Börsenausblick Zittern im Dax, Blick auf die Fed
Frankfurt am Main - Schwindende Hoffnungen auf eine Zinssenkung und der Insolvenzantrag der Fluggesellschaft US Airways sowie die Angst vor weitern Insolvenzen haben die Wall Street am Montag belastet. Immerhin: Im späten Geschäft konnte der Dow Jones seine Verluste auf 0,7 Prozent oder 8688 Punkte reduzieren. Der Nasdaq Composite schaffte sogar mit 0,1 Prozent den Sprung in die Pluszone, Endstand: 1306 Punkte.
Die Mehrheit der Analysten erwartet derweil keine Rücknahme der Zinsen an diesem Dienstag. Nach einer gestern veröffentlichten Umfrage des Forschungsinstituts National Association for Business Economics (NABE) zufolge werde die US-Wirtschaft aller Voraussicht nach nicht in eine erneute Rezession abrutschen und brauche daher auch keine neue Zinssenkung. Die Notenbank wird ihre Entscheidung kurz nach Börsenschluss in Deutschland bekannt geben.
Aktien der Fluggesellschaften fielen nach dem Konkursantrag der US Airways und Anlegersorgen über mögliche weitere Insolvenzanträge in der nach den Terrorangriffen vom 11. September hochverschuldeten Branche. US Airways fielen im nachbörslichen Handel um 76 Prozent auf 0,60 Dollar. Die Titel von Delta Airlines gaben rund vier Prozent nach. Auch UAL, die Holding der Fluglinie United Airlines, geriet unter Verkaufsdruck. Der zweitgrößte Carrier gilt als nächster Konkurskandidat. UAL fielen 27 Prozent.
An der Technologiebörse Nasdaq belastete nach Händlerangaben die Senkung eines Kursziels für die Aktien des führenden Zulieferers der Halbleiterindustrie, Applied Materials, auch andere Titel der Branche. Prudential Securities hatte das zwölfmonatige Kursziel für die Aktien des Unternehmens auf 21 von zuvor 27 Dollar gesenkt.
MAN überrascht mit guten Zahlen
Aus deutscher Sichte überraschte MAN vor Handelbeginn die Analysten. Der Konzern wies für das zweite Quartal einen Vorsteuergewinn von 112 Millionen Euro aus. Experten hatten lediglich mit einem Vorsteuergewinn von 64 Millionen Euro gerechnet.
Was wird aus Degussa?
Der Spezialchemiekonzern Degussa wird nach Einschätzung von Analysten heute für das zweite Quartal 2002 einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Kerngeschäft zwischen 246 Millionen und 288 Millionen Euro ausweisen. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte das Düsseldorfer Unternehmen ein Ebit von 287 Millionen Euro erwirtschaftet.
Seit geraumer Zeit schon steckt der Düsseldorfer Spezialchemiekonzern in einem tiefgreifenden Fusions- und Restrukturierungsprozess. Kaum dass das Ende dieses weiten Weges absehbar war, wurde das immerhin im Dax notierte Unternehmen zum Tauschobjekt im Ruhrgas-Deal von Eon und RAG. Nachdem sich dieses Geschäft zur Hängepartie vor Gericht entwickelt hat, ist die Ungewissheit über die Zukunft von Degussa größer denn je. Vor diesem Hintergrund rücken die Quartalszahlen, die das Unternehmen heute veröffentlicht, in den Augen zahlreicher Beobachter eher in den Hintergrund.
Eine erste Vorentscheidung in der Frage, ob die Degussa nach der Übernahme durch die Essener RAG AG im Dax notiert bleibt, ist möglicherweise bereits am Montag gefallen: Der Großteil des bisher im Streubesitz befindlichen Aktienkapitals geht in den Besitz RAG über, der Free Float beträgt danach nur noch rund sieben Prozent. Ob die Deutsche Börse dies zum Anlass nimmt, Degussa aus dem Index der Top-30 herauszunehmen, ist nach Einschätzung von Analysten ungewiss, da Eon auch ihre restlichen 46,5 Prozent abstoßen will.
Ergebnis von Beiersdorf dürfte schrumpfen
Aus der zweiten Reihe werden unter anderem die Geschäftszahlen des Kosmetikkonzerns Beiersdorf erwartet. Beiersdorf dürfte nach Ansicht von Analysten im ersten Halbjahr an Dynamik verloren haben. Nach zweistelligen Wachstumsraten in 2001 sollte die Konsumflaute auch bei dem Hamburger Hersteller von Nivea, 8x4 und tesa ihre Spuren in der Bilanz hinterlassen haben. Beiersdorf zählt indes genauso wie Altana als möglicher Aufstiegskandidat für den Dax30.
Neuer Markt: GPC kann Verluste kaum reduzieren
Am Neuen Markt werden heute unter anderem die Geschäftszahlen von GPC Biotech , CE Consumer , Rhein Biotech sowie Mühlbauer Holding erwartet.
GPC erwirtschaftete ersten Ad-hoc-Meldungen am Morgen zufolge im ersten Halbjahr ein Umsatzplus von 78 Prozent auf 10,2 Millionen Euro. Wenig Veränderung gab es dagegen beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Das Ebit wies im ersten Halbjahr einen Verlust von 15,1 Millionen Euro aus. Im Vorjahreszeitraum betrug der Verlust 16,1 Millionen Euro.
Euro knapp unter 98 Cent
Der Kurs des Euro hat am Dienstagmorgen knapp unter der Marke von 98 US-Cent notiert. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 7.50 Uhr 0,9786 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag bei 0,9780 (Freitag: 0,9729) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0225 (1,0279) Euro.
Vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank Fed am Abend gegen 20.15 Uhr hielten sich die Marktteilnehmer zurück, sagten Händler. Die Umsätze seien sehr gering. Die Mehrheit der Volkswirte erwartet bei der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses zwar keine Leitzinssenkung. Der wichtigste Leitzins beträgt derzeit 1,75 Prozent und befindet sich damit bereits auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren. "Die Marktteilnehmer sind aber neugierig, ob der Offenmarktausschuss eine Neueinschätzung der geldpolitischen Ausrichtung vornimmt", sagte Takashi Fujieda, Devisen-Manager bei Mizuho Asset Trust Bank.
Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Montag mit Verlusten. Der Nikkei gab 0,4 Prozent auf 9707 Zähler ab.