Börsenschluss Allianz und Dresdner im Minus
Eine schwache Wall Street hat die deutschen Börsen zum Wochenauftakt nach unten gezogen. In New York lasteten vor allem eine Gewinnwarnung des Kreditkartenanbieters und Finanzdienstleisters American Express und die diplomatischen Spannungen zwischen Amerika und China auf den Kursen.
Mit dem schweren Gepäck beladen verlor der Dax 1,2 Prozent und schloss mit 5760 Punkten. Am Neuen Markt gingen die Kurse noch drastischere in den Keller. Der Nemax-50 rutschte um 5,2 Prozent auf 1433 Zähler. Der M-Dax gab um 0,4 Prozent auf 4576 Punkte nach.
In den USA notierten die Börsen zum Frankfurter Handelsschluss ebenfalls tief im Minus. Die Blue Chips im Dow Jones gaben 1,5 Prozent auf 9727 Punkte ab, die Nasdaq schlitterte um 3,1 Prozent in Minus und zeigte einen Zählerstand von 1783 Punkten an.
Infineon fällt im Strudel schlechter Nachrichten
Die stärksten Verluste erlitten Infineon-Aktien nach unklaren Äußerungen des Vorstands-Chefs. Danach werde das Unternehmen solange keine Gewinnwarnung vorlegen, wie die Zahlen nicht unter den Marktschätzungen lägen. Dies ließe Raum für Spekulationen, sagte ein Frankfurter Händler. Zudem wurden die Titel von einer negativen Einschätzung von Goldman Sachs belastet. Das Investmenthaus geht davon aus, dass sich die europäischen Halbleitertitel zu schnell erholt hätten und nun wieder fallen könnten. Bis Handelsschluss verbilligten sich die Papiere um 6,1 Prozent auf 39,93 Euro.
Auch die Konzern-Mutter Siemens (minus 0,7 Prozent auf 114,74 Euro), Epcos (minus 1,2 Prozent auf 64,44 Euro) und SAP (minus 4,9 Prozent auf 122,60 Euro) verloren deutlich. Die Deutsche Telekom rutschte um 1,5 Prozent auf 26,35 Euro.
Fusionswirren beflügeln RWE
Tagesgewinner wurde die Aktie des Essener Energiekonzerns RWE. Die Papiere verteuerten sich um 2,2 Prozent auf 41,61 Euro. Zuvor hatten Ferroatlántica SL und die EnBW (Energie Baden-Württemberg) das Angebot des Essener Konzerns für den spanischen Versorger Hidroeléctrica del Cantábrico überboten. Der Markt habe den deutschen Versorger zuvor abgestraft, da der Übernahmepreis als zu teuer empfunden wurde, sagte ein Händler. "Wie es aussieht, werden die Essener die spanische Hidroelectrica del Cantabrico nicht übernehmen", erklärte ein Frankfurter Händler. Die Essener werden zunächst für die Übernahme des spanischen Energiekonzerns Hidrocantabrico kein neues Angebot vorlegen. Das sagte ein RWE-Sprecher am Montag in Essen.
Nach den Kursverlusten vom Freitag befanden sich die Papiere des Touristikkonzerns Preussag auf Erholungskurs und kosteten zuletzt 37,38 Euro. Das war ein Plus von 2,1 Prozent. Gefragt waren auch die Aktien des Anlagenbauers Linde. Das Papier verteuerte sich um 1,5 Prozent auf 47,70 Euro. Ein Händler stellte die Gewinne in Zusammenhang mit der am Dienstag bevorstehenden Pressekonferenz. Linde habe bereits einen positiven Ausblick für das laufende Jahr gegeben, erklärte er.
Allianz und Dresdner Bank im Minus
Auch die Aktien der Allianz und Dresdner Bank gehörten zu den Verlierern. Die Papiere verbilligten sich um 3,1 Prozent auf 317 Euro beziehungsweise 1,3 Prozent auf 50,75 Euro. Am Wochenende hatten die Aufsichtsräte beider Häuser die Übernahme der Dresdner Bank durch den Versicherer gebilligt.
Im Zuge der Neustrukturierung des deutschen Finanzmarktes hatten die Aktien der Münchener Rück und der HypoVereinsbank im frühen Handel zugelegt, mussten die Gewinne zum Abend jedoch wieder abgeben. Die Titel des Rückversicherers verloren 0,03 Prozent auf 335,19 Euro, die der Bank gaben um 0,5 Prozent auf 60,88 Euro nach. Die Commerzbank und Deutsche Bank sind beide knapp über zwei Prozent gefallen.
Während sich Thyssen Krupp im Abendhandel auf ein Minus von lediglich 0,06 Prozent auf 16,48 Euro retteten, addierten sich die Verluste bei Lufthansa auf 4,5 Prozent. Das Papier kostete zuletzt 20,05 Euro. Eine Begründung konnten Händler für beide Kursbewegungen nicht geben.
