Börsenausblick: Vielfach miese Nachrichten - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Vielfach miese Nachrichten

Die späte Rallye der Wall Street könnte die Kurse in Frankfurt stützen. Für Aktionäre von Post, Telekom und Merck gibt es aber schlechte Nachrichten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Die Wall Street hat nach Börsenschluss in Deutschland noch deutlich zugelegt und dürfte damit in Frankfurt einen festen Auftakt befördern – trotz der nachbörslich gemischten Unternehmensnachrichten aus New York.

Der Dow-Jones-Index schloss nach einer Aufholjagd 0,5 Prozent fester auf 8494 Punkten. Dabei hatte der Dow gegen 18.40 Uhr deutscher Zeit noch bei 8300 Punkten gestanden. Der Nasdaq Composite kletterte um 2,1 Prozent auf 1320 Zähler. Das gegen 20ß Uhr deutscher Zeit veröffentlichte Beige Book lieferte eine skeptische Einschätzung der Konjunkturlage, doch zeigten sich die Investoren davon wenig beeindruckt. Händler sagten, dass jede aufkommende Schwäche sofort zu Käufen genutzt werde.

Aus deutscher Sicht dürften unter anderem zunächst die Aktien der Deutsche Telekom   stehen. Die Aktie zählte am Mittwoch noch zu den wenigen Gewinnern im Dax, nachdem Gerüchte aufgekommen waren, dass der Konzern 4000 Managern für das neue Jahr keine Gehaltserhöhung zahlen wird.

Was der Konzern noch am späten Mittwochabend auf einer Veranstaltung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) verkündete, war wenig erfreulich. Die Telekom erwägt zum Schuldenabbau auch eine erneute Kappung oder einen völligen Ausfall der Dividende für das Jahr 2002. Es sei im Moment in der Diskussion, ob die Ausschüttung ganz gestrichen oder noch weiter gekürzt werden müsse, sagte der Leiter der Abteilung Investor Relations, Thilo Kusch, am Mittwochabend auf einer Veranstaltung in Düsseldorf.

Nach dem jetzigen Stand werde es bis 2005 dauern, bis der Konzern wieder in positives Nettoergebnis ausweise, sagte Kusch auf dem "Aktienforum" der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Mit Blick auf das laufende Jahr erläuterte er, der in den ersten sechs Monaten ausgewiesene Verlust von 3,9 Milliarden Euro werde sich "nicht verdoppeln". Allerdings sei erneut mit einem "erheblichen" Fehlbetrag zu rechnen.

Der Pharmakonzern Merck hat bereits vor Handelsbeginn schwache Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Es wurde ein Umsatz von 1,847 (Vorjahr: 1,952) Milliarden Euro erzielt, Analysten hatte 1,866 Milliarden Euro erwartet. Das operative Ergebnis belief ist auf 143,2 (295,2) Millionen Euro eingebrochen und lag damit am unteren Ende der Analystenschätzungen.

Des einen Freud, des anderen Leid - Finanzminister Hans Eichel kann sich einem Pressebericht zufolge auf eine deutliche Entlastung seines angespannten Haushalts einrichten. Die Bundesregierung habe entschieden, eine Zahlungsrückforderung an die Deutsche Post   wegen des Erhalts unzulässiger Beihilfen auszustellen, berichtet die "Börsen-Zeitung". Die Post müsse demnach die von der EU bemängelten Beihilfen im Volumen von weit mehr als einer halben Milliarde Euro an die Bundesregierung zurückzahlen. Die Post hatte nach der Entscheidung der EU im Sommer angekündigt, für eine solche Forderung 850 Millionen Euro Rückstellungen zu bilden.

