Börsenrallye: Keine Angst vorm starken Euro - DER SPIEGEL
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Börsenrallye Keine Angst vorm starken Euro

Der starke Euro scheint die Investoren nicht im Geringsten zu irritieren. Der Dax schießt auf ein neues Jahreshoch, der Nasdaq überschreitet zeitweise die magische 2000er-Marke. Selbst Export orientierte Werte wie BMW oder DaimlerChrysler profitieren von der großen Nachfrage. Ganz vorne liegt die Aktie der Deutschen Bank.
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Hamburg/Frankfurt am Main - Nichts scheint derzeit den Optimismus an der Börse bremsen zu können. Obwohl ein starker Euro bislang immer als Gift für die vom Export abhängige deutsche Wirtschaft angesehen wurde, klettert der Dax   beständig immer höher. Am Mittwoch notierte der deutsche Leitindex zum Handelsschluss auf 3875,66 Punkten, ein Plus von 1,7 Prozent - und der höchste Stand in diesem Jahr.

Gute Nachrichten auch von der Wall Street. Der Dow Jones   gewann 0,9 Prozent auf 9937 Punkte hinzu. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite   verbesserte sich ebenfalls um 0,9 Prozent und notierte zeitweise nur drei Zähler unter der magischen Marke von 2000 Punkten.

Etwas widersprüchlich ausgefallene Konjunkturdaten hatten nach Ansicht von Händlern in den USA einen noch stärkeren Kursanstieg verhindert. So sank der US-Einkaufsmanagerindex ISM für das nicht-verarbeitende Gewerbe im November deutlich. Er fiel von 64,7 Punkten im Vormonat auf 60,1 Punkte zurück, teilte das Institute for Supply Management (ISM) in Washington mit. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem leichten Rückgang auf 64,1 Punkte gerechnet.

US-Produktivität steigt um 9,4 Prozent

Dagegen stieg die Produktivität außerhalb des Agrarsektors in den USA im dritten Quartal noch stärker als in der Erstschätzung angenommen. Die Produktivität sei auf das Jahr hochgerechnet um 9,4 Prozent (Erstschätzung 8,1 Prozent) gestiegen, teilte das US-Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mit. Der Anstieg sei der höchste in den vergangenen 20 Jahren.

"Auf den ersten Blick erscheinen die Kursgewinne angesichts des starken Euro erstaunlich, aber im Markt herrscht ein starker optimistischer Unterton", sagte ein Aktienhändler. "Die Anleger wollen eine Jahresendrallye sehen und es ist genügend Liquidität im Markt."

Anleger misstrauen dem Dollar

Der Euro hatte am Mittwoch mit 1,2131 Dollar ein neues Rekordhoch markiert. Händler sprachen von einem Vertrauensverlust für die US-Währung, die auch zum Yen mit Kursen um 108,22 Yen auf niedrigem Niveau notierte.

Die Analysten der Helaba erwarten angesichts der "aktuellen Kaufwut" im Euro einen weiteren Kursanstieg der Währung auf 1,2150 Dollar. Zunächst sollte der Euro in einer Spanne von 1,2050 Dollar bis 1,2150 Dollar pendeln, wobei mögliche Interventionen der Bank of Japan den Euro wieder bis auf 1,2000 zurückstoßen könnten, schrieben die Experten am Mittwoch.

S&P hebt den Ausblick für Deutsche Bank an

An die Spitze der Gewinner im Dax setzten sich die Papiere der Deutschen Bank  . Die Titel verteuerten sich um rund fünf Prozent auf 63 Euro. Zuvor hatte die Ratingagentur S&P den Ausblick für die führende Bank in Deutschland von "Negativ" auf "Stabil" angehoben. Commerzbank   gewannen 1,86 Prozent auf 16,40 Euro hinzu. Titel der HypoVereinsbank   verteuerten sich um zwei Prozent auf runde 20 Euro.

Mehrere Marktteilnehmer verwiesen darauf, dass sie die Papiere der Deutschen Bank im Branchenvergleich zuletzt unterdurchschnittlich entwickelt hätten und ihren Rückstand nun aufholten. "Außerdem haben wir bei 60 Euro einen starken Widerstand durchbrochen. Das hat zusätzliche Käufe ausgelöst, weil Anleger, die auf fallende Kurse spekuliert hatten, sich mit den Aktien eindecken müssen."

Porsche-Zahlen kommen an der Börse gut an

Überraschend deutliche Gewinne haben die Automobilwerte eingefahren. Die Aktie von Porsche   gewann 6,26 Prozent auf 466 Euro hinzu. Der Sportwagenhersteller hatte vor Börseneröffnung seine Zahlen für die ersten vier Monate des laufenden Geschäftsjahres vorgelegt.

"Die Zahlen waren gut, der Ausblick solide", sagte ein Frankfurter Händler. Nach einem Rekordergebnis 2002/03 hat der Autobauer erneut deutlich zugelegt. Vom 1. August bis 30. November stieg der Konzernumsatz nach vorläufigen Zahlen um 46,4 Prozent. Der Konzern bestätigte zudem seine bisherige Prognose. Porsche rechnet für das Gesamtjahr weiterhin mit einem hohen Ertragsniveau.

Deutsche Autohersteller punkten in den USA

Zu den Gewinnern im Dax gehörten nach den US-Absatzzahlen vom Vorabend auch die Papiere von DaimlerChrysler   und Volkswagen  . Die amerikanische VW-Tochter lieferte im November 27,6 Prozent mehr als in der entsprechenden Vorjahreszeit. Es war das beste November-Verkaufsergebnis seit 30 Jahren.

Auch die Chrysler-Gruppe steigerte ihren US-Absatz im November im Vorjahresvergleich um drei Prozent auf 157.212 Fahrzeuge. "Die Absatzzahlen waren solide, aber nichts besonderes", sagte ein Händler für Autowerte. VW habe besonders durch Rabattaktionen die Verkaufszahlen gesteigert. DaimlerChrysler-Papiere gewannen zwei Prozent auf 32,68 Euro. VW-Aktien zogen um 3,23 Prozent auf 43,10 Euro an.