Börsendebüt Praktiker startet im Plus
Kirkel - Mit 14,90 Europ startete die Aktie heute in den Handel. Damit lagen die Papiere 2,8 Prozent über dem Ausgabepreis von 14,50 Euro. 34,5 Millionen Aktien wurden insgesamt platziert, von denen 26,5 Millionen aus dem Besitz der Praktiker-Mutter Metro stammen. Aus der Kapitalerhöhung von acht Millionen Papieren flössen Praktiker Bruttoemissionserlöse in Höhe von rund 116 Millionen Euro zu, erklärte das Unternehmen gestern. Der Erlös liege bei rund 500 Millionen Euro.
Dabei schien der Börsengang letzte Woche noch gründlich schief zu gehen. "Zu teuer", hatten vor allem deutsche Fondsmanager über die Praktiker-Aktien genörgelt. Die meisten Privatanleger hatten sofort abgewunken. In letzter Minute musste Praktiker daher vergangene Woche den eigentlich für Freitag geplanten Börsengang verschieben. Die Preisspanne wurde von 16 bis 19 auf 14 bis 15 Euro gesenkt. Doch dann lief das Geschäft. "Das Orderbuch füllt sich rasch", freute sich ein Metro-Sprecher Ende vergangener Woche. Die Transaktion sei überzeichnet, hieß es aus informierten Kreisen.
Mit der Kapitalspritze aus dem Börsengang will Praktiker vor allem in Osteuropa wachsen. Denn in Rumänien, Griechenland, der Türkei, Ungarn und Bulgarien brummt das Geschäft. Schon im nächsten Jahr will Praktiker die ersten Filialen in der Ukraine eröffnen, vielleicht soll es sogar bald Märkte in Russland geben.
Allerdings ist das boomende Osteuropa-Geschäft vor allem dem "begrenzten Wettbewerb" auf den Märkten zu verdanken, den Praktiker selbst im Börsenprospekt eingesteht. Diese Situation könnte sich schnell ändern, mit entsprechenden Folgen für Umsatz und Gewinn. In Deutschland ist der Markt schon lange übersättigt. Branchengrößen wie Obi und Hornbach buhlen in einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb um Heimwerker und Häuslebauer. Fachleute schätzen, dass hierzulande 30 Prozent der Verkaufsfläche zu viel sind.
Angesichts dieser und anderer Unwägbarkeiten hielten gerade deutsche Fondsmanager Praktiker im Vergleich zu anderen Heimwerker-Größen wie Hornbach oder der britischen Kingfisher für überbewertet. Bei einem ursprünglichen Preis zwischen 16 und 19 Euro wäre Deutschlands zweitgrößte Baumarktkette 928 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro wert gewesen. Selbst einige Emissionsbanken fanden das zu teuer.
Dass der Preis ehrgeizig war, wusste offenbar auch Metro. Der Düsseldorfer Handelsriese sah sich schon vor zwei Wochen gezwungen, das Angebot von ursprünglich 75 Prozent der Praktiker-Aktien auf knapp 60 Prozent zu reduzieren. Damit der Börsengang nicht zum Flop geriet, musste Praktiker dann letzte Woche erneut reagieren und beim Preis für die Papiere kräftigen Rabatt geben. Jetzt stehen die Chancen besser, dass der Start erfolgreich gerät.
Die schlechten Erinnerungen an die Jahre 1995 bis 2002, als Praktiker schon einmal börsennotiert war, sind bei vielen Investoren zwar sicher noch frisch. Doch seitdem hat Metro seine Heimwerkertochter durch radikale Filialschließung, Personalabbau und ein verkleinertes Sortiment erfolgreich aus den roten Zahlen geführt. Im vergangenen Jahr erzielte Praktiker mit 335 Märkten in acht Ländern einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 17.144 Mitarbeiter. Der Metro-Konzern bleibt auch künftig mit einem Anteil von 40,5 Prozent größter Aktionär.