Börsenausblick: US-Depression trifft auch Deutschland - DER SPIEGEL
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Börsenausblick US-Depression trifft auch Deutschland

In den USA macht sich Pessimismus über die Wirtschaftsentwicklung breit. Anleger sind wieder verunsichert. Das lässt auch die deutschen Börsen nicht unbeeindruckt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Das war schon ein eiskalter Luftzug, der einmal mehr über den Großen Teich die deutschen Aktienmärkte erreichte und nach unten gezogen hat: Sun-Gewinnwarnung, eine Flut an negativen Analystenkommentaren zum Hightech-Bereich und nicht zuletzt die geplatzte Fusion zwischen Lucent und Alcatel.

Analysten zweifeln immer lauter daran, dass die erhoffte Erholung der US-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte eintreten wird. Im Bereich Netzwerktechnologie zum Beispiel, sehen die Experten von Lehman Brothers einen möglichen Aufschwung nicht vor dem dritten Quartal 2002. Merrill Lynch sprach gar von einer globalen IT-Rezession.

Angst vor weiteren Ertragswarnungen

Zugleich geht unter den Investoren die Angst vor weiteren Ertragswarnungen um. Die Angst ist derzeit bei weitem stärker als die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen in den USA. Die Erkenntnis, dass Greenspans Interventionen nur langsam greifen können, gewinnt an den Kapitalmärkten nicht die Oberhand. So werden neue Engagements aufgeschoben.

Zwar liegt das US-Verbrauchervertrauen im grünen Bereich, wie die jüngsten Zahlen verdeutlichen. Dies sollte die Investoren eigentlich beruhigen: Schließlich tragen die Verbraucher etwa zwei Drittel der US-Wirtschaft. Doch bei derzeit negativen Unternehmensmeldungen ist eine langfristig positive Perspektive nicht auszumachen. Und trotz der bereits fünften Zinssenkung ist der Dollar nicht billiger geworden. Das erschwert das Geschäft der US-Unternehmen auf internationalen Märkten.

Bei der derzeit umgreifenden Unsicherheit werden sich die Investoren weiter zurückhalten und neue Konjunkturdaten abwarten. Am Freitag werden die Arbeitsmarktdaten der USA veröffentlicht.

Allianz muss Farbe bekennen

Auch wenn Analysten hierzulande die Schnäppchen-Jagd ausrufen: Die Anleger werden sich mit bangem Blick auf die USA wohl zurückhalten.

Von besonderem Interesse ist heute die Bilanzpressekonferenz der Allianz. Bereits vor Handelsbeginn teilte die Allianz mit, dass in den kommenden vier Jahren Kosten- und Ertragssynergien aus der Übernahme von insgesamt 2,24 Milliarden Euro erwartet werden. Nach 2006 würden jährlich 1,08 Milliarden Euro Synergien veranschlagt, hieß es. Sämtliche Synergiezahlen seien vor Steuern und nach Restrukturierungsaufwand gerechnet. Analysten und Investoren hatten nach der Ankündigung der Übernahme zwei Monate auf Details zu Wachstums- und Synergiepotenzialen warten müssen. Allianz und Dresdner würden gemeinsam nach Börsenwert zum weltweit sechstgrößten Finanzkonzern aufsteigen.

Die Preussag AG, weltgrößter Tourismuskonzern, wird heute seine Geschäftszahlen für das erste Quartal vorlegen. Es wird erwartet, dass Preussag einen Nach-Steuer-Verlust von rund 75 Millionen Euro ausweisen wird. Schon bei der Hauptversammlung hatte Konzernchef Michael Frenzel erklärt, wegen der normalen saisonalen Schwankungen im Tourismus und der hohen Vorleistungen für das Sommergeschäft werde das Ergebnis negativ sein. Die Buchungen stiegen um rund 9 Prozent.

Am Neuen Markt werden heute Geschäftszahlen von dem Kabelnetzbetreiber Primacom und das Internetunternehmen Gauss Interprise vorlegen.

Die asiatische Leitbörse in Tokio tendierte angesichts der schwachen Vorgaben aus den USA deutlich schwächer. Gegen 7.30 Uhr stand der Nikkei bei 13.223 Punkten, ein Verlust von 269 Zählern.