Börsenschluss Angst beherrscht den Markt
Frankfurt am Main Trotz einer späten Erholung der Wall Street haben die deutschen Börsen am Montag noch tief in der Verlustzone geschlossen. Der Dax hat sich jedoch deutlich von seinem Tagestief bei 3383 Punkten entfernen können und ging auf 3429 Zählern aus dem Handel, ein Minus von 1,6 Prozent.
Die Nebenwerte gaben durchschnittlich um 0,6 Prozent ab und drückten den MDax auf 3244 Zähler. Am Neuen Markt rutschte der Nemax 50 um 1,3 Prozent auf 449 Punkte.
"Diese Woche ist wegen des Jahrestags des 11. September eine ganz besondere Woche", sagte ein Aktienhändler. Die Anleger seien aus Furcht vor neuen Anschlägen sehr zurückhaltend. Ebenso beunruhige der drohende Krieg der USA gegen den Irak die Börsen. Unternehmensmeldungen und Konjunkturdaten sorgten derzeit allenfalls für kurzfristige Ausschläge.
Viele Investoren wollten die ersten 14 Tage im September ins Land ziehen lassen, bevor sie sich erneut engagierten, sagte ein Händler in München. Jedoch sei der deutsche Aktienmarkt erneut der Schwächste in ganz Europa, fügte der Händler hinzu. Das Land genieße momentan nicht das Vertrauen der internationalen Anleger, die den Aufschwung zuerst in den anderen Ländern vermuteten. Vor der Bundestagswahl übten sie sich deshalb in Zurückhaltung.
In den USA gewannen die Börsen nach einer deutlichen schwächeren Eröffnung im Verlauf deutlich an Kraft. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland auf 8437 Zählern, ein Plus von 0,1 Prozent. Der Nasdaq gab um 0,1 Prozent auf 1294 Punkte nach.
Bayer mit Milliarden-Investitionen
Kräftige Verluste erlitten am Abend die Aktien des Leverkusener Bayer-Konzerns . Der Kurs fiel um 3,6 Prozent auf 21,30 Euro, nachdem das Unternehmen Milliarden-Investitionen in Nordrhein-Westfalen angekündigt hatte.
Erneut aufflammende Fusionsgerüchte trieben die Commerzbank-Aktie an die Spitze des Dax. Die Papiere gewannen um 1,7 Prozent auf 10,08 Euro.
TUI-Aktie auf Talfahrt
Die Aktie des weltgrößten Tourismus-Konzerns TUI verlor um 3,8 Prozent auf 19,41 Euro. Bankexperten machten unter anderem die unklare Zukunft in der Irak-Frage für den Abwärtstrend verantwortlich. Ein Sprecher der TUI AG sagte am Montag in Hannover, die Entwicklung sei vor dem Hintergrund des 11. September zu sehen.
Papiere der Deutschen Post gaben um 2,7 Prozent auf 10,67 Euro nach. Ein Sprecher wies Medienberichte zurück, der Konzern habe seine Prognosen nach unten revidiert. Die Post rechne nach eigenen Angaben für 2002 weiter mit einem Umsatz von knapp 40 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn (Ebita) zwischen 2,2 und 2,3 Milliarden Euro.
Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FASZ) hatte zuvor berichtet, Finanzvorstand Edgar Ernst habe mit diesen Umsatzangaben unter der bisher angepeilten Marke von 41 Milliarden Euro gelegen und damit die Prognose in einem Interview der Zeitung leicht nach unten revidiert.
Deutsche Telekom unter Druck
Auch die T-Aktie büßte ein und verlor rund 3,7 Prozent auf 10,30 Euro. Das Papier hatte allerdings am Freitag nach Spekulationen um mögliche Fortschritte beim Schuldenabbau rund elf Prozent hinzugewonnen.
Nach einem Pressebericht soll die freie Wahl des Netzbetreibers bei Ortsgesprächen doch noch vor der Bundestagswahl beschlossen werden. Zudem sagte der frühere Ministerpräsident Baden-Württembergs, Lothar Späth (CDU), dass im Falle eines Wahlerfolges der CDU/CSU die Telekom möglichst schnell vollständig privatisiert werden soll. Er plädierte zudem für eine "knallharte Deregulierung".
SAP: Goldman Sachs reduziert Gewinnerwartung
Technologiewerte standen durch die Bank auf den Verkaufslisten der Anleger. SAP-Titel verloren um 1,5 Prozent auf 66,36 Euro. Die Investmentbank Goldman Sachs senkte ihr Kursziel für SAP auf 90 Euro von zuvor 100 Euro und reduzierte ihre Gewinnerwartungen je Aktie für 2002 und 2003.
Die Anteilsscheine von Siemens gaben um zwei Prozent auf 43,95 Euro ab. Die von Epcos verloren etwa 2,2 Prozent auf 13,01 Euro. Infineon-Papiere notierten rund 4,3 Prozent leichter.
Nach Angaben eines Frankfurter Händlers dürften die Aussagen von Siemens-Chef Heinrich von Pierer in der "Welt am Sonntag" zum Stellenabbau des Unternehmens kaum Einfluss auf den Kurs genommen haben. Der Konzernchef hatte gesagt, er wolle keine Massenentlassungen. Siemens werde sämtliche Instrumente nutzen, "um den Prozess so weit es geht erträglich zu gestalten". Zu der kursierenden Zahl von bis zu 35.000 Stellenstreichungen wollte sich von Pierer nicht äußern.
