Börsenschluss: Allianz-Aktie stürzte ab - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Allianz-Aktie stürzte ab

Schlechte US-Konjunkturdaten und eine Gewinnwarnung des Index-Schwergewichts Allianz haben den Dax am Mittwoch in die Knie gezwungen. Unter Verkaufsdruck standen auch Technologiewerte. Der Konjunkturbericht der US-Notenbank nach Börsenschluss in Deutschland konnte die Wall Street nicht aus ihrem Tief ziehen.
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Frankfurt am Main – Der Dax ging mit einem Tagesverlust von 4,61 Prozent auf 3700 aus dem Handel. Am Neuen Markt notierte der Auswahlindex Nemax50 2,7 Prozent schwächer auf 543 Punkte.

Zum Handelsschluss in Deutschland lag der Dow Jones mit 0,9 Prozent auf 8602 Zähler im Minus. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq-Composite, notierte 2,3 Prozent leichter auf 1313 Punkte. Beide Indizes gaben allerdings kurz nach 20 Uhr mit ersten Einschätzungen der US-Notenbank Fed zur US-Konjunktur zunächst weiter nach.

Am Nachmittag waren sowohl das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA für das zweite Quartal als auch der Einkaufsmanagerindex für den Großraum Chicago, der als wichtiger Konjunkturindikator gilt, deutlich schwächer ausgefallen als erwartet und hatten damit die Aktienmärkte unter Druck gesetzt.

Das US-BIP ist nach Angaben des US-Handelsministeriums im Berichtszeitraum auf Jahressicht nur um 1,1 Prozent gewachsen. Analysten hatten dagegen einen Anstieg von 2,2 Prozent erwartet. Der Einkaufsmanagerindex für den Großraum Chicago sank im Juli auf einen Stand von 51,5 Zählern und lag damit deutlich unter die Analystenprognosen von 56,7 Punkten.

Die Konjunkturerholung in den USA ist im Juli moderat verlaufen. Dies geht aus dem am Mittwoch nach Handelsschluss in Deutschland veröffentlichten Konjunkturbericht (Beige Book) der US-Notenbank hervor. Das Wachstum habe sich ungleichmäßig in den einzelnen Wirtschaftssektoren entwickelt. In vier der zwölf Distrikte der Notenbank sei eine Abschwächung des Wirtschaftswachstum festgestellt worden.

Schwache Börsen machen Allianz zu schaffen

Allianz-Aktie stürzt nach Gewinnwarnung ab

Die Allianz   hatte kurz vor Handelsschluss eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr herausgegeben. Die Aktie stürzte mit 11,50 Prozent auf 144,30 Euro in die Tiefe. Das Tageshoch hatte bei rund 172 Euro gelegen.

Die Allfinanzkonzern hat seine Ergebniserwartung für das laufende Jahr den veränderten Rahmenbedingungen angepasst. Aus heutiger Sicht lasse sich das für 2002 prognostizierte Ergebnis von drei Milliarden Euro nicht halten - zumindest nicht in der erwarteten Qualität, erklärte der Versicherungskonzern am Mittwoch ad hoc.

Grund für die Änderungen seien die anhaltend schwachen Kapitalmärkte und die deshalb schwierige Ergebnisentwicklung im Kapitalanlage- und Bankgeschäft. Die bisherige Prognose habe auf der Annahme basiert, dass sich der Aktienmarkt auf dem zu Jahresanfang erreichten Niveau stabilisiert.

Die Allianz Gruppe habe im ersten Halbjahr 2002 einen Überschuss von rund 1,6 Milliarden Euro erzielt. Aufgrund der schwachen Entwicklung der Kapitalmärkte war jedoch im zweiten Quartal ein Verlust von rund 350 Millionen Euro zu verzeichnen, hieß es weiter in der Mitteilung. Im Sog der Allianz stürzten die Papiere der Münchener Rück   um rund sieben Prozent auf 195,20 Euro.

Die Serie schlechter Nachrichten rund um die Bilanzen des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP   reißt nicht ab. Das Unternehmen hat über den Verkauf von Provisionsansprüchen in den vergangenen zwei Jahren rund 100 Millionen Euro eingenommen - was aus dem Geschäftsbericht so nicht ersichtlich war. MLP bestätigte entsprechende Berichte der "FAZ" und des Anlegermagazins "Börse Online". Ein Sprecher betonte jedoch, dass dies auf die Korrektheit des Jahresabschlusses keine Auswirkungen habe.

Investoren trauen Epcos nicht

Die Papiere des Herstellers passiver Bauelemente Epcos   büßten 9,70 Prozent auf 17,71 Euro ein. Die Aussagen des Vorstandes, Epcos wolle im ersten Halbjahr 2003 wieder in die Gewinnezone zurückkehren, überzeuge nicht, sagte ein Händler. Es gebe derzeit einfach zu viele andere Aktien von profitablen Unternehmen im Dax, die von einer Erholung der Gesamtmärkte sicherlich genauso stark profitieren sollten wie Epcos, fügte er hinzu.

Auch andere Technologiewerte standen unter Verkaufsdruck. Siemens  , Infineon   und SAP   mussten Kurseinbußen zwischen 3,40 und 5,66 Prozent hinnehmen.

FMC-Titel kommen unter die Räder

Die größten Verluste im Dax verbuchten aber mit einem Minus von knapp zwölf Prozent auf 34,54 Euro die Titel von Fresenius Medical Care   (FMC). Das Papier werde erneut von den am Vortag vorgelegten schwachen Geschäftszahlen und insbesondere von den düsteren Aussichten unter Druck gesetzt, hieß es im Markt. Die im MDax gelisteten Aktien der FMC-Mutter Fresenius AG standen ebenfalls erneut stark unter Druck verloren 9,27 Prozent auf 38,37 Euro.

