Börsenkrise Dax im Tiefenrausch
Frankfurt am Main Die Wall Street hat erwartungsgemäß mit Abschlägen auf die schlechten Nachrichten nach Börsenschluss eröffnet. Der Dow Jones notierte zuletzt noch mit 1,4 Prozent auf 8094 Zähler im Minus. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, gab 1,8 Prozent auf 1237 Zähler ab.
JP Morgan-Aktie stürzt ab
McDonald's hatte noch während des Handelsverlaufes eine Gewinnwarnung vorgelegt, deren Aktienkurs brach daraufhin ein. JP Morgan Chase warnte dann nach Börsenschluss vor einem deutlich niedrigeren Gewinn im dritten Geschäftsquartal gewarnt. In New York brach die Aktie zu Handelsbeginn um elf Prozent auf 19 Dollar ein.
Verantwortlich für den Gewinnrückgang sei eine um rund 1,1 Milliarden höhere Risikovorsorge. Diese sei nach Angaben der Bank wegen der zahlreichen faulen Kredite in der Telekom- und Kabelbranche notwendig. Zudem haben die Ratingagenturen S&P und Fitch ihre Einstufung der Kreditwürdigkeit der Bank herabgestuft. Zuvor hatte bereits der Online-Broker Charles Schwab bekannt gegeben, weitere 1800 Stellen zu streichen.
Auch Oracle hatte die Investoren enttäuscht. Nach Börsenschluss gab das drittgrößte Softwarehaus bekannt, dass der Nettogewinn in der am 31. August beendeten Berichtsperiode auf 342,7 Millionen Dollar oder sechs Cent je Aktie gefallen sei. Der Umsatz verringerte sich auf 2,03 Milliarden Dollar von 2,27 Milliarden Dollar im Jahr zuvor. Vor allem der schwache Ausblick belastete die Aktie.
Die Investmentbank UBS Warburg hatte schon vor Bekanntgabe der Zahlen die Gewinnprognosen für das Softwarehaus reduziert. Die Unternehmen dürften weiter nur zurückhaltend in neue Software investieren, so die Begründung. Lehman Brothers hingegen bestätigte die Aktie am Mittwoch mit dem Rating "Neutral".
Händler sagten mit Blick auf den Markt, dass die Zahl der Gewinnwarnungen vor der kommenden Berichtssaison größer sein werde als in den vorangegangenen Jahresvierteln. Dies sorgte weiterhin für Zurückhaltung.
Frankfurt kennt nur eine Farbe: Rot,rot,rot
Der Dax konnte sich von seinen Tagestiefständen nur geringfügig erholen und gab zuletzt 4,9 Prozent auf 3128 Zähler ab und blieb damit auf dem tiefsten Niveau seit Februar 1997. Charttechniker fürchten, dass das Börsenbarometer Dax nun auch die Marke von 3000 Punkten testen wird. Am Neuen Markt fiel der Nemax 50 erstmals seit Bestehen unter 400 Punkte. Investoren haben sich längst verabschiedet - dort toben sich nur noch Zocker aus.
Der Deutsche Aktienindex hat seit März dieses Jahres bereits rund 42 Prozent verloren. Damit ist das wichtigste deutsche Börsenbarometer Schlusslicht im Vergleich europäischer Indizes.
Dax 30: 318 Milliarden Euro Marktkapital vernichtet
Seit dem Jahreshoch bei 5467 Punkten Mitte März hat der Dax rund 2300 Zähler eingebüßt. Dabei verloren die 30 Dax-Werte zusammen rund 318 Milliarden Euro ihrer Marktkapitalisierung, was in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Polens entspricht.
In den vergangenen sechs Monaten hat kein europäischer Index schlechter als der Dax abgeschnitten. Während die Athener Börse seit 19. März 2002 "nur" 18 Prozent nachgab und Spitzenreiter im europäischen Vergleich ist, landet der Dax (minus 42 Prozent) hinter dem AEX-Index (Niederlande, minus 38 Prozent) und der Stockholmer Börse (minus 37 Prozent) auf dem letzten Platz.
