Börsengewitter Schlimmster Tag im Dow seit Mai 2003
New York - Vor allem der stark gestiegene Ölpreis belastetete nach Aussage von Händlern das Sentiment. Der März-Kontrakt auf Rohöl der Sorte Light Sweet Crude legte an der Rohstoffbörse Nymex um 2,80 Dollar auf 51,15 Dollar pro Barrel zu und markierte damit den höchsten Stand in diesem Jahr. Auslöser waren erneute Ängste um eine Versorgungsknappheit in Kombination mit den anhaltend frostigen Temperaturen in Europa und Nordamerika, hieß es.
Zudem hätte der unerwartet starke Anstieg der US-Erzeugerpreise Januar vom Freitag noch nachgewirkt, so ein Beobachter. Damit wurden bei Anlegern Inflationsängste geschürt und neue Befürchtungen geweckt, dass die US-Notenbank bei ihren Zinserhöhungen aggressiver vorgehen könnte.
Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte fiel um 1,6 Prozent, also 174 Punkte, auf 10611 und schloss damit fast auf Tagestief. Es war nach Punkten das größte Minus im Index seit dem 19. Mai 2003. Der S&P 500 rutschte sich um 1,5 Prozent beziehungsweise 17 Zähler auf 1184. Der Nasdaq-Composite fiel um 1,4 Prozent - 28 Zähler - auf 2030.
Nur Verizon legt zu
Auch die schwache Entwicklung des Dollar hat den Markt am Berichtstag belastet. Der Greenback hat zu Euro, Yen und Schweizer Franken deutlich an Boden verloren. Hintergrund dieser Entwicklung ist laut Beobachtern, dass die Notenbank Südkoreas ihre Währungsreserven verstärkt in andere Devisen als den Dollar umschichten will. Kaum Impulse gingen dagegen nach Aussage von Händlern von der Bekanntgabe des US-Verbrauchervertrauens des Conference Boards aus. Die Daten seien insgesamt im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Positiv sei anzumerken, dass die Daten aus dem Vormonat nach oben korrigiert worden seien. Negativ war dagegen, dass die Erwartungskomponente des Index zurückgekommen sei. Unter dem Strich ergab sich ein neutrales Bild, hieß es.
Bei den Einzelwerten stand Home Depot im Blickpunkt - der Konzern hatte als letztes im Dow Jones gelistetes Unternehmen Ergebnisse vorgelegt. Die Baumarktkette hat ihre Absicht bekräftigt, das Ergebnis je Aktie im laufenden Geschäftsjahr 2005/2006 um 10 bis 14 Prozent zu steigern. Der Umsatz soll um neun bis zwölf Prozent zulegen. Die Gewinn- und Umsatzzahlen des Unternehmens deckten sich mit den Prognosen der Analysten. Home-Depot-Aktien fielen sich um 4,1 Prozent auf 40,28 Dollar. Die Aktien von Merck & Co. verzeichneten mit einem Minus von 4,3 Prozent auf 31,21 Dollar den deutlichsten Abschlag im Dow. Die Anleger hätten nach den starken Aufschlägen vom Freitag Gewinne realisiert, hieß es zur Begründung.
Im Fokus standen zudem die Telekom-Konzerne MCI und Qwest Communications. Letzterer erwägt laut einem Bericht des "Wall Street Journal", für MCI ein neues Übernahmeangebot zu unterbreiten. Damit wolle Qwest die bereits vereinbarte Übernahme von MCI durch Verizon torpedieren. Verizon hatte für MCI 6,75 Milliarden Dollar geboten. Qwest-Aktien verloren 0,01 Dollar auf 3,94, während MCI um 1,5 Prozent auf 22,65 Dollar zulegte. Verizon-Papiere stiegen um 0,2 Prozent auf 35,38 Dollar und waren damit der einzige Gewinner im Dow Jones.