Eng könnte es möglicherweise erneut für die Aktien der HypoVereinsbank   werden. Die Aktie hatte am Vortag nach schwachen Zahlen mehr als 14 Prozent verloren. Nun prüft die Ratingagentur Moody's Investors Service die Ratings der Bank und ihrer Tochtergesellschaften auf eine mögliche Herabstufung. Betroffen seien das Finanzstärke-Rating sowie die Ratings für die besicherten und unbesicherten Verbindlichkeiten, teilte Moody's am späten Mittwoch mit. Begründet wurde dieser Schritt mit dem unerwartet hohen Anstieg der Rückstellungen für Kreditausfälle für den Rest des Jahres 2002.

Moody's fügte hinzu, dass der negative Ausblick für die Langfrist- und das Finanzstärke-Rating der HVB schon die Erwartung einer schwachen Profitabilität für den Rest des Jahres 2002 und aller Voraussicht nach auch für das kommende Jahr berücksichtige.

Die anhaltende Schwäche im Online-Geschäft hat das Ergebnis des weltgrößten Medienkonzerns AOL Time Warner   im dritten Quartal belastet. Der Konzern aber seine Prognose für das Gesamtjahr bestätigt. Das Wachstum des Ebitda werde am unteren Ende der Spanne von fünf bis neun Prozent liegen, teilte das Unternehmen mit. Ab dem dritten Quartal 2000 bis Juni 2002 werde der Konzern zudem seine Bilanzen neu erstellen, teilte AOL am Mittwoch nach Börsenschluss mit. Der Gewinn ohne Kosten wie Abschreibungen sei auf 19 Cent je Aktie von 24 Cent in der Vorjahreszeit gefallen. Analysten hatten exakt mit einem Gewinn in dieser Höhe gerechnet. Den Umsatz nannte der Konzern für das dritten Quartal mit zehn Milliarden Dollar um sechs Prozent höher und das Ebitda mit 2,2 Milliarden Dollar um ein Prozent niedriger als vor einem Jahr.

Der Umsatz des SAP  -Partners Commerce One ist im abgelaufenen Quartal um rund zwei Drittel eingebrochen. Zugleich verringerte das US-Software-Unternehmen aber den Nettoverlust deutlich. Der Erlös sei um 67 Prozent auf 26,4 Millionen Dollar zurückgegangen, teilte Commerce One am Mittwoch nach Börsenschluss mit. Die als wichtige Kennziffer der Branche geltenden Gebühreneinnahmen aus Software-Lizenzen seien um knapp die Hälfte auf 8,5 Millionen Dollar gesunken. Der Netto-Fehlbetrag habe 46,9 Millionen Dollar betragen nach einem Minus von 119 Millionen Dollar vor einem Jahr. Ohne Firmenwert-Abschreibungen und andere Einmalbelastungen habe der Verlust bei 31 (63,6) Millionen Dollar gelegen.

Das weltgrößte Biotech-Unternehmen Amgen   hat seine Prognose für das Geschäftsjahr 2002 nach unten korrigiert. Das Wachstum des bereinigten Ergebnisses je Aktie werde nun bei rund 15 Prozent gesehen, nachdem zuvor 25 Prozent erwartet worden waren, teilte der Biotech-Konzern bei der Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal mit. Zuvor hatte die Gesellschaft mit ihrem Proforma-Ergebnis von 34 Cent pro Aktie im dritten Quartal die Markterwartungen um zwei Cent übertroffen.

Der drittgrößte US-Mobilfunkbetreiber AT&T Wireless Services hat im abgelaufenen Quartal mit einem deutlichen Gewinnplus die Analystenprognosen übertroffen. Das Unternehmen gewann zudem 201.000 neue Kunden hinzu und lag damit am oberen Ende der Expertenerwartungen. Der Gewinn vor Sonderposten habe 131 Millionen Dollar oder vier Cent je Aktie betragen nach 77 Millionen Dollar im Vorjahresquartal, teilte das Unternehmen am Mittwoch nach Börsenschluss in Redmond mit. Von Thomson First Call befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem ausgeglichenen Ergebnis gerechnet. Unter Berücksichtigung hoher Abschreibungen für Mobilfunklizenzen und Firmenbeteiligungen ergab sich aber ein Nettoverlust von 2,04 Milliarden Dollar.