Uneinheitlich zeigten sich Automobilwerte. Die Volkswagen-Aktie verlor um 1,2 Prozent auf 51,30 Euro nach einer Herabstufung des Bankhauses Metzler. Hingegen legten BMW um 0,6 Prozent auf 34,78 Euro zu, während DaimlerChrysler sich um 1,4 Prozent auf 51,35 Euro verteuerten.
Teldafax kurz vor der Pleite
Die Negativ-Schlagzeile des Tages lieferte . Der Telekomdienstleister hat ein Insolvenzverfahren beantragt. Grund sei die drohende Abschaltung ihres Netzes durch die Deutsche Telekom. Ein Insolvenzverwalter solle nun gemeinsam mit dem Teldafax-Hauptaktionär, World Access , den Versuch unternehmen, zu verhindern, dass die Telekom die Telefonleitungen abschaltet. Die Aktie war vor Börsenbeginn vom Handel ausgesetzt worden und wurde auch am Montag nicht gehandelt. Am Freitag verbuchte der Wert einen Verlust von 5,26 Prozent auf 0,54 Euro.
Fast zur Nebensache geriet deshalb das Börsendebüt von Nordex. Der Hersteller von Windkraftanlagen hatte im Vorfeld bereits die Preisspanne von elf Euro bis 14 Euro auf neun Euro bis 11,50 Euro reduzieren müssen. Der erste amtliche Preis lag bei neun Euro, danach ging es bergab. Zum Schlussgong stand die Aktie bei 8,30 Euro. Am Donnerstag wagt mit dem Logistikunternehmen lila Logistik AG ein weiterer Kandidat den Sprung aufs Börsenparkett.
Größter Gewinner im Nemax-50 war Consors mit einem Plus von 16,2 Prozent auf 28,35 Euro. Übernahmegerüchte hatten die Anlegerfantasie beflügelt. Zeitungsberichten zufolge gibt es Gespräche zwischen Consors und der Allianz über eine mögliche Übernahme. Zudem sei Consors noch mit drei weiteren großen Unternehmen in Verhandlungen, darunter auch die Deutsche Bank. Der Vorstand von Consors widersprach den Übernahmegerüchten allerdings entschieden.
Constantin Film büßten zwei Prozent ein. Bernd Eichinger wird den Chef-Sessel räumen und sich nur noch auf die Eigenproduktion konzentrieren. Seinen Posten übernimmt Daniel Wies. Außerdem hat der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende, EM-TV-Chef Thomas Haffa, sein Mandat niedergelegt, Nachfolger wird Fred Kogel. Pixelpark wurden den letzten Platz im Index nicht los und standen zuletzt noch mit 30 Prozent auf 3,55 Euro im roten Bereich.
Der Fall Ochner
Einen Kursrutsch von rund 55 Prozent 5 erlebten auch die Papiere von Caatoosee. Sie brachen nach Händlerangaben nach dem Weggang des Julius-Bär-Portfoliomanagers Kurt Ochner ein. Ochner sei bei Caatoosee "stark engagiert" gewesen, sagte der Händler. Der frühere Kursverlauf der Aktie zeige gerade gezogene Linien, was darauf hindeute, dass der Kurs in der Vergangenheit gestützt worden sei.
Nach dem Weggang von Fondsmanager Ochner vermuteten nun viele Marktteilnehmer, dass die Kursstützung zukünftig ausbleibe. Sowohl private als auch institutionelle Investoren hätten am Montag verkauft, sagte der Händler. Ähnlich verhielt es sich bei Biodata, ebenfalls ein Liebling Ochners. Die Aktien des Unternehmens gaben um 17,9 Prozent auf 57,50 Euro nach. Verunsichert fühlten sich auch jene Ochner-Jünger, die bislang auf Novasoft-Papiere gesetzt hatten und sich am Montag in Massen davon trennten. Novasoft gaben 19,1 Prozent auf 8,90 Euro nach. Ähnlich verhielt es sich bei den Anteilsscheinen von Cybio, die ebenfalls um rund 20 Prozent nachgaben.
Euro erholt sich leicht
Der Euro legte im Tagesverlauf zu. Er kostete am Abend 0,8802 Dollar und war damit um 0,39 Prozent teurer als am vergangenen Freitag. Den Referenzkurs hatte die Europäische Zentralbank am Mittag noch bei 0,8772 Dollar festgelegt.
Der Rentenindex Rex kletterte um 0,05 Prozent auf 113,37 Punkte. Der richtungweisende Bund Future gab hingegen um 0,41 Prozent auf 109,12 Zähler ab. Die Bundesbank stellte am Mittag die Umlaufrendite bei 4,63 (Freitag: 4,66) Prozent fest.