Börsenausblick Wahl ohne Wirkung
Frankfurt am Main - Der knappe Ausgang der Bundestagswahl wird nach Einschätzung von Börsianern am deutschen Aktienmarkt in dieser Woche nur eine untergeordnete Rolle spielen. Schon bald würden sich die Anleger auf wichtigere Dinge wie die Entwicklung der Konjunktur und den Streit zwischen den USA und Irak konzentrieren.
Allerdings sei der knappe Wahlausgang mit einer nur hauchdünnen Mehrheit im deutschen Bundestag für die künftige Regierung kein gutes Klima für notwendige Reformen, da bei jeder Abstimmung gezittert werden müsse, ergänzte Analyst Giuseppe Amato vom Handelshaus Lang & Schwarz.
Das Ergebnis stand kurz vor vier Uhr am Montag fest. Danach kommen SPD und Grüne zusammen auf 306 der insgesamt 603 Sitze im neuen Bundestag, wie Bundeswahlleiter Johann Hahlen in Berlin mitteilte. CDU/CSU und FDP erreichten 295 Sitze. Die PDS erzielte zwei Direktmandate.
Manche sehen zunächst schwächere Kurse
Wirtschaftsvertreter hatten unterdessen schon am Wahlabend die künftige Regierung aufgefordert, die Wirtschaft anzukurbeln und den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren.
Eine Wiederwahl der rot-grünen Bundesregierung würde die deutschen Börsen zunächst belasten, meinten einige Händler. Bei einem Regierungswechsel rechneten Börsianer dagegen vorerst mit Kursgewinnen. Mit Blick auf den knappen Wahlausgang sagte ein Händler, auf den Vorsprung an Mandaten komme es nicht an. Es müsse aber ein Zeichen für den Wechsel gesetzt werden. Schließlich habe die bisherige Regierung wenig für wirtschaftliche Reformen getan.
Im außerbörslichen Handel bei Lang & Schwarz wurden Amato zufolge parallel zu den Hochrechnungen der Fernsehsender lediglich Aktien der Wind- und Solarfirmen verstärkt gehandelt. Lag bei den Berechnung Rot-Grün vorne, legten die Titel zu, deutete sich dagegen ein Sieg der Kombination CDU/CSU und FDP an, gaben sie wieder nach. Ansonsten seien keine ungewöhnlichen Kursbewegungen verzeichnet worden.
Regierungswechsel ohne Einfluss auf ausländische Anleger
Auf die Frage, ob ein Regierungswechsel aus Sicht ausländischer Anleger positiv oder negativ sei, sagte Händler Florian Weber von Börsenmakler Schnigge, dies sei von untergeordneter Bedeutung. Selbst wenn neue Regierungen bestimmte wirtschaftliche Weichenstellungen vornähmen, sorgten sie dafür, dass die Planungssicherheit der Unternehmen nicht beeinträchtigt werde.
Chancen für eine Regierungsbildung sahen Marktteilnehmer nur für die Konstellationen SPD und Grüne beziehungsweise CDU/CSU und FDP. Eine Große Koalition lehnten sie ab, da sie ihrer Ansicht nach Stillstand bedeute. Der Bildung einer möglichen "Ampel-Koalition" aus SPD, Grünen und FDP räumten sie geringe Chancen ein, da die Differenzen zwischen FDP und Grünen zu groß seien.
Ifo-Index und US-Frühindikatoren im Blickpunkt
Am Mittwoch werde sich das Interesse der Anleger ohnehin eher auf die Bekanntgabe des Ifo-Geschäftsklimaindexes für September richten, hieß es weiter. Ein erneuter Rückgang wäre der vierte in Folge und machte einen Rückfall in eine Rezession wahrscheinlich. Dies dürfte vor allem die schwankungsanfälligen Technologiewerte belasten. Aber auch Banken und Versicherer könnten unter Druck geraten.
Außerdem warteten die Investoren gespannt auf die Veröffentlichung der US-Frühindikatoren am heutigen Montag und den Zinsentscheid der US-Notenbank am Dienstag, sagten Händler.
Gerry Weber veröffentlicht Geschäftszahlen
Im MDax hat Gerry Weber für kommenden Freitag die Vorlage von Geschäftszahlen angekündigt. Analysten rechnen zwar mit rückläufigen Aufträgen, allerdings habe sich das Geschäft des Bekleidungskonzerns voraussichtlich besser entwickelt als die Branche, hieß es.
Bewegung in die Kurse könnte die Veränderung der Börsenindizes bringen. So ersetzt im Deutschen Aktienindex Dax Altana den Chemiehersteller Degussa . Gleichzeitig rückt BASF in den Dow Jones Stoxx50 der größten europäischen Unternehmen auf. Die Index-Veränderungen seien allerdings bereits in den aktuellen Aktienkursen enthalten, sagten Börsianer.
Auf Grund des Feiertags in Japan (Herbstanfang) bleiben dort am Montag Börsen, Banken und Behörden geschlossen.