Lufthansa und Metro der einzige Lichtblick

Mit Blick auf die Anhebung der Gewinnprognose von Lufthansa   sagte ein Händler: "Die Anleger haben fast vergessen, wie das ist." Die Fluggesellschaft hatte am Vormittag ihre Vorhersage für den operativen Gewinn 2002 um ein Viertel angehoben. Die Lufthansa-Papiere stiegen um zwei Prozent auf 12,20 Euro. Metro   verteuerten sich um 1,16 Prozent auf 26,20 Euro. Es sei ermutigend, dass der Einzelhandelskonzern trotz der Konsumflaute an seinen Gewinnzielen für das Gesamtjahr festhalte, hieß es. Der Fondsmanager Trudbert Merkel der Deka-Gruppe sagte, sowohl die Aktien von Lufthansa als auch diejenigen von Metro seien stark unterbewertet.

Analystenkommentar belastet T-Aktie

Ein negativer Analystenkommentar hat die Aktien der Deutschen Telekom   in den Keller geschickt. Die Investmentbank UBS Warburg hat die Papiere von "Halten" auf "Reduzieren" gestuft. Die T-Aktie gab fünf Prozent auf 11,62 Euro ab.

UBS-Analyst James Ratzer hatte in seiner am Mittwoch vorgelegten Studie zudem das Preisziel auf zehn Euro gesenkt. Das Unternehmen würde unter dem hohen Druck, der weiter auf der Industrie laste, stärker leiden als ihre Konkurrenz, heißt es. Die Telekom werde aggressive Sparmaßnahmen angehen müssen und vermutlich trotzdem im Jahr 2004 auf externe Finanzierung angewiesen sein.

Rückzahlungen belasten die Post

Die Aktie der Deutsche Post   fiel um mehr als fünf Prozent auf 10,10 Euro. Die Post hatte einen rückläufigen Gewinn für das zweite Quartal präsentiert und ihre Ergebnisprognose gesenkt. Finanzvorstand Edgar Ernst stellte eine Anleihe über eine Milliarde Euro noch in diesem Herbst in Aussicht.

Neuer Markt: Intershop mit Kurssprung

Intershop überzeugt mit einem Kurssprung

Die Aktie von Intershop   führte die Gewinnerliste im Auswahlindex Nemax 50 an. Das Papier verteuerte sich um rund zwölf Prozent auf 1,00 Euro. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ist der Verlust auf 5,8 Millionen Euro gesenkt worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Nettoverlust sei damit im Vergleich zu den ersten drei Monaten 2002 mehr als halbiert worden. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Krise der Softwareindustrie stagnierte der Quartalsumsatz mit rund zwölf Millionen Euro. Nach Firmenangaben ist Intershop mit nur noch rund 500 Beschäftigtem "auf dem Weg in die Gewinnzone".

IDS Scheer nach Zahlen im Plus

IDS-Scheer-Aktien   verteuerten sich um rund ein Prozent auf 8,03 Euro. Im ersten Halbjahr erhöhte der IT-Dienstleister das operatives Ergebnis binnen Jahresfrist um 83 Prozent auf 8,2 Millionen Euro. Außerdem halten die Saarbrücker am Ziel fest, die Ebit-Marge um acht Prozent hochzufahren.

Am Tag der Hauptversammlung kletterte die Aktie von EM.TV   um rund drei Prozent auf 1,05 Euro. Die Sanierung des skandalgeschüttelten Medienkonzerns gestaltet sich nach Worten des Vorstandschefs Werner Klatten schwieriger als erwartet. Im Laufe seines Berufslebens habe er bereits mehrere Umstrukturierungen geleitet, sagte Klatten auf seiner ersten Hauptversammlung als EM.TV-Vorstandschef in München. "Dies hier ist ohne Zweifel die härteste Sanierung meines Lebens." Klatten war im Sommer vergangenen Jahres als Nachfolger von EM.TV-Gründer Thomas Haffa angetreten.

Balda weiter im Vorwärtsgang

Die Balda-Aktie   hat an die Kursgewinne der vergangenen Tage angeschlossen und verteuerte sich um rund ein Prozent auf 5,30 Euro. Das Unternehmen hat über die US-Tochter Albea Kunststofftechnik mit der Tecstar Company, Mitglied der MGS Manufacturing Group, ein Joint Venture vereinbart. An dem Gemeinschaftsunternehmen, das den Namen Albea Technologies trägt, werden beide Unternehmen jeweils 50 Prozent halten, teilte Balda am Mittwoch mit. Seine Geschäftstätigkeit will das Joint Venture im vierten Quartal 2002 aufnehmen. Im kommenden Jahr soll der gemeinsam erzielte Umsatz bei 3,5 Millionen Euro liegen.

Unter deutlichen Abschlägen litten die Aktien von Medigene  , D.Logistics   und Süss Microtec  , die zwischen neun knapp zwölft Prozent verloren. Morgan Stanley hatte zuvor das Kursziel für die Süss-Aktie auf 25 von 40 Euro gesenkt. Zudem rechnen die Analysten nun für das Gesamtjahr mit einem Verlust von 4,2 Millionen Euro, statt mit einem Gewinn von 13,8 Millionen. Die Gewinnvorhersage für 2003 wurde gleichzeitig um zwei Drittel herabgesetzt.

Euro unter der Marke von 0,98 Dollar

Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9783 (Dienstag: 0,9835) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0222 (1,0168) Euro. Gegen 20.50 Uhr wurde die Gemeinschaftswährung mit 0,9781 Dollar gehandelt.