Börsenausblick Turbulente Woche
Hamburg Glaubt man den Experten einiger Banken, steht den deutschen Aktienmärkten erneut eine turbulente Woche mit stark schwankenden Kursen bevor. Bereits in der vergangenen Woche waren die internationalen Aktienindizes in einer Spanne von bis zu zehn Prozent hin- und hergesprungen.
So sieht die Commerzbank den Dax in dieser Woche zwischen 3300 und 3900 Punkten. Auch die Deutsche Bank geht von einem nervösen Handel aus und beziffert die Schwankungsbreite auf 3200 bis 4000 Punkte. Damit könnte der Dax sein Fünf-Jahrestief von 3235 Punkten in dieser Woche sogar noch unterschreiten.
EZB: Turbulenzen kein Grund zur Panik
Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, sieht in den Aktienmarkt-Turbulenzen allerdings keinen Grund zur Panik. Er hält ein neues Abgleiten der US-Wirtschaft in eine Rezession für wenig wahrscheinlich.
"Ich teile die Meinung der Fed, dass ein 'double dip' zwar nicht auszuschließen ist, aber eine weit geringere Wahrscheinlichkeit besitzt als eine verlangsamte Fortsetzung des Wachstums", sagte Issing in einem Interview mit Handelsblatt.com. Gebot der Stunde sei es, verlorenes Vertrauen wieder herzustellen. Vor allem müssten die wirtschaftpolitischen Akteure dafür sorgen, dass sich die Unsicherheit nicht weiter verbreite.
Der US-Wirtschaftswissenschaftlers Robert Shiller ist da weniger optimistisch gestimmt. Nach seinen Worten gebe es an den internationalen Börsen weiterhin "Luft nach unten". Rund ein Drittel der im US-Index S & P 500 notierten Aktien sei noch immer teurer als im historischen Durchschnitt, sagte Shiller dem Anlegermagazin "Euro am Sonntag".
Sorge bereite ihm, dass es angesichts der weltweit kriselnden Aktienmärkte auch zu einer weltweiten Rezession komme. Er sei skeptisch, dass sich die US-Wirtschaft stark erhole. Ende der 90er Jahre habe der Börsenboom die US-Realwirtschaft angetrieben, nun schadeten die fallenden Börsen der Wirtschaft. Daher rechne er mit einer weiteren Rezession in den USA, sagte Shiller. "Wenn auch nicht mit einer großen Depression wie 1929."
Was macht Alan Greenspan?
Eben wegen der erneut aufkeimenden Ängste um eine mögliche Rezession in den USA erwarten die Aktienmärkte mit Spannung die Entscheidung der US-Notenbank an diesem Dienstag. Viele Analysten gehen mittlerweile davon aus, das Fed-Chef Alan Greenspan die Zinsen senken wird. Fraglich ist allerdings, ob dies die Börsen nachhaltig beflügeln wird. Sollte Greenspan eine Zinssenkung auch nur im Ansatz mit möglichen Bedenken um die US-Konjunktur begründen, dürfte es mit den Kursen auch schnell wieder nach unten gehen, meinen Skeptiker.
US-Konjukturdaten in dieser Woche
Auch vor diesem Hintergrund dürften in dieser Woche neue US-Konjunkturdaten besondere Aufmerksamkeit bei den Investoren erlangen. Am Dienstag kommen die US-Einzelhandelsumsätze heraus. Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung folgen am Donnerstag. Spannend wird es dann noch einmal zum Wochenschluss, wenn die Universität Michigan den Index für das Konsumentenvertrauen veröffentlichen wird.
Störfeuer durch neue Bilanzskandale?
Mögliche Störfeuer für die Aktienmärkte könnten sich nach Ansicht der Berenberg Bank noch aus einer anderen Richtung ergeben. So könnte bis Mittwoch, 14. August, noch der eine oder andere US-Bilanzskandal zu Tage treten, heißt es bei der Bank. Denn die Vorstände in den USA müssen die Richtigkeit ihrer Abschlüsse bis zu diesem Termin bestätigen. Falls einige sich weigern sollten, dürfte dies erheblich belasten. Bislang haben noch nicht all zu viele auf ihre Bilanz geschworen.
RWE bleibt auf Wachstumskurs
Aus deutscher Sicht stehen am Montag zunächst die Geschäftszahlen des Energiekonzerns RWE im Vordergrund. Der Versorgungskonzern bleibt nach ersten Meldungen vom Morgen auf Wachstumskurs. Im ersten Halbjahr 2002 habe das Unternehmen sein betriebliches Ergebnis um 8,7 Prozent auf 2,17 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert, teilte RWE am Montag vor Handelsbeginn mit. Bei Strom, Gas, Wasser und im Umweltbereich habe das Plus bei 23 Prozent gelegen. Im Nichtkerngeschäft ging das Ergebnis hingegen um 46 Prozent zurück. Der Umsatz lag mit 27,7 Milliarden Euro um 3,5 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres.
Interessant könnte der Handelsauftakt für die Aktien der Lufthansa werden. In der Nacht zu Montag hat die Nummer sechs der US-Fluggesellschaften, US Airways, Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen beabsichtigt allerdings, den Flugbetrieb fortzuführen.
Weitere Geschäftszahlen die Märkte am Dienstag von Degussa und MAN . Am Mittwoch (14. August) legen der Allfinanzkonzern Allianz und der Versorger Eon ihre Quartalszahlen vor.
Tokio schließt mit dicken Verlusten
Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Montag mit dicken Verlusten. Die japanische Notenbank hält die wirtschaftliche Lage in Japan für "nahezu stabilisiert". Damit behält die Bank von Japan in ihrem aktuellen Monatsbericht, der am Montag vorgelegt wurde, ihre bisherige Bewertung der Konjunkturlage bei. Sie warnte jedoch vor inzwischen höheren Risiken in der weltwirtschaftlichen Entwicklung sowie an den Aktien- und Devisenmärkten. Gerade letztere Einschätzung führte nach Ansicht von Marktbeobachter in Tokio zu den dicken Kursverlusten: Der Nikkei gab 2,5 Prozent auf 9747 Punkte ab.