liberty Media Group Inc werde nach einem Bericht der FTD aller Voraussicht nach keine Zugeständnisse an das Bundeskartellamt machen, um den Kauf des Fernsehkabels der Deutschen Telekom doch noch zu ermöglichen.
BMW steigert Absatz - Autotitel bleiben unter Druck
Die BMW AG hat im Januar 2002 ihren weltweiten Absatz um 18,7 Prozent auf 77.807 Einheiten gesteigert. Nach Ansicht des Vertriebsvorstandes Michael Canal dürfte die Nachfrage nach Luxusfahrzeugen trotz der Konjunkturflaute anhalten. Canal zeichnete allerdings einen sehr negativen Ausblick für den Automobilmarkt, in dem er für das laufende Jahr einen Gesamtrückgang des weltweiten Fahrzeugabsatzes um fünf Prozent prognostizierte. Im vergangenen Jahr setzte der deutsche Automobilhersteller weltweit insgesamt 905.000 Fahrzeuge ab. Die Aktie von BMW ebenso wie die Aktie von Volkswagen deutlich nach.
Wie tief stürzt DaimlerChrysler?
Für den Autobauer DaimlerChrysler scheint es derzeit kein Halten zu geben. Die Aktien gaben um ein weiteres Prozent auf 42,38 Euro nach. Händler hatten den schwächeren Geschäftsausblick und die auf ein Euro gekürzte Dividende des Autoherstellers für den Kurseinbruch verantwortlich gemacht. Am Donnerstag teilte Daimler indes mit, den Absatz von Mercedes-Benz-Pkw im Januar 2002 um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gesteigert zu haben.
Infineon: Poker um Hynix geht weiter
Im Rennen um eine Kooperation mit der südkoreanischen Hynix Semiconductor steht Infineon nach einem Zeitungsbericht mittlerweile als starker Wettbewerber der Micron Technology da. Angeblich bietet die deutsche Siemens-Tochter Hynix eine Allianz im Nicht-Speicherchip-Geschäft sowie einen Aktientausch für eine Partnerschaft im Geschäft mit den Speicherchips.
Neuer Markt: Indizes verlieren fünften Tag in Folge
Der Leitindex kommt wieder gefährlich nahe an die 1000 Punkte heran. In der kommenden Woche entscheidet die Deutsche Börse über eine Neuordnung der Indizes. Funkwerk, FJA und Nordex dürfen sich Hoffnungen auf einen Aufstieg in den Nemax 50 machen. Dagegen belastet die anhaltende Pleitewelle weiterhin das Vertrauen in den Neuen Markt. Carrier 1 und der Computertechnikhersteller Elsa meldeten akute Finanzprobleme, und über das Vermögen der Lobster AG ist das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Carrier 1 International SA hat unterdessen die Sprachdienste in den USA eingestellt.
Nikkei erholt sich weiter
Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag nach den jüngsten schweren Verlusten weiteren Boden gut gemacht. Der breit angelegte TOPIX verbesserte sich um 8,73 Punkte oder 0,93 Prozent und ging beim Stand von 949,97 Punkten in ein verlängertes Wochenende. Am Montag bleiben die japanischen Finanzplätze wegen eines Feiertages geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte legte um 1,07 Prozent zu und schloss bei 9686,06 Punkten. Der Euro notierte am Morgen bei 0,8716 US-Dollar.