Börsenausblick Zittern vor den Zahlen
Frankfurt am Main - Für Zurückhaltung der Investoren sprechen unter anderem zahlreiche in dieser Woche anstehende Quartalszahlen von Unternehmen im Dax und am Neuen Markt. Zugleich dürften Gewinnmitnahmen nicht überraschen, hatten die Standardwerte in der vergangenen Woche doch im Schnitt mehr als sieben Prozent zugelegt. Bei den Wachstumswerten im Nemax 50 waren es mehr als sechs Prozent.
Sollte der Dax allerdings nachhaltig die Marke von 5000 Zählern überschreiten können, stünden Fondsmanager Gewehr bei Fuß um erneut einzusteigen, erklären Optimisten. Dann sei auch mit weiteren Kursaufschlägen zu rechnen. Die Experten von Helaba Trust hingegen zeigen sich pessimistisch. Sie rechnen für diese Woche mit einer Abwärtsbewegung auf bis zu 4500 Punkten.
Die Entwicklung im Dax wird auch stark davon abhängen, wie die Unternehmenszahlen ausfallen. Gleich elf der Dax30-Konzerne werden ihr Bilanzwerk vorlegen. Nach Meinung von HSBC Trinkaus & Burkhardt stehen den Anlegern dabei auch Negativüberraschungen ins Haus.
Mit gemischten Gefühlen sieht die Finanzwelt den Quartalszahlen von Degussa entgegen. Erst am 30. Oktober hatte der Spezialchemiekonzern eine Gewinnwarnung für 2001 abgegeben und die Ziele deutlich nach unten korrigiert. Nach der Fusion von Degussa-Hüls und SKW Trostberg steckt das Unternehmen außerdem noch mitten in einem groß angelegten Restrukturierungsprozess, der zu hohen außerordentlichen Kosten und Erträgen führt. So stehen den Veräußerungsgewinnen zahlreicher Sparten Kosten für Stellenabbau und Standortschließungen gegenüber.
Henkel spricht Gewinnwarnung aus
Henkel hat seine Erwartungen für das Geschäftsjahr 2001 deutlich nach unten revidiert. Wie das Unternehmen am Montag vor Handelsbeginn bei der Vorlage des Neunmonatsberichts mitteilte, wird jetzt mit einem Rückgang des betrieblichen Ergebnisses (Ebit) um etwa fünf bis sieben Prozent gerechnet, der Jahresüberschuss und das Ergebnis je Aktie sollen "leicht unter Vorjahr" liegen. Im August hatte das Unternehmen noch ein Ergebnis auf Vorjahresniveau oder darüber in Aussicht gestellt.
Der Zahleneigen setzen am Dienstag BASF und Infineon fort. Am Mittwoch folgen Lufthansa , Bayer , Allianz und Siemens mit ihren Resultaten. Für den Donnerstag haben Eon und Linde Ergebnisse angekündigt.
Am Neuen Markt dürfte zunächst MobilCom im Fokus der Anleger stehen. Bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal wird die spannende Frage sein, ob die operative Wende im zweiten Quartal behauptet wurde. Denn im Vorquartal hatte der Konzern ein Ebitda von 3,66 Millionen Euro ausgewiesen nach noch minus 34,8 Millionen Euro in den ersten drei Monaten. Mobilcom-Chef Gerhard Schmid hatte erklärt, dass für das dritte und vierte Quartal von einem weiter steigenden Ebitda auszugehen sei. In diesen Tenor stimmen Analysten aber nicht unbedingt ein. Die Schätzungen reichen von einer Zustimmung zu Schmids Prognose bis hin zu einem wieder deutlichen Absinken in die roten Zahlen.
Das Biotechnologieunternehmen GPC Biotech hat nach Meinung von Analysten in den ersten neun Monaten 2001 seine Verluste zwar etwas verringert, jedoch gleichzeitig wahrscheinlich einen Umsatzrückgang eingefahren. Analysten rechnen mit einem Verlust im Berichtszeitraum zwischen 23,42 und 21,26 Millionen Euro, nach 27,5 Millionen Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Nach einem Umsatz von 9,2 Millionen Euro in den ersten neun Monaten des Vorjahres gehen professionelle Branchenbeobachter von 7,59 bis 9,60 Millionen Euro aus. Das Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) dürfte sich nach minus 29,10 Millionen Euro nun in einem Zielkorridor von minus 26,87 und minus 24,69 Millionen Euro bewegen.
Im dritten Quartal hat das Unternehmen den Analysten-Schätzungen zufolge einen Umsatz zwischen 1,83 und 3,8 (Vorjahreszeitraum: 2,12) und einen Verlust von 9,46 bis 7,25 (Vorjahreszeitraum: minus 5,42) Millionen Euro verbucht.
Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Montag deutlich schwächer. Der Nikkei gab verlor 134 Punkte oder 1,3 Prozent auf 10.081 Zähler.