Börsenausblick Vorgaben lassen hoffen
Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte dürften am Dienstag von den guten Vorgaben der Wall Street profitieren. Denn Dow Jones (plus 1,1 Prozent auf 8519 Zähler) und Nasdaq Composite (plus 0,7 Prozent) konnten nach Handelsschluss in Frankfurt noch zulegen. Allerdings warnten Markbeobachter davor, angesichts der geringen Umsätze die Pluszeichen an der Wall Street überzubewerten.
Wall Street: "Das Thema Irak ist allgegenwärtig"
Händler in New York beobachteten ein Abflauen des Verkaufsdrucks und hofften, dass die Märkte nach dem 11. September wieder nach oben laufen werden, sollte es am Jahrestag der Terroranschläge keine Zwischenfälle geben.
Larry Wachtel, Analyst bei Prudential Securities, hingegen sah keinen Grund für optimistische Anflüge. "Es gibt nicht viel Motivation. Diese Woche wird von den Gedenkfeiern zum 11. September dominiert, und das Thema Irak ist allgegenwärtig."
Bei einem Krieg der USA gegen Irak befürchten viele Händler erhebliche Einschränkungen der weltweiten Ölversorgung. Dies könnte den jüngst bereits deutlich gestiegenen Ölpreis weiter in die Höhe treiben und damit der Weltwirtschaft einen weiteren Dämpfer verpassen.
Bei den Standardwerten belasteten nach Händlerangaben Kursverluste der Aktien des Finanzkonzerns J.P. Morgan Chase . Die US-Investmentbank Merrill Lynch hatte ihre Bewertung für den Dow-Wert auf "Neutral" von "Buy" zurückgenommen und dies mit niedrigeren Gewinnerwartungen und möglichen Dividendenkürzungen begründet. Auch die Aktien des weltgrößten Finanzkonzerns Citigroup fielen. Citigroup hatte mit sofortiger Wirkung die Spitze ihrer ins Gerede gekommenen Investmentbank Salomon Smith Barney ausgetauscht. Das weit verzweigte Bank- und Aktien-Geschäft der Citigroup ist in jüngster Zeit in den Mittelpunkt von Untersuchungen der Regulierungsbehörden und von Kongress-Ausschüssen geraten.
Die Aktien von AOL Time Warner gaben anfangs nach, schlossen aber zur Glocke mit einem kleinen Plus. Der weltgrößte Medienkonzern hatte vor Börsenbeginn die Umsatzprognose für seine Internet-Sparte America Online für 2002 reduziert.
Ford will Analystenerwartungen übertreffen
Interessant könnte heute in Frankfurt der Handelsauftakt für die Autowerte werden. Denn nachbörslich berichtete der zweitgrößte US-Autohersteller Ford , dass der Konzern im dritten Quartal mit einem geringen Gewinn auf operativer Basis die Analystenerwartungen übertreffen werde. Aktienexperten rechnen im Schnitt mit einem geringen Verlust.
"Wir haben die Erwartungen der Analysten im ersten und im zweiten Quartal überboten und werden das auch im dritten Quartal wieder tun", sagte Ford-Chef Bill Ford am Montag. Das Unternehmen bekräftigte zudem seine Absicht, im laufenden Jahr einen moderaten Gewinn zu erwirtschaften. Die Aktie zog nachbörslich deutlich an.
Etwas getrübt wurde die Stimmung von Intel -Präsident Paul Otellini. Der Absatz von Personalcomputern bleibe seinen Worten zufolge weiterhin schwach. Eine Erholung sei unwahrscheinlich, bis sich das Verbrauchervertrauen verbessert habe, erklärte Otellini. Der PC-Markt habe keine Anzeichen der Belebung gezeigt. Eine Prognose für das Weihnachtsgeschäft könne er noch nicht abgeben, sagte Otellini weiter.
Wird Nokia die Märkte enttäuschen?
Mit spitzen Ohren dürften die Märkte heute auch verfolgen, was der weltgrößte Handyproduzent Nokia zu seinem etwa alle sechs Wochen stattfindenden Mid-Quarter-Update zu verkünden hat. Auch wenn Nokia in diesem Jahr die Märkte bereits mehrfach mit negativen Nachrichten überrascht hatte, erwarten Analysten diesmal keine Rücknahme der Umsatz- und Gewinnprognose. Die ersten Aussagen des Konzerns werden gegen elf Uhr am Vormittag erwartet.
Im Interesse der Anleger könnten auch die Aktien des Energiekonzerns Eon stehen. Eon und Ruhrgas müssen nach Informationen der "FAZ" mit viel schärferen Auflagen für eine Fusion rechnen. Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Tacke, wolle bei einer geänderten Ministererlaubnis sowohl härtere Verkaufsauflagen als auch höhere freie Gasmengen durchsetzen. Im Einzelnen solle nicht nur Eon, sondern auch Ruhrgas seine Anteile an den Versorgern Bayerngas und Bremer Stadtwerke veräußern. Beide Konzerne müssten überdies den Beteiligungsunternehmen Sonderkündigungsrechte für Gaslieferungen einräumen.
Die asiatische Leitbörse in Tokio präsentierte sich kurz vor Handelsschluss nahezu unverändert. Der Nikkei stand bei 9302 Punkten.