Börsenausblick: Wechselduschen in Frankfurt - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Wechselduschen in Frankfurt

Die späte Erholung der US-Börsen dürfte den Dax stützen. Der ifo-Index für das Geschäftsklima aber dürfte abermals sinken und die Stimmung trüben.
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Frankfurt am Main – Während der letzten beiden Handelsstunden haben Dow Jones (0,5 Prozent) und Nasdaq Composite (0,9 Prozent) positives Terrain zurück erobert. Dax und Nemax, die gestern beide leicht nachgegeben hatten, könnten dadurch einen Impuls erhalten.

Allerdings rechnen Beobachter damit, dass das Münchener ifo-Institut heute Vormittag erneut einen Rückgang des von ihm ermittelten Geschäftsklima-Index bekannt gibt. Erwartet wird ein Rückgang von 87,7 auf 87,2 Punkte – dies wäre der sechste Rückgang in Folge. Das ifo-Institut ermittelt den Geschäftsklimaindex einmal monatlich aus einer Umfrage unter 7000 Unternehmen in ganz Deutschland. In den USA wird am Nachmittag das Verbrauchervertrauen erwartet.

Gute Nachrichten gibt es vom Markt für Mobilkommunikation: Der weltweite Markt für Mobiltelefone hat sich im dritten Quartal 2002 besser entwickelt, als von den Experten erwartet wurde. Die Handy-Hersteller konnten mit über 104 Millionen verkauften Mobiltelefonen den Absatz um 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal ausbauen, berichtete das Marktforschungsunternehmen Gartner Dataquest am Dienstag.

"Das ist erst das zweite Mal in der Geschichte des Mobilfunks, dass über hundert Millionen Handys in einem Quartal verkauft wurden", sagte Bryan Prohm, Senior Analyst von Gartner Dataquest. Von diesen Nachrichten könnte neben Nokia   auch die deutsche Siemens   profitieren.

Allianz im Blickpunkt

Außerdem dürften heute erneut die Versicherungstitel im Blickpunkt stehen. Die Dauerkrise an den internationalen Finanzmärkten zwingt die Allianz   Lebensversicherung nach Presseinformationen zur bisher stärksten Senkung der Überschussbeteiligung. Im nächsten Jahr werde die Gewinnausschüttung bei der Allianz-Tochter nur noch "in der Größenordnung von 5,5 Prozent" liegen, heißt es.

Derzeit liegt die Überschussbeteiligung des größten deutschen Lebensversicherers bei 6,8 (Vorjahr: 7,5) Prozent. Außerdem legt der Rückversicherer Münchener Rück   am Donnerstag Zahlen vor.

Ein überraschend hoher Anstieg der Hausverkäufe im Oktober brachte am Montag gute Stimmung aufs New Yorker Börsenparkett. Alle drei führenden Kursindizes schlossen im Plus ab. Mit 1,56 Milliarden an der New York Stock Exchange gehandelten Werte lag das Volumen trotz der verkürzten Thanksgiving-Woche über dem Durchschnitt der letzten Wochen.

Der Dow-Jones-Index stieg um 0,5 Prozent auf 8849,40 Punkte, der technologielastige Nasdaq-Index legte 0,9 Prozent auf 1481,9 Punkte zu und der breitere Standard & Poors 500-Index rückte um 0,3 Prozent auf 832,9 Punkte auf.

Am Dienstag wird die Regierung die neuen Zahlen zum Konjunkturwachstum im dritten Quartal vorlegen. Schätzungen zufolge ist das Bruttosozialprodukt in der Berichtsperiode bei einer Jahresrate von 3,8 Prozent gestiegen. Vor einem Monat hatten Volkswirte nur 3,1 Prozent Wachstum voraus gesagt. Außerdem werden für Dienstag Angaben des Conference Board zum Verbrauchervertrauen erwartet.

Gewinner an der Wall Street waren IBM   sowie die Aktien der Chiphersteller Intel   und Novellus Systems  . Intel hat auf Grund steigender Nachfrage eine Erhöhung der Preise für seine Flash-Memory-Chips Anfang 2003 um 20 bis 40 Prozent bekannt gegeben. Die Preiserhöhung sei die Folge einer hohen Nachfrage nach Speicherchips in Mobiltelefonen, insbesondere von Geräten mit. Auch Telefontitel waren stark nachgefragt, darunter SBC Communications  , Verizon Communications und Bell South  .

