Börsenbeben Finanzkrise drückt Dax ins Minus
Frankfurt am Main - Es dauerte nur ein paar Minuten, da war der Dax schon um rund 1,14 Prozent abgestürzt - nicht einmal zwei Stunden später waren es schon fast minus 1,7 Prozent. MDax und TecDax sackten ebenfalls ab. Der trockene Kommentar von Robert Halver, Kapitalmarktexperte von der Baader Bank: "'The Day After' - es wird Aufräumarbeiten an der Börse mit unklarer Tendenz geben."
Händler in Frankfurt: Wie der Tag ausgehen wird, ist vollkommen unklar - nervös schauen die Anleger auf die Entwicklung in den USA
Foto: DDPDementsprechend schlecht ist die Stimmung auch an der deutschen Börse. Am härtesten trifft es die Finanztitel - vor allem die Commerzbank . Ihr Aktienkurs rutschte am Morgen um mehr als acht Prozent ab. "Das Timing der teuren Übernahme der Dresdner Bank ist schon extrem ungünstig", sagte ein Börsianer mit Blick auf den Zukauf Anfang September. Dessen Finanzierung und die ohnehin bestehenden Risiken aus der Finanzkrise ergäben eine "explosive Mischung". Doch auch die Deutsche Bank verlor über drei Prozent an Wert. Postbank-Papiere fielen um fast fünf Prozent.
Versicherer standen wegen der Sorgen um AIG ebenfalls weiter unter Druck: Aktien von Allianz sackten um über drei Prozent ab. Börsianer setzen unterdessen auf eine Erholung bei den Aktien von AIG, die am Vorabend in New York fast 61 Prozent verloren hatten.
Auch die übrigen Börsen in Europa gerieten zum Handelsauftakt in den Strudel der Krise. Der Leitindex FTSE 100 der Londoner Börse sackte um 1,5 Prozent ab. Der Pariser Index CAC 40 gab ebenfalls stark nach. Zuvor waren bereits die Aktienkurse in Asien dramatisch abgestürzt. Der 225 Werte umfassende Nikkei schloss in Tokio fünf Prozent im Minus bei 11.609 Zählern und damit auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2005. Der breiter gefasste Topix verlor 5,1 Prozent auf 1117 Punkte. Die Börse in Korea fiel um mehr als sechs Prozent auf den niedrigsten Schlussstand seit 18 Monaten. Hongkong notierte ebenfalls fast sechs Prozent im Minus, die Börse in Shanghai ging um mehr als vier Prozent zurück. Der Aktienmarkt in Taiwan verlor 4,9 Prozent.
Wie der Handelstag verlaufen wird, ist noch vollkommen unabsehbar. Die Europäische Zentralbank (EZB) will dem Geldmarkt am heutigen Dienstag erneut zusätzliche Liquidität zur Verfügung stellen. Sie werde einen eintägigen Schnelltender auflegen, teilte die Notenbank mit. Die Höhe des Zuteilungsvolumens ließ sie offen, der Mindestbietungssatz betrage 4,25 Prozent. Bereits am Montag hatte die EZB 30 Milliarden Euro in den Markt gepumpt. Auch andere Notenbanken stellten mehr Liquidität zur Verfügung.
Der britische Finanzminister Alistair Darling richtete derweil einen dramatischen Appell an Regierungen, Zentralbanken und Aufsichtsbehörden weltweit. Man müsse gemeinsam handeln - nur so könnten die Finanzsysteme stabilisiert werden, sagte Darling am Dienstag der BBC. "Das ist ganz eindeutig eine sehr schwierige Zeit."
Im Laufe des Börsentages wird nun die weitere Entwicklung in den USA das Börsengeschehen bestimmen. Vor allem die Frage, wie der taumelnde US-Versicherer AIG gerettet werden kann, beschäftigt die Anleger. Doch auch die anstehenden ZEW-Konjunkturerwartungen werden Beachtung finden. Wenn die Börse in Frankfurt schon wieder geschlossen hat, steht zudem eine weitere Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed an.
ase/dpa-AFX/Reuters