Börsenausblick Zeichen stehen auf Erholung
Frankfurt am Main - Die Chancen für eine kräftige Gegenreaktion an den deutschen Aktienmärkten stehen für den Donnerstag nicht schlecht. Die Wall Street hat im späten Handelsgeschäft eine Bilderbuch-Kehrtwende hingelegt und schloss deutlich im Plus. Zu Handelsschluss in Deutschland hatten Dow Jones (plus 0,5 Prozent auf 9054 Zähler) und Nasdaq Composite (plus 1,7 Prozent auf 1380 Punkte) noch im roten Bereich notiert. Sperrfeuer mit schlechten Nachrichten ist heute aus den USA auch nicht zu erwarten. Die US-Aktienmärkte bleiben wegen des Nationalfeiertages geschlossen.
Nach einem negativen Start hatten die US-Börsen am Mittwoch bis zum Abend wieder in die Pluszone gedreht. Anfänglich hatte noch die Umsatzwarnung des Mikroprozessorenherstellers AMD belastet. Dass der Chiphersteller innerhalb von zwei Wochen zwei Mal die Prognosen senkte, löste allerdings weniger Panik aus, als zuvor erwartet wurde. Chipwerte an der Wall Street stiegen im Durchschnitt sogar um sechs Prozent.
Die anfänglich nur wenig beachteten aktuellen Konjunkturdaten seien von den Anlegern doch noch positiv bewertet worden, sagten Händler Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung waren stärker gesunken als von Volkswirten erwartet.
Vor allem Aktien des Chipherstellers Intel waren unter den Technologietiteln gefragt. Sie kletterten bis zum Schlussgong um mehr als sieben Prozent. AMD konnten ihre Verluste zum Handelsschluss auf rund vier Prozent verringern. Spitzenreiter im Dow Jones waren jedoch die Titel der US-Baumarktkette Home Depot , die um mehr als neun Prozent kletterten.
Medientitel, die am Vortag teils ganz oben unter den Verlierern waren, erholten sich. Autowerte gerieten dagegen nach der Veröffentlichung von Absatzzahlen unter Druck: General Motors reduzierten ihre Verluste bis zum Abend allerdings auf 0,7 Prozent. Zwar konnte der größte Autobauer der Welt sein Verkaufsergebnis im Juni steigern. In den ersten sechs Monaten ging der Fahrzeug-Absatz allerdings um 2,3 Prozent auf 2,41 Millionen Stück zurück.
Unter den Schwergewichten der Technologieriege legten Computerhersteller Apple um mehr als drei Prozent zu. Microsoft stiegen um zwei und Cisco Systems um rund ein Prozent. Aktien des Softwareherstellers Oracle rückten gar um mehr als zehn Prozent vor und Yahoo erholten sich um mehr als sieben Prozent.
Der deutliche Kursanstieg an der Nasdaq dürfte heute in Frankfurt vor allem Technologiewerten einen guten Handelsstart verschaffen. Daneben dürften heute zunächst die Aktien des Energiekonzerns Eon im Mittelpunkt des Handels stehen.
Eon will von ExxonMobil, Shell und Preussag deren Ruhrgas-Anteile von zusammen 40 Prozent übernehmen und damit Ruhrgas vollständig in seinen Besitz bringen. Mit den drei Firmen seien Vereinbarungen für den Erwerb für zusammen 4,1 Milliarden Euro getroffen worden, teilte Eon am späten Mittwochabend mit. Der Energiekonzern plant bereits den Kauf von 60 Prozent der Ruhrgas-Anteile, die von den Firmen Gelsenberg und Bergemann gehalten werden. Das Bundeskartellamt hat dies aber untersagt.
Eon beantragte daraufhin beim Bundeswirtschaftsministerium eine Ministererlaubnis, mit der das Veto des Kartellamts überstimmt werden könnte. Die Entscheidung wird in den kommenden Tagen erwartet. Eon will mit der Übernahme der Ruhrgas zu einem der größten Gasunternehmen Europas aufsteigen.
Schicksal von Babcock hängt am seidenen Faden
Ohne Ergebnis ist das Krisengespräch in zur Rettung des von der Pleite bedrohten Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig am Mittwochnacht zu Ende gegangen. "Das Unternehmen hängt am seidenen Faden", sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement. Trotz Bürgschafts-Zusagen des Bundes und des Landes hätten die Banken offenbar zu wenig Vertrauen in eine mögliche Sanierung des Konzerns.
Nach Beratungen in ihren Gremien würden sich die Banken am Donnerstagnachmittag endgültig zu einer möglichen Rettung äußern. Zur Frage, ob es erneut ein Krisengespräch gebe, wollte Clement nichts sagen. Sollten die Banken am Donnerstag keine Kreditzusagen machen, müsse Babcock Insolvenz beantragen, erklärte der Regierungschef.
Die massive Aufwertung des Euro verschafft der Europäischen Zentralbank (EZB) was eine Leitzinsanhebung angeht einen zeitlichen Puffer. Trotz deutlicher Ausweitung der Geldmenge in der Eurozone dämpfen die hohen Wechselkurse zum Dollar die Importpreise für Erdöl- und Mineralölprodukte. Damit wird die Inflationsgefahr in den zwölf Ländern der Währungsunion im Zaum gehalten. EZB-Präsident Wim Duisenberg kann somit länger am niedrigen Zinsniveau festhalten. Der EZB-Rat, der über die Leitzinsen im Euroraum entscheidet, tagt an diesem Donnerstag. Volkswirte rechnen einhellig damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag ihren wichtigsten Leitzins bei 3,25 Prozent belässt.
Die asiatische Leitbörse in Tokio notierte am Donnerstag kurz vor Handelsschluss deutlich leichter. Der Nikkei gab 1,4 Prozent auf 10.660 Punkte ab. Händler in Tokio begründete die Abwärtstendenz unter anderem mit Gewinnmitnahmen nach der Kursrallye am Vortag.
Kurs des Euro gefallen
Der Kurs des Euro ist am Donnerstagmorgen etwas gefallen und notierte unter der Marke von 0,98 US-Dollar. Um 8.20 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung in Frankfurt 0,9775 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch bei 0,9780 (Dienstag: 0,9838) US-Dollar festgesetzt. Vor dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) hätten die Marktteilnehmer eine abwartende Haltung eingenommen, sagte ein Händler in Tokio.
Der Kurs des Euro befinde sich zur Zeit in einer Konsolidierungsphase in der er in den nächsten Tagen bis auf 0,9600 Dollar fallen könne, sagte der Händler. Danach dürfte er jedoch wieder die Parität zum Dollar in Angriff nehmen.