Börsenausblick: Was sagt Greenspan? - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Was sagt Greenspan?

Der schwache Ausblick der US-Konzerne Apple und Intel dürfte heute die Techwerte belasten und die guten Vorgaben der US-Börsen neutralisieren. Die Börse in Tokio rutschte bereits jedenfalls stark ab. Vielleicht kann jedoch US-Notenbankchef Alan Greenspan die Stimmung ein wenig aufhellen.
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Hamburg - Die Vorgaben aus den USA für die deutschen Aktienmärkte sind uneinheitlich. Die amerikanischen Aktienmärkte beendeten den Handel im Plus: Der Dow Jones hatte am Dienstag im späten Handel die 200-Tage-Linie nach oben durchbrochen und mit einem Plus von 1,3 Prozent auf 10.606 Zähler geschlossen. Die US-Technologiebörse Nasdaq steigerte sich um 1,9 Prozent auf 2067 Zähler.

Nach Börsenschluss vermeldeten der Computerhersteller Apple und der weltgrößte Chipkonzern Intel drastische Gewinneinbrüche. Allerdings lagen die Quartalszahlen leicht über den stark reduzierten Erwartungen der Analysten. Bedenklich stimmt: Die Konzerne gaben in der Nacht einen schwachen Ausblick ab. So warnte Apple für das zweite Halbjahr vor deutlich geringeren Umsätzen. Und auch der Ausblick von Intel ist nicht berauschend. Infolge der schwachen Prognosen der US-Konzerne fiel die asiatische Leitbörse in Tokio deutlich ab und erstmals seit März diesen Jahres unter die Marke von 12.000 Punkten.

Nach Börsenschluss meldete das Internet-Unternehmen Real Networks schwächer als erwatete Quartalszahlen und sprach eine Gewinnwarnung für das dritte Quartal aus.

Die Börsianer erwartet heute ein dickes Programm: Geschäftszahlen werden unter anderem von den Technologiekonzernen IBM, Altana, AOL Time Warner erwartet. Ebenfalls vor Handelsschluss in Deutschland berichten Ford, Coca-Cola und die Großbank J.P Morgan Chase über die abgelaufenen Quartale. Nach Börsenschluss in den USA kommen Applied Micro Circuits, Broadcom und I2 Technologies mit ihren Geschäftszahlen heraus.

Ihren Blick nach Amerika werden die Börianer heute aber vor allem auf einen Mann richten. Der US-Notenbankchef Alan Greenspan wird seine Einschätzung über den künftigen Konjunkturverlauf in den USA vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses vortragen. Dabei dürfte Greenspan die jüngsten Konjunkturdaten für den Monat Juni (Verbraucherpreise, Realeinkommen) vermutlich schon kennen. Das Image des Magiers hat Risse bekommen. Greenspan wird sich bohrenden Fragen stellen müssen. So wollen die Abgeordneten etwa wissen, warum die Konjunktur in den USA trotz der bereits zurückliegenden sechs Zinssenkungen nicht besser verläuft.

Mittlerweile werden sogar Stimmen laut, die den Notenbankchef für die Misere der US-Wirtschaft verantwortlich machen. Zentraler Vorwurf: Greenspan habe durch eine zu lockere Zinspolitik in den 90er Jahren die Märkte mit Liquidität geradewegs zu überschwemmt und die Voraussetzungen für die Technologieblase, die jetzt geplatzt ist, überhaupt erst geschaffen. Der Schaden ließe sich kaum noch reparieren, kritisiert etwa Stephen Roach, Chefvolkswirt von Morgan Stanley Dean Witter, in der Tageszeitung "Die Welt". Dabei könnte Greenspan nach Einschätzung von anderen Analysten die Zinsen erneut um 25 Basispunkte senken.

Man darf gespannt sein, wie die deutschen Aktienmärkte auf die jüngsten Quartalszahlen und den schwachen Ausblick zahlreicher Unternehmen reagieren werden. Vor Handelsbeginn meldete der Backkonzern Kamps Quartalszahlen auf Vorjahresniveau, schockte die Anleger aber gleichzeitig mit einer Gewinnwarnung. Ad hoc heißt es, dass der Großbäcker sein Ebit-Ziel für das Jahr von 2001 nicht erreichen wird. Anstatt der erwarteten 130 Millionen Euro werden jetzt nur noch 90 Millionen Euro erwartet. Das dürfte die Aktie deutlich unter Druck setzen.

Schlechte Nachrichten auch vom Neuen Markt: DCI Database hat vorläufigen Zahlen zufolge im ersten Halbjahr 2001 den Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert von 7,4 Millionen Euro auf 15 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Der Umsatz sei im Berichtszeitraum von 4,1 Millionen Euro auf 6,7 Millionen Euro gestiegen, teilte das auf E-Commerce spezialisierte Unternehmen vor Handelsbeginn mit.