Epcos Aktie im freien Fall
"Das Umfeld ist derzeit nicht gut", sagte ein Aktienhändler. Es bleibe die politische Unsicherheit in der Irak-Frage und die Sorge vor einem Rückfall der Konjunktur in die Rezession. Uwe Wagner, charttechnischer Analyst der Deutschen Bank , ergänzte, das Chartbild des Dax sehe mittlerweile sehr kritisch aus. "Es gibt keine sinnvollen Unterstützungslinien mehr und die Abwärtsdynamik ist beachtlich", sagte Wagner. "28 der 30 Dax-Werte sind in einem intakten Abwärtstrend." Vor dem Hintergrund des dreifachen Verfalls an der Terminbörse Eurex am Freitag sei eventuell auch die Marke von 3000 Punkten nicht mehr zu halten.
Zu den stärksten Kursverlierern in Frankfurt zählten am Mittwoch die Banken und Technolgiewerte, die jeweils von schlechten Prognosen großer US-Konzerne belastet worden. Nicht ein Wert im Dax stand im Plus.
Nach dem Gewinneinbruch und dem trüben Ausblick von Oracle stehen vor allem Technologietitel unter Druck. Der Oracle-Konkurrent SAP verlor rund fier Prozent, der Chiphersteller Infineon 4,4 Prozent. Das Papier fiel zeitweise auf ein Allzeittief von 7,75 Euro.
Noch härter traf es die Aktie des Herstellers elektronischer Bauelemente Epcos . Epcos gab zeitweise mehr als zehn Prozent nach, die Aktie fiel erstmals unter die 10-Euro-Marke. Auch Siemens musste Verluste von zuletzt noch 3,4 Prozent hinnehmen.
Finanzwerte schwach - Druck auf Versicherer hält an
Die Papiere der Deutschen Bank gaben nach der Gewinnwarnung der US-Bank JP Morgan 4,6 Prozent nach. Die Versicherer Allianz und die Münchener Rück stehen bereits seit Tagen schwer unter Druck, und die schlechten Nachrichten hielten auch am Mittwoch an. Die Swiss Life hat am Mittwoch mit ihren Halbjahreszahlen enttäuscht. Bei der Allianz mehren sich außerdem die Gerüchte um eine angeblich geplante Kapitalerhöhung.
Versicherer sind europaweit auf Talfahrt. In Paris brachen die Papiere der französischen Axa um acht Prozent ein. Der niederländische Versicherer Aegon hat am Mittwoch den Preis für die Platzierung seiner 350 Millionen neuer Aktien bekannt gegeben. Jede Inhaber-Aktie wird demnach 10,00 Euro kosten.
Neuer Markt fällt weiter Unsicherheit bei Mobilcom
MobilCom-Aktie im Rückwärtsgang
Der Nemax 50 markierte am Mittwoch mit einem Verlust von mehr als vier Prozent auf 399 Punkte ein Allzeittief. Der MobilCom-Aktie ist nach dem spektakulären Anstieg vom Wochenbeginn vorerst die Puste ausgegangen. Am Mittwoch gab die Aktie zuletzt erneut knapp sechs Prozent auf 2,77 Euro nach. Am Montag hatte sich der Aktienkurs des angeschlagenen Unternehmens nach der Zusage der Finanzspritze von 400 Millionen Euro mit einem Anstieg auf 3,26 Euro nahezu verdoppelt. Trotz der Millionenspritze des Bundes bleibt die Zukunft des schwer angeschlagenen Mobilfunkunternehmens ungewiss.
Das am Neuen Markt notierte Telekommunikationsunternehmen 3U Telecom will indessen die Festnetzaktivitäten des Mobilfunkanbieters übernehmen. Wie der Vorstandsvorsitzende Uwe Graul sagte, habe das Unternehmen MobilCom ein Angebot unterbreitet.