Börsenflop der Bahn Verbände fordern Mehdorns Rücktritt
Berlin - "So wie Mehdorn sich zuletzt benommen hat, stärkt es meine Glaubwürdigkeit in Gerüchte, nach denen Mehdorns Ablösung bevorsteht", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Union-Bundestagsfraktion, Dirk Fischer, der "Berliner Zeitung". "Der gesamte Verkehrsausschuss des Bundestages ist stinksauer auf den Bahnchef." Trotzdem begrüßte Fischer die Absage des Börsengangs. "Das wäre eine Crash-Veranstaltung geworden. Die Bahn ist wirtschaftlich noch nicht reif für die Börse."
Bahn-Aufsichtsratschef Michael Frenzel hatte gestern erklärt, dass eine Börsennotierung vor der Sommerpause 2006 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht realistisch sei. Ein neuer Termin werde gemeinsam mit dem Bund als Eigentümer ins Auge gefasst. Mehdorn sollte am Vormittag dem Verkehrsausschuss deshalb in einer Sondersitzung Fragen zu der vorläufigen Absage beantworten. Er wird jedoch nicht erscheinen. An der Sitzung sollte urspünglich auch Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) teilnehmen. Er wird durch seinen Staatssekretär Ralf Nagel vertreten.
Verkehrsverbände forderten unterdessen, auch die geplanten Preiserhöhungen der Bahn zum Jahresende zu stoppen. "Die Spirale nach unten, dass die Bahn wegen fehlender Fahrgäste die Preise erhöht, um kurzfristig die Erlöse zu steigern, was dann wieder Kunden vergrault, muss aufgehalten werden", sagte Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn, Hartmut Buyken, der "Financial Times Deutschland". Die Absage des Börsengangs könne für Fahrgäste und Steuerzahler nur von Vorteil sein.
Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte der Zeitung zufolge, das Scheitern von Mehdorns Börsenplänen für eine Kurskorrektur der Bahn zu nutzen. Dazu gehöre auch, dass sich der Bund nicht länger aus der Verantwortung für den Erhalt und den Ausbau des Schienennetzes zurückziehen dürfe. Beide Verbände legten Mehdorn zudem den Rücktritt nahe. "Das ist eine Frage, die sich die Politik jetzt stellen muss", so Pro-Bahn-Sprecher Buyken.
Mehdorn selbst machte allerdings deutlich, dass er unabhängig davon das Unternehmen weiter führen und kapitalmarktfähig machen wolle. In Regierungskreisen hieß es, man sehe Mehdorn durch die Absage an den Börsengang-Termin 2006 nicht beschädigt.