An der Nasdaq zogen Halbleiterwerte an, nachdem der Chiphersteller National Semiconductor für das zweite Quartal die Umsatzziele als erreichbar eingeschätzt hatte. Das Unternehmen geht davon aus, dass im zweiten Jahresviertel rund fünf Prozent weniger umgesetzt wird als im ersten, was der Aktie ein Plus von 4,4 Prozent auf 19,64 Dollar brachte.

Allianz und Siemens im Blick

Dax kämpft mit 3300 Punkten

Nach einem zunächst freundlichen Wochenstart kämpft der Dax nun mit der Marke von 3300 Punkten. Eine weitere Erholung hängt auch von den Konjunkturdaten in dieser Woche ab. "Die Leute wurden wieder etwas vorsichtiger - es könnte sein, dass der ifo-Geschäftsklimaindex am Dienstag wegen der Auswirkungen der Steuerdiskussion enttäuscht", hieß es.

Marktteilnehmer sprachen von einer noch nicht endgültig entschiedenen Situation beim Dax Future. Nach wie vor sei ein Ausbruch nach oben ebenso möglich wie ein erneutes Abrutschen. Die Gefahr der Ausbildung einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation mit einem Mindestkursziel von 2.600 Stellen könne erst dann als erledigt betrachtet werden, wenn die Marke von 3.460 Punkten überwunden sei.

Finanztitel wieder gefragt

Anleger sind gespannt, ob die deutschen Finanztitel heute auch bei einem erwartet schwachen Ifo-Index ihre Gewinne vom Vortag verteidigen. Bis auf die Deutsche Bank   tendierten die Finanztitel gut behauptet. Der Verkauf eines Anteils von Credit Lyonnais an BNP Paribas   durch den französischen Staat beflügelte die Spekulationen über eine Neuordnung des Bankenwesens in Frankreich.

HypoVereinsbank   legten um 0,5 Prozent auf 15,77 Euro zu, Allianz   verteuerten sich um 0,8 Prozent auf 114,05 Euro. Der Preis, den BNP Paribas gezahlt habe, zeige, dass Commerzbank   und HypoVereinsbank derzeit unterbewertet seien, sagte ein Händler. Zudem ist die Commerzbank an Credit Lyonnais beteiligt.

EU öffnet Strom- und Gasmarkt

Die Versorger Eon   und RWE   hatten gestern deutliche Verluste hinnehmen müssen. Credit Suisse First Boston (CSFB) rechnet bei beiden Unternehmen mit weiteren Abschreibungen im vierten Quartal. Allerdings hat die französische Regierung gestern ihre Blockade gegen eine Öffnung des europäischen Energiemarktes aufgegeben – davon könnten Eon und RWE langfristig profitieren.

Die Chrysler Group will ab Anfang 2004 den "Jeep Liberty" in den USA mit einem Turbo-Dieselmotor mit 2,8 Liter Hubraum anbieten. Dies hat Dieter Zetsche, der Chef der Chrysler Group, am Montag auf einem DaimlerChrysler-Innovations -Forum in New York angekündigt. Die US-Tochter von DaimlerChrysler hat sich allerdings zunächst einmal ein sehr bescheidenes Diesel-Verkaufsziel gesetzt. Chrysler will im ersten Jahr nur 5.000 "Liberty"-Geländewagen mit Dieselmotor unterbringen.

Nikkei schwach, Euro deutlich unter Parität

Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte verlor in Folge von Gewinnmitnahmen 120,45 Punkte oder 1,4 Prozent und ging beim Stand von 8823,99 Punkten aus dem Markt.

Der breit angelegte Topix gab 10,39 Punkte oder 1,2 Prozent ab und endete bei 864,00 Zählern. Der Euro notierte leichter mit 0,9922-25 Dollar nach 0,9946-49 Dollar am Vortag zur gleichen Zeit.