Börsenausblick Wenig Anlass zur Hoffnung
Frankfurt am Main - Ohne überragende neue Unternehmensnachrichten werden die deutschen Aktienmärkte zu Wochenbeginn eine Verschnaufpause einlegen. Nach den deutlichen Kursaufschlägen am Donnerstag und Freitag vergangener Woche sollte es auch nicht überraschen, wenn die Indizes am Montag nachgeben.
Erfreulich stimmte in der vergangenen Woche vor allem, dass sich die deutschen Börsen von den eher unentschlossen tendierenden amerikanischen Aktienmärkten sogar abkoppeln konnten. Doch die Erfahrung lehrt, dass dies eher der Ausnahmefall ist und in der Vergangenheit die Investoren dann zumeist die Kursgewinne der vorangegangenen Handelstage eingestrichen hatten.
Die Ergebnisflut in den Vereinigten Staaten ebbt ab. Angesichts der schwachen Konjunkturdaten und der zahlreichen Warnungen sowie schlechten Unternehmensnachrichten etwa von Hewlett Packard, Compaq und nicht zuletzt JDS Uniphase hatten sich die US-Aktienmärkte allerdings gut gehalten.
Am Freitag ging der Dow Jones 0,37 Prozent schwächer aus dem Handel auf 10.417 Punkte. Die Technologiebörse Nasdaq kletterte geringfügig um 0,30 Prozent auf 2029 Punkte und konnte damit die psychologisch wichtige Marke von 2000 Zählern verteidigen. Auch in den USA stehen am Montag keine Termine von überragender Bedeutung an.
Nach Ansicht der DG-Bank besteht für die Investoren in Deutschland derzeit wenig Bedarf für ein Engagement. Charttechnicker sehen den Dax derzeit auch nicht in bester Verfassung. Wichtig sei, dass der Index die Unterstützungslinie bei etwa 5600 Punkten nicht unterschreite. Die nächste Unterstützung sehen die Experten bei 5400 Zählern.
Die GZ-Bank geht von einer anhaltenden Nervosität der Märkte aus. Zugleich sorgten die Ferien in vielen Bundesländern für eine Sommerflaute an den Aktienmärkten, die einer Stabilisierung der Kurse zuwider laufe. Trotz einer technischen Gegenreaktion von Technologietiteln im Dax sei die Flaute in dem Sektor noch nicht ausgestanden. Die Bankgesellschaft Berlin rechnet damit, dass die Börse auch in nächster Zukunft noch mit Konjunktur- und Ertragsenttäuschungen fertig werden müsse. Sie sehen die Aktienmärkte eher in einer Seitwärtsbewegung.
In Deutschland sollte es dann ab Dienstag wieder spannend werden. Halbjahreszahlen werden die Dax-Konzerne Deutsche Telekom, Metro und Fresenius Medical Care vorlegen. Am Neuen Markt kommt der Spezialmaschinenbauer Singulus Technologies mit Geschäftszahlen raus. Am Mittwoch richtet sich das Interesse der Börsianer vor allem auf die Zahlen der Deutsche Bank, T-Online und Intershop. Gespannt darf man sein, wie sich der neue Vorstandschef Werner Klatten auf der Hauptversammlung des abgewirtschafteten Medienkonzerns EM.TV schlagen wird. Klatten hatte in der vergangene Woche Thomas Haffa an der Spitze abgelöst.
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat bis kurz vor Handelsschluss stark an Boden verloren. Der Nikkeinotierte um rund zwei Prozent schwächer auf 11.563 Zähler. Damit sackte das fernöstliche Börsenbarometer unter den tiefsten Schlussstand seit 16 Jahren, den der Nikkei erst vergangene Woche verzeichnet hatte.
Tokios Börsianer zeigten sich über den erwarteten Wahlsieg der Regierungskoalition von Ministerpräsident Junichiro Koizumi bei den Oberhauswahlen am Sonntag zwar erleichtert. Aber das war es dann auch schon. Daneben drückten schlechter als erwartet ausgefallene Daten zur japanischen Industrieproduktion die ohnehin schon miese Stimmung am Markt. Wie die Regierung am Montag mitteilte, war die Produktion im Juni im vierten Monat in Folge gesunken, und zwar um 0,7 Prozent.
Im Technologiesektor standen Sony derweil weiter unter Druck. NEC legten indes zu. Auf der Sonnenseite befanden sich auch Takeda und Daiichi sowie die Versorger Tokyo Electric und Kansai Electric.