Börsengang Desaster für Iberia
Madrid - Trotz eines äußerst niedrigen Ausgabepreises von 1,19 Euro fielen die Aktien des vor 74 Jahren gegründeten Unternehmens nach Handelsbeginn zeitweise um bis zu 6,0 Prozent. Der Kurs erholte sich im Laufe des Tages zwar, lag aber am Nachmittag mit 1,16 Euro immer noch 2,5 Prozent unter dem Emissionspreis. Analysten machten für den schlechten Start unter anderem die derzeitigen Turbulenzen der Branche in Europa verantwortlich und erinnerten an die Kursverluste bei Swissair. Mit dem Börsengang ging Iberia ganz in private Hände über.
Experten hatten wiederholt vor einem Börsengang zum jetzigen Zeitpunkt gewarnt. Iberia-Präsident Xabier de Irala sprach dennoch von einem historischen Tag in der spanischen Luftfahrt. Der niedrige Ausgabepreis mache in Zukunft kräftige Kursgewinne für die
Investoren möglich. Noch vor sieben Jahren habe die Fluggesellschaft am Rande des Bankrotts gestanden, nun sei Iberia ein völlig saniertes Unternehmen. Der Staat erzielte mit dem Verkauf seines restlichen Iberia-Aktienpakets von 53,9 Prozent einen Erlös von 585 Millionen Euro, der bereits weit hinter den Erwartungen lag.
Angesichts des stark geschrumpften Börsenwerts von Iberia droht jetzt ein Konflikt mit den spanischen Großaktionären, die 30 Prozent des Kapitals halten. Diese hatten Ende 1999 noch 2,99 Euro pro Aktie bezahlt. British Airways (Anteil: 9,0 Prozent) und American Airlines (1,0 Prozent) hatten sich vertraglich einen Ausgleich gesichert, der nun bei rund 162 Millionen Euro liegt. Die Forderung der spanischen Großaktionäre, darunter die Großbank BBVA und die Sparkasse Caja Madrid, lehnte die Staatsholding SEPI aber ab. Nun soll ein Schlichter eingeschaltet werden.
Wegen der schwachen Nachfrage nach Iberia-Aktien hatte der Staat auf Druck der Investmentbanken den Ausgabepreis im Vergleich zur veröffentlichten Preisspanne bereits um bis zu 45 Prozent gesenkt. Zwei Drittel der 472 Millionen offerierten Aktien gingen an Kleinanleger, der Rest an institutionelle Investoren in Spanien und im Ausland. Auch nach der völligen Privatisierung wird der Staat für fünf Jahre über eine "goldene Aktie" und damit über ein Vetorecht bei Iberia verfügen. Damit soll nach Meinung von Analysten verhindert werden, dass das Unternehmen unter die Kontrolle von British Airways fällt.
Iberia kontrolliert in Spanien 70 Prozent des inländischen Flugverkehrs und ist Marktführer auf den Routen zwischen Europa und Lateinamerika. Das Unternehmen hat 224 Flugzeuge und beschäftigt 29.000 Mitarbeiter. Der Börsengang war schon seit Jahren geplant, aber immer wieder wegen der schlechten Konjunkturlage und Pilotenstreiks verschoben worden.