Börsenblick Händler im Verkaufsrausch
Frankfurt am Main - Der Dax baute bis 13 Uhr seine Verluste auf 2,2 Prozent aus und fiel auf 4826 Zähler. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 bei 1068 Punkten, ein Minus von 2,1 Prozent. Seit die US-Futures erneut ins Minus gedreht sind, hat eine neue Verkaufswelle eingesetzt. Zu den größten Verlierern gehörten am Mittag SAP, Bayer , HypoVereinsbank , Siemens und Allianz mit Verlusten von jeweils mehr als drei Prozent.
Zu den wenigen Gewinnern zählten die Aktien der Deutschen Post . Grund sind nach Händlerangaben Presseberichte, nach denen die Post möglicherweise mit großen Umstrukturierungen Kosten sparen will. Die Tageszeitung "Die Welt" hatte in ihrer Mittwochausgabe berichtet, dass der Vorstand der Deutschen Post auf einer Führungskräfte-Tagung am vorigen Wochenende in Berlin ein Integrationsprogramm mit dem Namen "Star" bekannt gegeben habe. Offiziell soll es dabei um die stärkere Ausnutzung von Synergien im Konzern gehen.
Erneut Schwäche bei Infineon
Infineon-Aktien haben ihre Gewinne wieder abgeben müssen und rutschten um 2,5 Prozent ins Minus. Der Titel hatte im frühen Handel zunächst von anhaltenden Gerüchten um eine mögliche Zusammenarbeit mit dem südkoreanischen Wettbewerber Hynix profitiert. Allerdings sei noch nicht entschieden, ob Hynix mit Infineon oder einem anderen Wettbewerber kooperieren werde, sagte ein Händler.
Die Quartalszahlen von Cisco , die im Laufe des Tages bekannt gegeben werden, spielen nach Ansicht des Händlers eine geringere Rolle. Der im Jahresvergleich voraussichtlich deutlich niedrigere Quartalsgewinn des US-Netzwerkausrüsters werde bereits erwartet. Interessanter sei der Ausblick, der dann für die gesamte Technologiebranche von Bedeutung sei.
Gewinnwarnung bei DaimlerChrysler?
Die Aktien des Automobilkonzerns DaimlerChrysler bauten vor Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen für 2001 ihre Verluste deutlich aus und fielen zeitweise unter 44 Euro. "Die Anleger sind skeptisch, ob der Konzern seine Gewinnprognose halten kann" sagte ein Händler. Als Begründung nannte er den sich wahrscheinlich rückläufig entwickelnden US-Markt.
Lufthansa-Aktien verzeichneten mit minus 1,5 Prozent auf 16,64 Euro Verluste. Die Fluglinie rechnet noch mit einer längeren Flaute bei den Passagierzahlen. "Bis wir das Niveau der Zeit vor dem 11. September erreichen, dürften noch mindestens eineinhalb Jahre vergehen", sagte Lufthansa-Bereichsvorstand Ralf Teckentrup dem Anlegermagazin "Die Telebörse". Für großen Optimismus sei es aber zu früh.
ProSieben erholt sich nach den Zahlen
Die Aktien der im MDax notierten ProSiebenSat.1 stiegen am Mittwoch zeitweise wieder zweistellig. Marktbeobachter erklärten die Kursgewinne mit den besser als erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen. Der Ergebnisrückgang sei mit einem Minus von 27 Prozent weniger dramatisch als befürchtet ausgefallen, sagte ein Analyst. Analysten hatten mit einem Minus von rund 45 Prozent gerechnet. Der Umsatz habe den Erwartungen entsprochen. Auch der positive Ausblick des italienischen Medienkonzerns Mediaset habe die Aktie beflügelt. Ein Frankfurter Händler verwies auf die deutlichen Kursabschläge vom Vortag. "Der Titel erholt sich nun."
Neuer Markt: Schwache Nasdaq drückt die Stimmung
Die schlechten Vorgaben aus New York haben Händlern zufolge den Nemax ins Minus gedrückt. "Es gibt noch nichts, was den Index zum Drehen bewegen könnte", sagte ein Händler. Positive Nachrichten seien bislang noch nicht in Sicht. "Verhalten positiv" äußerte sich dagegen ein anderer Marktbeobachter: "Ich glaube, dass wir positive Aufschwünge deutlicher mit den USA mitmachen als negative."
Zocker spielen mit Carrier1
Zu den wenigen Werten, die sich in einem schwachen Marktumfeld behaupten konnten, zählten die Biotechnologie-Unternehmen Lion Bioscience und Evotec . Lion Bioscience hatte am Morgen Zahlen im Rahmen der Erwartungen vorgelegt. Der Zockerwert Carrier1 legte nach dem Kurseinbruch der Vortage am Mittwoch wieder zweistellig zu.
Nach dem Übernahmeangebot für den Internet-Stellenanbieter Jobpilot hat die Aktie Fahrtrichtung nach oben genommen: Mit 5,20 Euro kostete das Papier rund 4,4 Prozent mehr als am Vortag. Das Angebot sei bei den Anlegern gut angekommen, sagte ein Händler. Verwundert zeigte er sich allerdings über die Kursentwicklung der im Nemax 50 notierten Jobpilot-Mutter United Internet , die ihre Anteile an die Schweizer Adecco veräußern will. Der Titel zog um 5,5 Prozent auf 5,80 Euro an. "Eigentlich müsste das mehr sein", sagte der Händler. Jedoch habe das Papier bereits in der vergangenen Woche zugelegt und war seit Montag wieder gefallen. Der Verkauf sei möglicherweise bereits eingepreist, vermutete der Händler. "Da dürfte schon im Vorfeld was gelaufen sein."
Wall Street erneut schwächer erwartet
In den USA war der Dow Jones am Dienstag auf 9685 Punkte gefallen, ein Minus von 0,02 Prozent. Die Nasdaq gab 0,9 Prozent auf 1838 Zähler nach. Die Kurserosion beschleunigte sich, nachdem sich Tom Daschle, der Fraktionsführer der Demokraten im Senat, ablehnend zum fiskalpolitischen Ankurbelungsprogramm von US-Präsidenten George W. Bush geäußert hat. Zweieinhalb Stunden vor Handelsbeginn deuten die Futures für Nasdaq und S&P Index erneut eine schwächere Eröffnung an.
Nikkei auf 18-Jahres-Tief
Die Aktienbörse in Tokio hat unterdessen ihre dramatische Talfahrt am Mittwoch fortgesetzt. Der breit angelegte Topix fiel um 3,76 Punkte oder 0,4 Prozent und schloss mit 922 Punkten auf einem 17-Jahres-Tief. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab um 54,75 Punkte oder 0,6 Prozent nach und ging mit 9420 Punkten beim tiefsten Stand seit 18 Jahren aus dem Markt.
Euro-Kurs leicht gesunken
Der Euro-Kurs hat am Mittwoch leicht nachgegeben. Gegen 13.30 Uhr kostete die Devise in Frankfurt 0,8679 Dollar.