Börsenausblick Wieder Sektlaune bei MLP
Frankfurt am Main - Die Wall Street liefert für den Handelstag am Dienstag schwache Vorgaben. Zwar hatten Dax (minus 0,7 Prozent auf 4998 Zähler) und Nemax 50 (minus 1,7 Prozent auf 853 Zähler) am Pfingstmontag bereits die Abwärtsbewegung in New York nachvollzogen. Doch die Umsätze waren nach Auskunft von Händlern äußerst gering und viele Investoren überhaupt nicht am Start. So sollte ein schwacher Start der Märkte in Frankfurt heute nicht verwundern.
Die US-Aktienmärkte standen unter dem Druck von Technologieaktien, nachdem der Chefstratege der Investmentbank von Merrill Lynch, Richard Berstein, den Investoren empfohlen hatte, Techwerte zu verkaufen. Trotz der steilen Kursverluste der vergangenen Monate seien Technologiewerte im Vergleich zu den von Analysten voraus gesagten Firmengewinnen noch immer zu teuer, sagten Merrill-Lynch-Experten. Der Dow-Jones fiel um 1,2 Prozent auf 10229 Zähler. Der Nasdaq-Composite gab 2,3 Prozent auf 1701 Zähler ab.
Erholung der US-Wirtschaft verlangsamt sich
Zusätzlich drückte ein schwächer als erwarteter Index der US-Frühindikatoren die Stimmung an den Märkten. Der Index fiel im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Rückgang des Barometers um 0,1 Prozent gerechnet, nachdem dieser im März noch um 0,1 Prozent gestiegen war. Der Index sank im April erstmals seit September. "Das Signal des Indikators ist, dass die Erholung recht langsam erfolgt", sagte Volkswirt Ken Goldstein vom Conference Board. Berechnet wird der Index aus zehn verschiedenen Indikatoren. Darunter sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Baugenehmigungen, Aktienmärkte, Verbrauchervertrauen und Industrieaufträge.
Aus deutscher Sicht werden zunächst die Quartalszahlen des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP im Blickpunkt stehen. Nach den Vorwürfen der kreativen Buchführung werden Analysten und Investoren hier genau auf das Zahlenwerk schauen. Die Aktie war Pfingstmontag mit einem Kursplus von rund 16 Prozent stärkster Wert im Dax. Nach ersten Ad-hoc-Meldungen vor Handelsbeginn hat MLP im ersten Quartal 2002 das Konzernergebnis vor Steuern im Vergleich zum ersten Quartal 2001 um 32 Prozent auf 24,5 (18,6) Millionen Euro erhöht. Ein Plus von 32 Prozent verzeichnete der Konzern den Angaben zufolge auch beim Quartalsüberschuss. Dieser beläuft sich auf 15,0 (11,3) Millionen Euro. Der Finanzdienstleister bestätigte zudem seine Gesamtjahresprognose des Konzernergebnisses von rund 195 Mllionen Euro. Dies wäre in Plus von 30 Prozent. Der Energiekonzern Eon will seine Mehrheit an dem Spezialchemieunternehmen Degussa an den Essener Bergbaukonzern RAG abgeben und im Gegenzug deren Anteil an der Ruhrgas AG. manager-magazin.de hatte bereits in der vergangenen Woche exklusiv über den bevorstehenden Ringtausch berichtet.
Eon teilte am späten Montagabend mit, der Konzern erwerbe von der RAG für rund 1,9 Milliarden Euro eine Beteiligung von 18,4 Prozent an der Ruhrgas, was gemeinsam mit den bereits vereinbarten Anteilserwerben zu einer Mehrheitsübernahme der Ruhrgas führe. Im Gegenzug übernehme die RAG in zwei Stufen die Mehrheit an dem Spezialchemie-Unternehmen Degussa.
Am Neuen Markt dürfte der Chipbroker ACG bei der Präsentation seiner Zahlen zum ersten Quartal heute Umsatz- und Ergebnisrückgänge vermelden. Aus Unternehmenskreisen war jedoch zu hören, der Markt werde nicht negativ überrascht sein. Für den Umsatz rechnen von vwd befragte Analysten im Schnitt mit einem Minus von 28,4 Prozent auf 75,7 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen dürfte auf minus 0,7 Millionen Euro sinken, nach plus 3,9 Millionen Euro im Vorjahr. Die Konsensschätzung für den Nettoverlust lautet auf 2,8 (1,4) Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie wird im Schnitt auf minus 0,18 (minus 0,10) Euro geschätzt.
ACG-Vorstandsvorsitzender Cornelius Boersch hatte Anfang April noch von einem Geschäftsergebnis im ersten Quartal über den eigenen Erwartungen gesprochen. Begünstigt worden sei die positive Entwicklung von einer Erholung im Halbleiterbereich und einer Belebung im Smart-Card-Sektor.
Die asiatische Leitbörse in Tokio notiert kurz vor Handelsschluss leichter. Der Nikkei gab rund ein halbes Prozent auf 11.794 Zähler ab.