Börsenblick: Rückenwind von der Wall Street - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenblick Rückenwind von der Wall Street

Positive US-Konjunkturdaten schieben die Aktienmärkte in New York nach einer schwachen Eröffnung an. Deutsche Aktien bauen ihre Verluste ab oder drehen ins Plus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Die US-Aktienbörsen sind am Mittwoch nach Gewinnwarnungen des Telekomausrüsters Nortel und des Pharmakonzerns Eli Lilly zunächst schwächer in den Handel gestartet, zogen aber nach positiven Konjunkturdaten leicht an.

Nach Angaben von Larry Wachtel von Prudential Securities waren seit dem Handelsschluss am Dienstag insgesamt 16 Gewinnwarnungen für das jüngste Quartal bekannt geworden. "Das ist hier das Problem," sagte Wachtel. Der Markt versuche, einen Boden zu finden, werde aber immer wieder von schlechten Nachrichten getroffen.

Verantwortlich für die etwas freundlichere Tendenz an den US-Börsen, die auch die deutschen Aktien anziehen ließ, war nach Angaben von Marktbeobachtern ein besser als erwartet ausgefallener Einkaufsmanagerindex für das Dienstleistungsgewerbe. Der Index verbesserte sich von 45,5 auf über 50. Analysten hatten ein Abfallen des Barometers auf 44 erwartet. Der Dow Jones verlor bis 16.34 Uhr noch 0,1 Prozent auf 8939 Zähler. Der Nasdaq Composite tendierte 0,5 Prozent fester auf 1494 Punkte.

Die deutschen Aktienmärkte bauten ihre Verluste ab. Der Dax reduzierte sein Minus auf 0,8 Prozent bei 4279 Punkte. Der Nemax 50 stand noch mit 0,3 Prozent auf 783 Zähler im Minus. Händler sprachen am Tag der Deutschen Einheit allerdings eher von "Zufallskursen bei sehr geringen Umsätzen". Daher könnten bereits geringe Order größere Kursschwankungen auslösen. Die gestrige Zinssenkung der US-Notenbank Fed um 0,5 Prozentpunkte sei wie erwartet ausgefallen und bereits im Vorfeld eingepreist gewesen.

Zu den Gewinnern im Dax zählten die Titel des Bauelementeherstellers Epcos   mit einem Aufschlag von zuletzt 2,68 Prozent auf 34,50 Euro. Dagegen setzten die Papiere des Halbleiterherstellers Infineon   ihre Talfahrt fort und verloren 5,22 Prozent auf 11,99 Euro. Noch schwächer waren Siemens   , die 5,85 Prozent auf 38,98 Euro nachgaben.

Schlechte Nachrichten aus Übersee belasteten die beiden Titel: Der kanadische Telekom-Ausrüster Nortel Networks rechnet für das dritte Quartal mit einem Nettoverlust von 3,6 Milliarden US-Dollar. Der japanische Siemens-Partner Fujitsu und der Technologiekonzern NEC haben einen zeitweisen Produktionsstop bei mehreren Halbleiterfabriken beschlossen. Zudem hat Credit Suisse First Boston davor gewarnt, dass die Siemens-Aktie noch weiter auf Kurse um die 30 Euro fallen könnte.

Zu den Gewinnern gehörten am Nachmittag auch die Titel des Berliner Pharma-Konzerns Schering   , die um 2,49 Prozent auf 58,88 Euro stiegen. Die Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney hatte das Papier nach dem Verkauf seines 24-prozentigen CropScience-Anteils an Bayer von "Neutral" auf "Outperform" heraufgestuft.

BMW   konnten ihr Minus auf 2,60 Prozent bei 28,80 Euro reduzieren. DaimlerChrysler   drehten mit 1,17 Prozent auf 35,50 Euro ins Plus. Volkswagen   notierten in etwa auf ihrem Vortagesniveau bei 38 Euro.

Ford, Mercedes-Benz USA und die zur DaimlerChrysler AG zählenden Chrysler Group sowie General Motors (GM) verzeichneten im September in den USA einen sinkenden Absatz an Fahrzeugen. "Auch wenn die US-Absatzzahlen nicht so schlimm wie befürchtet ausgefallen waren, ziehen solche Nachrichten die Autotitel in den Keller", sagte ein Händler. Schließlich sei der US-Markt für die deutschen Automobilbauer "unwahrscheinlich wichtig".

Banktitel, die am Dienstag noch zu den größten Kursgewinnern zählten, tendierten leichter. Deutsche Bank   verloren 2,87 Prozent auf 57,26 Euro. Händlern zufolge hat Merrill Lynch das Kursziel für den Finanztitel von 96 auf 68 gesenkt. Die Aktien der Deutsche Bank sind am Mittwoch in New York mit einem Kurs von 52,70 Dollar gestartet. Die größte europäische Bank erschien damit erstmals auf dem Kurszettel der wichtigsten Börse der Welt. Sie ist die 15. Deutsche Aktiengesellschaft, die an der Wall Street notiert wird.

Auch Commerzbank   und die Aktien der HypoVereinsbank   gehörten mit Verlusten von jeweils rund drei Prozent zu den Verlierern im Dax. Alle drei Bankentitel dürften sich nach Meinung der Analysten von Morgan Stanley auch in Zukunft schwach entwickeln.

Neuer Markt charttechnisch weiter angeschlagen

Nach einem unentschlossenen Start hatte der Neue Markt im Feiertagshandel schnell ins Minus gedreht. Zum Tag der Deutschen Einheit sei fast nichts los, sagte Aktienhändlerin Antje Liermann von M.M. Warburg. Die Umsätze seien "unspektakulär". Einige Titel seien bis Mittag noch gar nicht gehandelt worden. Auch die Zinssenkung der US-Notenbank konnte dem Markt keinen Impuls verleihen.

Darüber hinaus schaue nun alle Welt darauf, was die USA als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September unternehme. Deshalb sei "mehr Psychologie im Markt als Fundamentales". Charttechnisch sei der Neue Markt nach wie vor im Abwärtstrend. Falls es aber wirklich zu einer Gegenbewegung komme, habe er Potenzial bis auf 800 Punkte.

Carrier 1   standen im Nemax 50 mit Kursaufschlägen von zuletzt noch rund neun Prozent auf 0,82 Euro ganz oben in der Gewinnerliste. Der Anbieter von Lösungen für 'end-to-end'-Internet, Sprach- und Bandbreiten-Dienste wird die Zahl seiner Beschäftigten um etwa 35 Prozent reduzieren. Personalabbau werde an der Börse gern gesehen, sagte Antje Liermann, Händlerin bei M.M. Warburg. Ein Abbau um 35 Prozent sei eher "ein Tropfen auf den heißen Stein" - aber ein notwendiger Schritt, ergänzte sie.

Die Aktien der Chipbroker ACG   (plus 2,48 Prozent auf 3,30 Euro) und ce Consumer   (plus 2,47 Prozent auf 4,15 Euro), die gestern zu den größten Verlierern im Nemax 50 gehörten konnten am Mittwoch ein wenig Boden gut machen.

Gewinnmitnahmen drückten die Titel von MorphoSys   und MediGene   , die jeweils rund neun Prozent nachgaben und zu den schwächsten Werten im Nemax 50 gehörten. Morhphosys hatten am Dienstag mehr als 28 Prozent zugelegt. Medigene waren um 48 Prozent in die Höhe geschnellt.