Börsenausblick Wechselbad der Gefühle
Was sich gestern an den deutschen Aktienmärkten abspielte war ein Wechselbad der Gefühle. Waren die Wachstumswerte im Nemax-50 zeitweilig um 13 Prozent abgestürzt, reagierte der Index nach der US-Zinsentscheidung genauso übertrieben in die andere Richtung. Schien der Traum eines grenzenlosen Wachstums gestern endgültig zerplatzt, löste die Entscheidung des US-Notenbankchefs Greenspan überschäumende Euphorie bei den Börsianern aus.
Ob der Markt diese Tendenz heute fortsetzen kann bleibt abzuwarten. Denn das Problem des schwachen Finanzmanagments bei zahlreichen Unternehmen am Neuen Markt, ihre von Experten vielfach kritisierte Qualität, ihre immer noch hohe Bewertung im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz - all diese Probleme haben sich nicht über Nacht gelöst.
Dass fundamentale Daten gestern kaum eine Rolle spielten, wird auch am Beispiel amerikanischer Computerunternehmen deutlich. Die Nachricht, dass im Dezember die PC-Verkäufe um fast ein Viertel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen sind, konnte die Euphorie der Investoren nach der Zinsentscheidung nicht bremsen. Dell, IBM und Compaq gingen gestern mit einem Plus zwischen elf und 17 Prozent aus dem Handel.
Euphorie ist ein schlechter Ratgeber. Das hat sich in der Vergangenheit mehrfach bewiesen. Aber im Moment scheint das die Anleger nicht zu interessieren.
Deshalb ist nach der gestrigen Rekordfahrt der Nasdaq, die mit einem Plus von mehr als 14 Prozent aus dem Handel ging, zunächst mit weiteren Aufschlägen bei Technologietitel zu rechnen. Auch die Bankenwerte dürften von der US-Zinsentscheidung weiter profitieren. Unter Druck werden dagegen konservative Titel aber auch der Rentenmarkt geraten, die angesichts der eklatanten Schwäche der Tech-Aktien in der Vergangenheit bei den Anlegern als "sicherer Hafen" galten.