Börsenausblick: Und sie bewegen sich doch - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenausblick Und sie bewegen sich doch

Ein fallender Ölpreis, die Hoffnung auf Einsicht bei der Opec und die Erholung an den US-Börsen locken wieder Käufer hervor. Sogar in Deutschland wächst nach der nächtlichen Einigung im Emissionshandel die Zuversicht, dass sich in wichtigen Fragen doch etwas bewegt. In Frankfurt rücken Continental, Stada und Sixt in den Blick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Zeichen für eine weitere Erholung stehen gut. Nachdem der Dax   in der vergangenen Woche unter 3700 Zähler gefallen war, könnte er bis Ende dieser Woche wieder in Richtung 4000 Punkte klettern: Händler rechnen für heute mit einem behaupteten Start.

Die Gründe für die freundliche Tendenz: Der Ölpreis ist wieder unter die Marke von 33 US-Dollar gefallen. An der Wall Street setzen Investoren darauf, dass die Opec nach ihrem Treffen am Mittwoch in Wien die Fördermengen nicht wie zunächst geplant reduziert. Außerdem hoffen Anleger, dass die Arbeitsmarktdaten für den Monat März besser ausfallen werden als im Vormonat. Optimisten rechnen mit rund 100.000 neuen Jobs. Die Zahlen werden am Freitag bekannt gegeben.

Der Dow Jones   schloss mit einem Plus von 1,1 Prozent auf 10329 Punkte und damit nur knapp unter Tageshoch. Der Nasdaq Composite   legte sogar 1,7 Prozent zu und könnte heute wieder die psychologisch wichtige Marke von 2000 Punkten knacken. Analysten haben mit zahlreichen Hochstufungen die Erholung in den USA beschleunigt.

Schwergewichte im Dow wie General Electric  , Caterpillar  , Citigroup   und Coca-Cola   erhielten gute Noten von Analysten. Die Mehrzahl der Experten rechnen zu Beginn der Ergebnissaison damit, dass die US-Unternehmen ihre Gewinne im ersten Quartal weiterhin steigern werden.

Einigung im Emissionsstreit

Auch in Deutschland hat sich die Stimmung gebessert. Nach mehr als fünfstündigem harten Ringen hat sich die rot-grüne Koalition am Dienstagmorgen auf Eckdaten zum Klimaschutz geeinigt und damit eine Regierungskrise abgewendet.

In einem Spitzengespräch bei Bundeskanzler Gerhard Schröder legten Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) ihren seit Monaten andauernden Streit um den Handel mit Verschmutzungsrechten bei. Bis Mittwoch muss die Regierung ihre Daten zum Emissionshandel in Brüssel melden. Nach Angaben Trittins haben sich die Minister darauf geeinigt, die Kohlendioxidemissionen für Industrie und Energiewirtschaft bis 2007 auf 503 Millionen Tonnen pro Jahr zu begrenzen, bis 2012 auf 495 Millionen Tonnen.

Dax gut behauptet erwartet

Der Dax   dürfte nach seinen deutlichen Gewinnen gestern gut behauptet in den Handel starten. Analysten rechnen für heute Vormittag mit guten Zahlen des Autozulieferers Continental  : Im Blickpunkt stehen Details zur Übernahme der Hamburger Phoenix AG und das Geschäft in den USA. Stand bisher im Markt vor allem die Restrukturierung des US-Geschäftes im Vordergrund, ist nun die Übernahme von Phoenix an erste Stelle gerückt. Continental hatte am Montag gemeldet, allen Aktionären des Hamburger Technologiekonzerns ein Übernahmeangebot von 15 Euro je Aktie unterbreiten zu wollen.

Stada und Sixt steigern Gewinn

Im MDax   gibt es gute Zahlen vom Bad Vilbeler Generikahersteller Stada   sowie vom Autovermieter Sixt. Stada   hat dank der hohen Nachfrage nach preiswerten Medikamenten 2003 Gewinn und Umsatz deutlich gesteigert und die Dividende angehoben. Der Nettogewinn sei um 25 Prozent auf 43,9 Millionen Euro gewachsen, der Umsatz sei um 18 Prozent auf 745,2 Millionen Euro gestiegen. Die Dividende werde auf 0,70 (Vorjahr: 0,65) Euro erhöht.

Deutschlands größter Autovermieter Sixt   hat ebenfalls sein Ergebnis im vergangenen Jahr dank eines lebhafteren Leasinggeschäftes gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern sei im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent auf 42,5 Millionen Euro gestiegen, teilte Sixt am Dienstag in München mit. Der Jahresüberschuss vor Anteilen anderer Gesellschafter legte um 20 Prozent auf 18,5 Millionen Euro zu. Der Umsatz blieb mit 2,23 Milliarden Euro etwa gleich.

Blick auf Tui und auf Opec

Anleger in Frankfurt blicken bereits auf das für Mittwoch geplante Opec-Treffen sowie auf die Zinsentscheidung der EZB am Donnerstag. Eine mögliche Zinssenkung sowie ein Verzicht auf die Drosselung der Fördermenge könnten den Markt weiter beflügeln und auch die Aktie des Reisekonzerns Tui   stützen, der am Mittwoch Zahlen meldet.

In der Technologiebranche zeigten sich Infineon   und Siemens   zuletzt wieder erholt. Sie profitierten davon, dass Tech-Schwergewicht Hewlett-Packard   nach positiven Analystenkommentaren mehr als drei Prozent zugelegt hat. Die schwierige Nachfusionsphase nach der Fusion mit Compaq sei überwunden, hieß es.

Tokio kaum verändert - Euro etwas fester

Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag bis kurz vor Handelsschluss kaum verändert tendiert. Der Nikkei-Index für 225 Standardwerte gab 0,1 Prozent auf 11693 Zähler nach. Der breit gefasste Topix tendierte ebenfalls etwas schwächer.

Der Dollar notierte um 11.00 Uhr Ortszeit leichter mit 105,49-51 Yen nach 105,63-66 Yen am späten Montag. Der Euro kletterte am Morgen auf 1,219 US-Dollar, nachdem er am Vortag unter die Marke von 1,21 Dollar gefallen war und den tiefsten Stand in diesem Jahr getestet hatte.