Börsengänge Chinesen wollen die Wall Street erobern
New York - Der Anbieter von Geschäfts- und Unterhaltungsinformationen per Mobilfunk hat "erst" 270 Millionen Kunden und startet als erster das Aktiengeschäft an der US-Börse. Das Handy-Portal Tom Online wagt in der nächsten Woche den Sprung auf das Börsenparkett. Der Chip-Hersteller Semiconductor Manufacturing International folgt in der zweiten Märzhälfte.
Die Wall Street kann nach Einschätzung von Kevin Haroff, der für die Anwaltskanzlei Squire, Sanders & Dempsey Börsengänge chinesischer Unternehmen verfolgt, auf hohe Renditen bei gesunkenen Risiken hoffen. "Die chinesische Regierung setzt ihre Bemühungen fort, das aufsichtsbehördliche, finanzielle und Handelsumfeld transparenter zu gestalten", sagte Haroof. "Das hat einen direkten und positiven Effekt auf die Risiken für Geschäfte in diesem Land."
Linktone: Riesiger Handy-Markt bietet Chancen
Mit Linktone wagt das erste Technologieunternehmen seit dem IPO des Online-Reiseanbieters Ctrip.com im Dezember den Sprung an die Börse. Der Konzern will mehr als sechs Millionen Aktien zum Preis von 10 bis 12 Dollar am Markt platzieren und damit rund 73 Millionen Dollar in die Kassen bringen. Konsortialführer sind die Banken Credit Suisse First Boston, JP Morgan, Piper Jaffray und CLSA Asia-Pacific Markets.
Mit dem Verkauf von Spielen und diversen SMS-Angeboten für Handynutzer erzielte Linktone im vergangenen Jahr einen Überschuss von 3,6 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 16,6 Millionen Dollar. Ihre Dienstleistungen bietet die Firma für insgesamt 5,6 Millionen Kunden von China Mobil, China Unicom und weiteren Providern an.
Der chinesische Handymarkt gilt als äußerst lukrativ und wachstumsstark. Zwar zählen die Mobilfunkanbieter bereits rund 270 Millionen Kunden. Doch im bevölkerungsreichsten Land der Welt nutzt damit nur jeder fünfte Einwohner ein Handy. Das sei die niedrigste Marktdurchdringung in ganz Asien, wie aus dem Schreiben von Linktone an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht.
Tom Online bringt Werbung aufs Display
Auch die in Peking beheimatete Firma Tom Online setzt auf den boomenden Mobilfunkmarkt. Der Konzern macht Geschäfte mit Produkten, Dienstleistungen und Online-Werbung, die von seinem Internetportal auf Handys übertragen werden. Tom Online will 11,25 Millionen American Depositary Shares (ADS) zum Preis von 13,56 bis 15,56 Dollar anbieten.
Die Preisfestsetzung ist für diesen Freitag geplant, die Erstnotiz an der Nasdaq unter dem Kürzel "TOMO." in der kommenden Woche. ADS sind von US-amerikanischen Banken ausgegebene Hinterlegungsscheine nichtamerikanischer Aktien und werden an einer US-Börse stellvertretend für eine Aktie gehandelt.
SMIC will 1,4 Milliarden Dollar einsammeln
Semiconductor Manufacturing International (SMIC) bietet bei ihrem Börsengang sogar mehr als 86 Millionen ADS an. Die Preisspanne beträgt 15,50 bis 17,50 Dollar je Aktie. Das Shanghaier Unternehmen rechnet mit Einnahmen von etwa 1,4 Milliarden Dollar aus dem Börsengang, den CS First Boston federführend begleitet. Der Handel an der New York Stock Exchange soll am 17. März unter dem Kürzel "SMI." beginnen.