Börsengänge: Premiere macht den Märkten Hoffnung - DER SPIEGEL
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Börsengänge Premiere macht den Märkten Hoffnung

Der einzige deutsche Pay-TV-Kanal Premiere legte am Mittwoch ein erfolgreiches Börsendebüt hin. Während Aktionärsvertreter vor den Risiken des Papiers warnen, hoffen die Märkte auf Impulse für weitere Börsengänge im laufenden Jahr.
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Frankfurt am Main/München - Die Premiere-Aktie stieß auf reges Interesse bei den Anlegern und war nach Angaben des Unternehmens mehr als zwölffach überzeichnet. Der erste Kurs lag bei 30,50 Euro und damit deutlich über dem Ausgabepreis von 28,00 Euro. Der mit Abstand größte Börsengang in der deutschen Mediengeschichte hatte damit ein Volumen von knapp 1,2 Milliarden Euro.

"Wir haben alle gesteckten Ziele erreicht", sagte Vorstandschef Georg Kofler. Dem Unternehmen selbst fließen aus einer Kapitalerhöhung netto mindestens 308 Millionen Euro zu. Der Rest geht an die Altaktionäre, darunter auch Kofler selbst.

Der entsprechend enthusiastisch gestimmte Vorstandschef posierte traditionsgemäß vor dem Bullen der Frankfurter Börse, dem Symbol für steigende Kurse. Für Premiere prognostizierte Kofler weiteres Wachstum: "Das deutsche Pay-TV ist noch in einer frühen Entwicklungsphase." Der Umsatz solle 2005 von 985 Millionen Euro auf mehr als eine Milliarde Euro klettern.

Rund 30 Prozent der Premiere-Aktien wurden Privatanlegern zugeteilt. Der Streubesitz nach dem Börsengang liegt bei 51,3 Prozent. Er sei daher zuversichtlich, dass Premiere bald in den Börsenindex MDax   aufgenommen werde, sagte Kofler. Unter anderem hatte der Finanzinvestor Permira Anteile abgegeben und damit einen Teil seines Gewinns realisiert. Kofler selbst verringerte seinen Anteil auf 13,9 Prozent. Sein Aktienpaket ist an der Börse nun rund 320 Millionen Euro wert.

Das Abo-TV war einst vom Medienunternehmer Leo Kirch gegründet worden. Die hohen Verluste im Bezahlfernsehen waren schließlich einer der Hauptgründe für den Zusammenbruch des Kirch-Imperiums. Unter Koflers Führung machte das Unternehmen eine schmerzhafte Sanierung durch. 2004 verbuchte Premiere operativ erstmals Gewinne, die Zahl der Abonnenten kletterte über die Marke von drei Millionen.

Aktionärsschützer warnen

Aktionärsschützer warnen trotz dieser Erfolg und trotz des geglückten Börsengangs vor Euphorie. "Die Premiere-Aktie ist nach wie vor ein Risikopapier", sagte Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), der Nachrichtenagentur dpa. Der Sender habe seine Profitabilität noch nicht unter Beweis gestellt.

Beim Börsengang habe dem Unternehmen der hohe Bekanntheitsgrad geholfen, über den andere Börsenkandidaten nicht verfügen. Die Neuemission werde trotzdem einen positiven Einfluss auf Nachahmer haben, sagte der Aktionärsschützer.

Hoffnung für weitere Neuemissionen

Das ist auch nötig, denn die Neuemissionen gestalten sich derzeit schwierig. In diesem Jahr hat zuletzt der Biotechnik-Spezialist Paion den Börsengang erfolgreich hinter sich gebracht, allerdings erst nach einer deutlichen Absenkung der Preisspanne. Zudem war das Volumen deutlich kleiner als bei Premiere.

Im vergangenen Jahr waren mehrere Börsengänge in letzter Minute abgesagt worden, darunter zum Beispiel der des Halbleiter-Zulieferers Siltronic. Auch der erfolgreiche Börsengang der Postbank, bei dem die Post einen Emissionserlös von mehr als 1,5 Milliarden Euro erzielte, konnte die Flaute am Parkett nicht beleben. Zu den wenigen positiven Beispielen zählte 2004 noch der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf, der 377 Millionen Euro einsammelte.

"Der Börsengang von Premiere ist sicherlich ein sehr großer Erfolg", sagte Heino Ruland, Marktanalyst beim Brokerhaus Steubing. "Man sieht, dass der Markt durchaus aufnahmefähig für Börsengänge ist. Das ist ein wichtiges Signal für die Erholung des Marktes für Neuemissionen."

Premiere braucht den Fußball

Für Premiere gilt es jetzt den Popularitätsschwung zu nutzen. Große Hoffnungen setze der Pay-TV-Kanal auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Alle 64 Spiele würden live in hoch auflösender Qualität (HDTV) übertragen. Bereits im November sollen drei eigene Kanäle für die neue Technik an den Start gehen. "Es wird über lange Zeit nur einen Anbieter für HDTV-Kanäle in Deutschland geben: Premiere", betonte Kofler.

Mit dem Erlös aus dem Börsengang will Kofler zunächst einmal die Gläubiger bedienen. Die Verschuldung soll von 370 Millionen auf unter 100 Millionen Euro gesenkt werden. Mit Blick auf den Nettoverlust von gut 80 Millionen Euro im vergangenen Jahr sagte Kofler: "Dies wird besser werden." Konkrete Prognosen wollte er nicht abgeben.

Entscheidend wird für Premiere nun sein, erneut den Zuschlag für die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga zu erhalten. "Sollten die Rechte für die Fußball-Bundesliga mit Beginn der Spielzeit 2006/07 für drei Jahre zu vernünftigen Preisen wieder an Premiere vergeben werden, dann hat das Unternehmen gute Chancen, ein nachhaltiges Gewinnwachstum auszuweisen", prognostizieren Marktkenner.