Börsenausblick: Warten auf EM.TV - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenausblick Warten auf EM.TV

Die Vorgaben für den Handelstag in Deutschland sind gut. Die US-Börsen haben trotz schwacher Konjunkturdaten im Plus geschlossen. Spannung verspricht die Hauptversammlung des angeschlagenen Medienunternehmens EM.TV.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Wenn das Vertrauen der US-Bevölkerung in die eigene Wirtschaft im Monat Juli auch stärker gesunken ist als Analysten dies zuvor vermutet hatten, so bleibt das Leben auf Pump eine nicht mehr wegzudenkende Konstante in den USA: So stiegen die Konsumausgaben und Einzelhandelsumsätze stärker als erwartet, wie jüngste Zahlen gestern belegten.

Offenbar vor allem dieser Umstand hat die Stimmung an der Wall Street am Dienstag aufgehellt. Zugleich keimten Hoffnungen auf, dass die US-Notenbank am 21. August um 50 Basispunkte senken könnte. Der Dow Jones ging mit einem Plus von 1,2 Prozent auf 10.522 Punkte aus dem Handel. Die Technologiebörse Nasdaq verabschiedete sich 0,5 Prozent fester auf 2027 Zähler.

Die Vorgaben für die deutschen Aktienmärkte sind also nicht schlecht. Allerdings fällt auf, dass die deutschen Börsen seit knapp einer Woche ein Eigenleben führen. So hat der Neue Markt in den vergangenen vier Handelstagen mehr als 17 Prozent zugelegt.

In Frankfurt stehen heute die Geschäftszahlen unter anderem der Deutsche Bank an. Am Neuen Markt müssen Intershop und T-Online zum Zahlenrapport.

Die Deutsche Bank wird nach Ansicht von Analysten für das erste Halbjahr und das zweite Quartal im Vergleich zu ihren Wettbewerbern deutlich bessere Zahlen ausweisen. Nach ersten Ad-hoc-Meldungen vom Morgen hat die Deutsche Bank im ersten Halbjahr einen Netto-Gewinn von 2,451 Milliarden Euro erzielt gegenüber 3,777 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das ist ein Abschlag von mehr als 30 Prozent. Der Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr sei auf 3,086 Milliarden Euro von 4,885 Milliarden Euro gesunken.

Am Neuen Markt legt der Internetprovider T-Online seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Von dpa-AFX befragte Analysten rechnen mit einem Umsatz zwischen 250 Millionen und 282 Millionen Euro (H1: 530 Millionen bis 546,4 Millionen Euro). Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erwarten sie zwischen minus 62,11 Millionen und minus 87 Millionen Euro (H1: minus 128,5 Millionen bis minus 150 Millionen Euro). Im ersten Quartal 2001 hatte der Umsatz bei 280,2 Millionen Euro und das Ebitda bei minus 66 Millionen Euro gelegen.

Doch wirklich "Weltbewegendes" werde die morgige Vorlage der Zahlen nicht bringen, da sind sich die Analysten einig. "Viel wichtiger wäre, wenn T-Online endlich konkrete Aussagen zur künftigen Strategie machen würde", meint HypoVereinsbank-Analystin Petra Heist. Doch mit solchen Aussagen rechnet die Expertin erst zur Analystenkonferenz im August.

Heist glaubt, dass das Unternehmen sich zunächst auf seine starke Marktposition in Deutschland konzentrieren, diese weiter ausweiten und mit erfolgreichen Geschäftsmodellen dann später ins Ausland expandieren soll. "T-Online muss weg vom Zugangs- und hin zum Portalgeschäft", so Heist. Doch bislang habe das Unternehmen noch wenig konkrete Maßnahmen eingeleitet, wie die Kundenbasis "monetarisiert" werden solle. Dieses Problem sieht auch Analyst Markus Glockenmeier von Delbrück. "T-Online muss echten Mehrwert für die Kunden schaffen, dann sind sie auch bereit, über den Zugang hinaus zu zahlen", meint er.

Wenn das ebenfalls im Nemax 50 notierte Softwareunternehmen Intershop seine Geschäftszahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2001 vorlegt, richtet sich das Augenmerk der Analysten vor allem auf die Ertrags- und Umsatzprognose für das Gesamtjahr. Bislang hat der Vorstand für 2001 ein unter dem Vorjahr liegendes Ergebnis mit Profitabilität im vierten Quartal in Aussicht gestellt. Außerdem soll der Umsatz wegen des schwachen Marktumfeldes und der geringeren IT-Investitionen konstant bleiben oder unter den Vorjahreswert fallen.

Die Analysten gehen jedoch davon aus, dass die Prognose für das Gesamtjahr noch schlechter ausfallen wird, da der Markt nicht das Potenzial habe wie zunächst angenommen, und sich die Lage noch verschlimmert habe. Das Ebit des zweiten Quartals wird bei minus 30,9 Millionen Euro (SES Research) beziehungsweise minus 18 Millionen Euro (Sal. Oppenheim) und das Ergebnis je Aktie bei minus 0,34 Euro (SES) beziehungsweise minus 0,19 Euro (Sal. Oppenheim) gesehen. Für das zweite Quartal 2000 hatte Intershop noch ein Ebit von 0,769 Millionen Euro und ein Ergebnis je Aktie von 0,07 Euro ausgewiesen. Den Umsatz sehen die Analysten zwischen 23,89 Millionen Euro (SES) und 24,5 Millionen Euro (Sal. Oppenheim).

Das krisengeschüttelte Medienunternehmen EM.TV steht heute vor einer turbulenten Hauptversammlung in München. manager-magazin.de berichtet live. Auch nach dem Rücktritt von Gründer und Konzernchef Thomas Haffa in der vergangenen Woche rechnen Beobachter mit scharfer Kritik der Kleinaktionäre. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kündigte einen Antrag auf Sonderprüfung des Unternehmens an. Dadurch solle für die Aktionäre unter anderem mehr Klarheit über die Gründe für die hohen Wertberichtigungen und den Milliardenverlust geschaffen werden.

EM.TV hatte für das Jahr 2000 ursprünglich hohe Gewinne versprochen, letztlich aber einen Rekord-Verlust von knapp 2,6 Milliarden Mark erzielt. Die Münchner Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. In der vergangenen Woche erklärte Haffa seinen Rücktritt. Nachfolger soll "Spiegel"-Manager Werner Klatten werden, der auch 25,1 Prozent der EM.TV-Anteile von Thomas Haffa übernimmt. Auch wenn er offiziell noch nicht im Amt ist, wird Klatten nach Angaben von EM.TV auf der Hauptversammlung sprechen.

Klatten hat der Öffentlichkeit versprochen, dass schon in den ersten drei Monaten seiner Amtszeit sollen "qualitative Verbesserungen" bei EM.TV spürbar sein sollen.