Börsenrallye Dax schließt fast acht Prozent im Plus
Frankfurt am Main - Pläne des designierten US-Präsidenten Barack Obama für ein massives Investitionsprogramm haben dem Dax einen Traumtag beschert. Er stieg um 7,6 Prozent auf 4715 Punkte und machte damit die Verluste der Vorwoche von sechs Prozent in einem Rutsch mehr als wett. MDax und TecDax schossen jeweils knapp fünf Prozent nach oben.
Auch der Dow Jones schoss nach Handelsbeginn sofort nach oben, zwischenzeitlich notierte er knapp unter der 9000-Punkte-Marke. Die beiden paneuropäischen Stoxx-Indizes legten sieben und fast neun Prozent zu. Zuvor hatte schon der japanische Aktienmarkt mit einem kräftigen Plus von 5,2 Prozent bei 8329 Zählern geschlossen.
Möglicherweise hätten Aussagen des künftigen US-Präsidenten Barack Obama geholfen, der angesichts die Konjunktur mit einem riesigen Investitionsprogramm wieder ankurbeln will. Mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze will er schaffen oder sichern. Obama beschrieb seinen Plan als größte Investition in die Infrastruktur seit der Schaffung des Highway-Netzes in den fünfziger Jahren.
Eine wirkliche Logik steckt aber nicht mehr hinter dem rapiden Auf und ab des Dax. Der Index verbuchte heute seinen fünfgrößten Gewinn in seiner 20-jährigen Geschichte. Bis auf den viertgrößten prozentualen Gewinn wurden alle in diesem Jahr aufgestellt. Gleichzeitig hat der Dax hat seit Jahresbeginn rund 45 Prozent verloren.
"Wir kennen hier nur noch Extreme", sagte ein Händler auf. Auch Obamas erneute Ankündigung eines Konjunkturprogramms sei nur eine mögliche Erklärung. Dieser Plan sei nicht neu. "Es hat sich nichts geändert", sagte der Börsianer.
Auch andere Händler blieben skeptisch. "Das ist übertrieben", sagte einer. Die Rezession werde so oder so kommen, sagte ein anderer. "Die Zentralbanken haben jetzt das Ihre getan, und nun schauen alle auf die Regierungen", sagte Thierry Lacraz, Aktienstratege bei Pictet in Genf. "Man wird die Rezession nicht vermeiden können, aber wenigstens haben die Anleger das Gefühl, die Verantwortlichen machen das Richtige."
Zu den größten Gewinnern zählten die Aktien von Linde mit einem Aufschlag knapp 17 Prozent. Die Titel der Allianz stiegen um über zwölf Prozent, nachdem der US-Finanzdienstleister Hartford Financial, bei dem der deutsche Versicherer jüngst mit 2,5 Milliarden US-Dollar eingestiegen ist, am Freitagnachmittag seine Prognose für 2008 angehoben hatte.
Die Titel der Deutschen Börse gewannen knapp elf Prozent. Am Wochenende waren Fusionsgespräche mit der transatlantischen Börse NYSE Euronext an die Öffentlichkeit gedrungen. Am Sonntag dann hatte die Börse die Gespräche bereits als "ohne Ergebnis beendet" bezeichnet.
Im positiven Marktumfeld legten auch die Titel der Autobauer zu: BMW gewannen über fünf Prozent, Papiere von Daimler legten um fast zehn Prozent zu. Händler verwiesen darauf, dass der US-Kongress und das Weiße Haus den ums Überleben kämpfenden amerikanischen Autoherstellern mit etwa 15 Milliarden Dollar eine Atempause bis zum Frühjahr 2009 verschaffen wollen.
Die Anzeichen für Hilfsprogramme für die angeschlagene US-Autoindustrie und die Ankündigungen zur Konjunkturstimulierung, die der designierte US-Präsident Obama am Wochenende machte, stimmten die Investoren positiv.
Euro und Ölpreis legten kräftig zu. Der Referenzkurs der Euro wurde mit 1,2854 Dollar festgesetzt nach 1,2665 Dollar am vergangenen Freitag. Der Ölpreis erholte sich aufgrund einer in Aussicht gestellten Produktionsdrosselung der OPEC von seinem Vierjahrestief. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl kostete am Montag im elektronischen Handel der New Yorker Börse zeitweise 43,26 Dollar. Am Freitag war der Kurs auf bis zu 40,50 Dollar gefallen. Ein ähnliches Preisniveau hatte es zuletzt im Dezember 2004 gegeben.