Börsenkater: Angst vor Rezession verdrängt Obamania - DER SPIEGEL
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Börsenkater Angst vor Rezession verdrängt Obamania

Die Obama-Euphorie - schon vorbei: Der Finanzkrisenalltag hat die globalen Aktienmärkte wieder voll erwischt. Die Börse in Frankfurt startet deutlich im Minus, die Börse in Japan brach noch drastischer ein. Auch die Hoffnung auf eine Zinssenkung am Nachmittag kann die Tristesse nicht mildern.
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Frankfurt am Main/Tokio/New York - Der deutsche Aktienmarkt hat den Handel am Donnerstag erneut im Minus begonnen. Der Leitindex Dax verlor zum Auftakt mehr als zwei Prozent. Auch MDax   und TecDax   rutschten ins Minus.

Hoffnung auf steigende Kurse sollten Anleger sich nicht machen, sagen Börsianer. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) werde dem Markt mit einer von den Experten prophezeiten Zinssenkung um 50 Basispunkte nicht zu Gewinnen verhelfen. Ein solcher Schritt sei bereits eingepreist, sagt Marktstratege Heino Ruland von FrankfurtFinanz. "Wenn die EZB einen Zinsschritt um 75 Basispunkte vornehmen sollte, was nicht auszuschließen ist, dürfte der Markt davon profitieren - aber ein Plus dürfte trotz allem heute nicht drin sein", fügte er hinzu. Andere europäische Börsen verbuchten ebenfalls Abschläge. So starteten auch der britische FTSE 100   und der französische CAC 40   mit Verlusten.

Noch Anfang der Woche hatte die Aussicht auf die Wahl des Demokraten Barack Obama für eine leichte Euphorie gesorgt. Doch nach dessen Sieg endet auch die kurze Obamania. Stattdessen treten nach Ansicht von Marktbeobachtern nun wieder die Rezessionsängste in den Vordergrund.

Zuvor hatten bereits die Börsen in Tokio sehr schwach geschlossen. Händler verwiesen auf einen gestiegenen Yen, der die Exportwerte belastet habe. Auch wachsende Sorgen über die Weltwirtschaft nach schwachen US-Daten vom Vortag drückten auf die Stimmung und beendeten die Obama-Euphorie. Der Nikkei   rutschte um 6,53 Prozent auf 8899 Zähler ab. Für den breiter gefassten Topix ging es um 5,96 Prozent auf 909,30 Punkte nach unten.

"Nachdem die US-Präsidentschaftswahl nun vorüber ist, richten sich die Augen der Anleger wieder auf die Probleme in der Wirtschaft. Und hier setzt sich langsam durch, dass es keine schnelle Lösung gibt, um eine Rezession zu verhindern", sagt Stratege Hideyuki Ishiguro von Okasan Securities. Nachdem zuletzt Schnäppchenjäger den Nikkei nach oben getrieben hätten, seien nun wieder die Bilanzen der Unternehmen ausschlaggebend für die Anlageentscheidungen.

Auch die US-Börsen haben am Tag nach der US-Präsidentenwahl massive Verluste verbucht. Angesichts schlechter Konjunkturdaten büßten die Märkte am Mittwoch weit mehr ein, als sie bei ihrem Höhenflug am Vortag gewonnen hatten. "Nun ist wieder der Alltag mit Finanzkrise und Rezession eingekehrt", sagt ein Händler auf dem New Yorker Parkett. Finanzwerte führten die Talfahrt an.

Der Dow Jones   fiel um 5,05 Prozent auf 9139 Punkte. Der S&P-500-Index stürzte um 5,27 Prozent nach unten auf 953 Punkte. Der Nasdaq Composite   verlor um 5,53 Prozent auf 1681,64 Punkte. Noch am Vortag hatte der Dow Jones über 300 Punkte oder fast 3,3 Prozent gewonnen - mehr als an jedem anderen Wahltag der vergangenen knapp 25 Jahre.

Es habe Gewinnmitnahmen gegeben, heißt es an der Wall Street. Zudem überschatteten schlechte Konjunkturdaten den Handel. Die Stimmung der Einkaufsmanager im US-Dienstleistungssektor trübte sich zuletzt stärker ein als befürchtet. Die Beschäftigung im Privatsektor sank weiter.

suc/ddp/dpa-AFX/dpa/Reuters