Börsenreaktionen Disney im Plus, Comcast auf Talfahrt
New York/Frankfurt am Main -"Es ist ganz offenkundig ein großes Geschäft und ziemlich überraschend", kommentierte Timothy Ghriskey, Portfolio-Manager bei Ghriskey Capital Partners, die Ankündigung von Comcast-Chef Brian L. Roberts, die Übernahme von Disney anzustreben.
Kein Wunder also, dass die Disney-Aktie schon in den ersten fünf Handelsminuten um 15,53 Prozent auf 27,82 Dollar zugelegte. Die am Mittwoch vor US-Börsenbeginn überraschend mitgeteilten Kaufpläne gaben den europäischen Aktienmärkten Auftrieb, wobei vor allem Medienwerte wie ProSiebenSat.1 Media und Vivendi Universal kräftig zulegten.
Der Kurs der Comcast-Papiere gab dagegen nach. Branchenexperten erwarteten, dass Comcast sein Angebot noch erhöhen muss, um die Zustimmung der Disney-Aktionäre zu gewinnen. Händlern zufolge wird Disney zum Auftakt der Abwehrschlacht die Vorlage seiner Quartalszahlen vorziehen.
Analysten sprachen von einer neuen Konsolidierungsphase in der Branche. Das Angebot von Comcast, das rund zehn Prozent über dem Schlusskurs von Gestern liegt, bezeichneten Analysten als dürftig. Sie gehen deshalb davon aus, dass Comcast seine Offerte noch verbessern muss. "Ich glaube nicht, dass es leicht wird für Comcast", sagte Rick Meckler von LibertyView Capital Management. Die Offerte werde aber zumindest die internen Diskussionen bei Disney zur Konzernstrategie anheizen. "Es zeigt, dass wir in eine neue Phase der Fusionen und Übernahmen eintreten", sagte Meckler.
Zum Disney-Konzern gehören die gleichnamigen Filmstudios, der Fernsehsender ABC, der Sportkanal ESPN und die Disney-Freizeitparks. Comcast zählt 21 Millionen Kabel-TV-Kunden. "Zumindest oberflächlich betrachtet sieht es so aus, als ob Comcast vor allem auf die ABC-Sparte von Disney aus ist", sagte Ghriskey.
Der deutsche Markt dürfte Experten zufolge davon aber kaum betroffen sein. "In Deutschland gibt es nicht sehr viel Möglichkeiten für Fusionen oder Übernahmen, weil der deutsche Markt relativ verschlossen ist", sagte Florian Leinauer von Helaba Trust. "Im TV-Bereich stehen sich zwei große Blöcke gegenüber, die nicht fusionieren können", ergänzte er mit Blick auf die beiden großen deutschen privaten Sendergruppen ProSiebenSat.1 und die zum Bertelsmann-Konzern gehörende RTL Group.
An der Frankfurter Börse legten die Aktien von ProSiebenSat.1 zwischenzeitlich um mehr als fünf Prozent zu, an der Börse in Paris gewannen die Titel des Medien- und Telekommunikationskonzerns Vivendi fast vier Prozent. Disney-Titel stiegen im vorbörslichen Handel um rund 17 Prozent auf 28,05 Dollar, Comcast fielen auf 32,10 (Vortagesschluss 33,93) Dollar.