Börsengang: Fonds eröffnen Preispoker mit Premiere - DER SPIEGEL
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Börsengang Fonds eröffnen Preispoker mit Premiere

Gestern noch konnte Premiere-Chef Georg Kofler bei der Pressekonferenz zum geplanten Börsengang von den fantastischen Zukunftsaussichten seines Unternehmens schwärmen. Jetzt beginnt das profane Geschacher um den genauen Ausgabepreis für die Aktie - die Fondsgesellschaft DWS etwa kündigt "harte Verhandlungen" an.
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Frankfurt am Main - Wie ein DWS-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa sagte, geht die Fonds-Tochter der Deutschen Bank davon aus, das der Ausgabepreis am unteren Ende der Preisspanne liegen muss. Diese liegt zwischen 24 und 28 Euro, wie Kofler am Dienstag bekannt gab.

Die DWS begründet ihre Forderung damit, dass Premiere gerade ein Jahr operative Gewinne geschrieben habe. Beim Börsengang müssten Anleger darauf vertrauen, dass die Zukunft des Unternehmens noch besser aussieht. "Deswegen ist die Risikoprämie, die wir erwarten relativ hoch", sagte der Sprecher.

Grundsätzlich begrüße die DWS den Börsengang aber. "Damit wird der Kurszettel um ein interessantes Unternehmen bereichert." Premiere bietet im Rahmen seines Börsengangs bis zu 42,1 Millionen Aktien an, das Emissionsvolumen liegt bei bis zu 1,179 Milliarden Euro. Investoren können die Aktien bis zum 8. März zeichnen, die Erstnotiz ist für den 9. März geplant.

Vorbörslicher Handel lebhaft

Auch Union Investment hat die Preisspanne beim Premiere-Börsengang als sehr hoch bezeichnet. "Die Preisspanne ist ambitioniert, weil das Unternehmen unter Berücksichtigung aller Kosten noch keinen Gewinn macht", sagte ein Sprecher. "Wir haben uns noch kein abschließendes Bild von dem Unternehmen gemacht." Das Management bezeichnete er indessen als "gut".

Nach eigenen Angaben macht Premiere "im operativen Geschäft deutlich schwarze Zahlen". Für den Verlust unter dem Strich macht das Unternehmen Zinsaufwendungen verantwortlich, die sich im vergangenen Jahr auf netto 72,4 Millionen Euro beliefen.

Bisher sieht die Orderlage für Premiere-Aktien nach Angaben aus Finanzkreisen zum Start der Zeichnungsphase insgesamt sehr gut aus. Das Düsseldorfer Wertpapierhaus Lang & Schwarz stellt das Papier im Handel per Erscheinen aktuell bei 26,25 zu 26,50 Euro. Insofern dürfte es der DWS und anderen Fonds nach derzeitiger Lage schwer fallen, ihre Preisvorstellungen durchzusetzen. Die Emissionsbanken erwarten angesichts der noch laufenden Roadshow, dass es noch zu weiteren Nachfrageschüben kommt.

DSW warnt

"Wir erwarten einen lebhaften Handel", sagte ein Analyst. Premiere habe den Vorteil, dass der Name bekannt sei. Auch das Unternehmen selbst zeigte sich in der Vorvermarktungsphase mit dem Interesse an den Papieren zufrieden. "Die Tendenz ist ausgesprochen ermutigend. Wir verzeichnen großes Interesse, sowohl von den internationalen Anlegern, als auch von den deutschen Anlegern", sagte Premiere-Chef Georg Kofler zu dpa.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) warnte Privatanleger allerdings vor der Zeichnung. "Wer als Privatanleger Premiere-Aktien zeichnet, geht damit ein relativ hohes Risiko ein", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker der "Berliner Zeitung". "Unsere Anforderung an Firmen, die an die Börse gehen, ist normalerweise, dass sie zumindest seit drei Jahren einen positiven Cash Flow ausweisen. Das ist bei Premiere nicht gegeben."