Börsengänge: Wer hat Angst vorm Neuen Markt? - DER SPIEGEL
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Börsengänge Wer hat Angst vorm Neuen Markt?

Noch vor kurzem wollte jede junge Firma ein Wachstumswert sein. Jetzt nicht mehr: Seit Montag haben bereits sieben Unternehmen ihren Börsengang verschoben oder ganz abgesagt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Talfahrt der vergangenen Tage hat vielen Börsenaspiranten die Lust am Going Public verdorben. Seit Montag haben sich sechs Unternehmen noch kurz vor dem Start eines anderen besonnen und ihren Ausflug an den Neuen Markt fürs Erste verschoben - zu groß ist die Gefahr, dass sich die Aktien angesichts der Anlegerflucht schnell in Altpapier verwandeln. Dem Softwareunternehmen proALPHA Software aus Weilerbach verhagelte der Verlustreigen an der Börse derart die Stimmung, dass man den für den 27. November geplanten Ausflug an den Neuen Markt am Donnerstag sogar ganz absagte.

Bereits am Montag hatte der Technikvermarkter Atlantik Networxx aus Martinsried einen Rückzieher gemacht. Der Grund: "die aktuell schwierige und speziell für Technologiewerte in den letzten Tagen stark negative Marktverfassung". "Ein Börsengang macht in dieser Phase wirtschaftlich keinen Sinn", erkannte der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsaktionär Ottmar Flach. In den nächsten Wochen, wenn das Kapitalmarktklima vielleicht weniger rau ist, will er sein Glück noch einmal versuchen. Am Klima störte sich auch der britische Anbieter für Datenübertragungssysteme Xyratex, der am ersten Dezember an den Neuen Markt wollte. Nun ist der Börsengang bis auf weiteres auf Eis gelegt.

Am Dienstag folgte die Roche Prüfdienste aus Lübeck, die vor allem die Standfestigkeit von Beleuchtungsmasten testet. Der nächste Versuch soll im ersten Halbjahr 2000 gemacht werden. Mittwoch sprangen gleich drei Kandidaten vom fahrenden Zug: Sowohl UBCOM aus Lübeck als auch Royalty Pharma aus Schaffhausen verzichteten vorerst ohne Angabe neuer Termine auf den Gang an den Neuen Markt und schlossen sich der Klage über das "ungünstige Umfeld" an. Die beste Begründung für das verschobene Going Public lieferte aber dtms aus Mainz: Zur Finanzierung des weiteren Wachstums im Kerngeschäft Service-Telefonie, so Vorstandssprecher Jörg Kühnapfel, sei man nicht auf Mittel aus dem Börsengang angewiesen.