Versicherungstitel gaben nach ihren deutlichen Zugewinnen am Freitag wieder ab. Münchener-Rück-Aktien verloren um 1,9 Prozent auf rund 170,44 Euro. Die Ratingagentur Moody's hatte zuvor ihren Ausblick für die Branche der europäischen Rückversicherer mit negativ angegeben. Papiere der Allianz gaben rund 0,8 Prozent auf 118,10 Euro ab.
Übernahmegerüchte beflügeln Hugo Boss, Biotechwerte am Neuen Markt gefragt, Euro kämpft mit der 0,98-Dollar-Marke
Übernahmegerüchte beflügeln Hugo Boss
Im MDax präsentierte sich die Aktie von Hugo Boss sehr fest. Zum Schlussgong notierte das Papier auf 9,89 Euro, ein Plus von 5,2 Prozent. Die Aktie werde derzeit von Übernahmegerüchten getrieben, sagte ein Aktienhändler im Gespräch mit dpa-AFX. "Allerdings ist da nichts dran", fügte er an. Durch den Eignerwechsel beim Groß-Gesellschafter Marzotto ändere sich für den Modekonzern "überhaupt nichts". Ein andere Händler deutete die Möglichkeit an, dass Marzotto die Anteile an Hugo Boss komplett verkaufen könnte, und dann einer der großen Luxusgüterkonzerne zuschlagen könne. Dazu zählen in Europa LVMH oder Gucci .
Neuer Markt: Biotechwerte gefragt
Mit einem Kursaufschlag von 8,6 Prozent auf 19,25 Euro gehörte die Aktie von Morphosys zur Spitzengruppe des Neue-Markt-Auswahlindex' Nemax 50 an. Das Biotechnologie-Unternehmen verhandelt mit British Biotech über eine mögliche Fusion. Das Bestätigte Morphosys-Finanzchef Dave Lemus auf Anfrage von Nachrichtenagenturen. Zuvor hatten bereits die Briten die laufenden Fusionsverhandlungen bestätigt.
Das Papier von Medigene stieg um 7,8 Prozent auf 5,39 Euro. Das deutsch-amerikanische Biotechnologie-Unternehmen hat eigener Einschätzung nach vielversprechende Ergebnisse bei der Entwicklung eines Medikaments gegen Leberkrebs erzielt. Die klinische Phase 1 Studie für den Wirkstoff NV 1020 sei erfolgreich abgeschlossen worden, hieß es. Die Ergebnisse seien "sehr ermutigend und veranlassen uns dazu, die klinische Entwicklung des Wirkstoffs weiterzuführen", sagte der Forschungs- und Entwicklungsvorstand, Johanna Holldack.
Mobilcom vor France-Telecom-Entscheidung unter Druck
Die Papiere des Büdelsdorfer Mobilfunkbetreibers Mobilcom büßten 15,6 Prozent auf 4,81 Euro ein. Am Donnerstag wird der Aufsichtsrat der France Telecom über das weitere Vorgehen bei Mobilcom entscheiden. Bislang steht noch nicht fest, ob die Franzosen ein Übernahmeangebot an die Büdelsdorfer unterbreiten werden. Einen Tag später werden France Telecom und die Mobiltochter Orange dann ihre Zahlen für das erste Halbjahr auf den Tisch legen. France Telecom hält über Orange 28,5 Prozent an Mobilcom. Unternehmensgründer und Hauptaktionär Gerhard Schmid, der gemeinsam mit seiner Frau knapp 50 Prozent an Mobilcom hält, verlangt zwischen elf und 17 Euro je Aktie.
Regierungsprogramm treibt Nikkei an
Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag Boden gut gemacht. Nach der positiven Vorgabe der Wall Street vom Freitag stieg der Nikkei-Index für 225 führende Werte um 177,19 Punkte oder 1,9 Prozent und ging beim Stand von 9306 Zählern aus dem Handel. Der breit angelegte Topix stieg um 13,52 Punkte oder 1,5 Prozent und beendete die Sitzung beim Stand von 907 Zählern. Händler machten neben den positiven US-Vorgaben vor allem Medienberichte über ein neues Programm der regierenden Liberaldemokratischen Partei zur Belebung der Wirtschaft verantwortlich.
High-Tech-Werte profitierten zudem von der Entscheidung der Investmentbank Lehman Brothers, die amerikanischen Chip-Werte heraufzustufen. So gewannen Rohm-Aktien 830 auf 15.180 Yen, Advantest 170 auf 5610 Yen und TDK 190 auf 5240 Yen. NEC-Aktien legten um neun auf 617 Yen zu, Hitachi sieben auf 610 Yen und Toshiba neun auf 404 Yen.
Ebenfalls im Plus starteten Bankenwerte. Mizuho-Papiere kletterten um 10.000 auf 237.000 Yen, Mitsubishi Financial Group 29.000 auf 774.000 Yen, UFJ Holdings 9000 auf 253.000 Yen und Sumitomo Mitsui Banking 25 auf 561 Yen.
Euro kämpft mit der 0,98-Dollar-Marke
Der Kurs des Euro ist am Montag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9794 (Freitag: 0,9918) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0210 (1,0083) Euro. Bis 20 Uhr kletterte die Einheitswährung in Frankfurt wieder leicht auf 0,9802 Dollar.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6287 (0,6326) Pfund, 116,79 (117,32) Yen und 1,4576 (1,4590) Schweizer Franken fest.